Fair Trade Zahlt sich Fair Trade für Einzelhändler aus?

Saarbrücken wurde zur Fair-Trade-Hauptstadt gewählt. Aber was haben Unternehmer davon? Vier Firmenchefs berichten, warum sie auf Fair-Trade-Produkte setzen.

Vor acht Jahren eröffneten Nicole Hager und Vanessa Drumm-Merziger ihr Spielzeugfachgeschäft Saarbrücken. In der „Spielbar“ sollten Produkte ohne Schadstoffe, möglichst aus deutscher Produktion, verkauft werden sowie Fair-Trade-Produkte, vom Fußball bis zu Kinderrucksäcken. „Schon als Kind bei den Pfadfindern hatte ich mit Fair Trade zu tun, das private Interesse hat nun auch das Geschäftliche beeinflusst“, sagt Hager. „Seit ich selbstständig bin, habe ich weniger Zeit, mich für Jugendarbeit zu engagieren, deshalb mache ich jetzt Fair Trade.“

Nicole Hager und Vanessa Drumm-Merziger sind nur zwei von vielen Unternehmern, die in Saarbrücken auf Produkte aus fairem Handel setzen. In den vergangenen Jahren haben sich dort außerdem viele Initiativen gegründet, die einen fairen Handel in der Welt unterstützen und fördern.

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Mit Erfolg: Saarbrücken wurde zur „Hauptstadt des Fairen Handels 2015“ gewählt. Insgesamt 84 Kommunen mit 818 Projekten hatten sich beworben – so viele wie noch nie. Dass Saarbrücken sich trotz der großen Konkurrenz im Wettbewerb erfolgreich behaupten konnte, sei den zahlreichen außergewöhnlichen Projekten und Aktionen zu verdanken, teilte die Stadt nach der Preisverleihung mit. „Wir haben unsere Aktivitäten in den letzten Jahren enorm ausgedehnt. Diese Auszeichnung motiviert und verpflichtet uns, als Kommune noch mehr im Bereich des Fairen Handels zu tun.“

Aber was bringt die Ausrichtung auf Fair Trade für die Stadt – und für die Unternehmer?

„Eine Investition, die man aus Überzeugung machen muss“

Michael Bumb führt das einzige Fair-Trade-Hotel im Saarland. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal und ich fühle mich auch wohler“, sagt der Miteigentümer des Familienunternehmens Hotel am Triller. Angefangen hatte alles mit der persönlichen Entscheidung, sich gesund zu ernähren. Dann wurde der Gedanke auf den Betrieb übertragen. „2007 haben wir das Restaurant auf Bio umgestellt, dann Fair-Trade-Produkte eingeführt beim Frühstück“, erzählt Bumb. 2014 wurden die gesamte Bettwäsche und die Handtücher des 110-Betten-Hotels auf reine Baumwolle und Fair Trade umgestellt.

In Zukunft werde bei Umbauarbeiten auf Gardinen und Teppiche mit Fair-Trade-Zertifizierung geachtet. „Das war eine Investition, die man aus Überzeugung machen muss“, sagt er. Wirtschaftlich lohne es sich weniger, es werde vielmehr teurer. Für die wenigsten Kunden sei Fair Trade bisher ein Verkaufsargument, seine Preise habe er deswegen nicht erhöht.

Viele Unternehmer tun es dennoch. Aus Idealismus und persönlicher Überzeugung. Und hoffen darauf, dass es bei den Fair-Trade-Produkte eine ähnliche Entwicklung geben könnte wie bei Bio-Produkten. In der boomenden Bio-Branche können Bauern, Einzelhändler und auch Hotels deutlich mehr Geld verlangen, wenn sie Bioprodukte anbieten.

Hoffen auf den Boom

Bei Fair-Trade-Produkten dürfte das noch dauern. Trotzdem hoffen auch andernorts in der Republik Unternehmer darauf, dass sich der Umstieg auf fair gehandelte Produkte irgendwann auszahlt – und endlich Schwung in den Markt kommt.

So wie Peter Segerer. Er stieg mit seiner Confiserie in Neumarkt in der Oberpfalz – die Stadt ergatterte jetzt den dritten Preis im Wettbewerb – vor drei Jahren auf Fair Trade um. Seitdem verarbeitet der Konditormeister zu 90 Prozent Schokolade aus dem Fairen Handel. „Ich habe ein gutes Gewissen, wenn ich meine Produkte verkaufe“, sagt Segerer. „Wegen der Fair-Trade-Standards weiß ich jetzt, dass die Produzenten ordentlich von ihren Erzeugnissen leben können.“

Fernsehberichte über Kinderarbeit hatten ihn zum Umdenken gebracht. Die Entscheidung, teurere Rohstoffe einzukaufen, sei ihm nicht leicht gefallen. „Wir haben länger diskutiert“, erzählt der Unternehmer, der vier Mitarbeiter beschäftigt. „Jetzt verdiene ich zwar etwas weniger, aber das ist es mir wert.“

Als Fachgeschäft spreche er viel mit den Kunden, aber nur wenige interessieren sich wirklich dafür, wo die Lebensmittel herkommen. „Das ist schade und zeigt, dass auch der Fair-Trade-Gedanke noch zu wenig in den Köpfen ist. Mit dem neuen Siegel für die Gemeinde wird sich nicht viel ändern“, vermutet Segerer. „Dabei müssen wir alle viel mehr tun, um die Lebensbedingungen der Produzenten zu verbessern.“

Optimismus in Bad Boll

Frieder Traub ist da schon etwas optimistischer. Er führt in Bad Boll (2. Platz im Bundeswettbewerb) einen Blumenladen. Seit 2002 hat er Fair-Trade-Rosen im Sortiment, jetzt auch andere Blumen und Geschenkartikel. „Als mir ein Vertreter diese Option angeboten hat, war ich begeistert und von Anfang an dabei“, sagt der Unternehmer. Es war aber keine rein geschäftliche Entscheidung. „Ich denke, diese Wertschätzung für die Arbeit der Produzenten wird energetisch auch wieder zu mir zurückkommen.“

Bei den Bürgern der Gemeinde kommen die Blumen aus fairem Handel jedenfalls gut an. „Bei den Bürgern rennt man da offene Türen ein“, erzählt Traub. „Schon 2002 musste ich das Fair-Trade-Konzept nicht groß erklären, weil es im Ort viele Geschäfte gibt, die auf Nachhaltigkeit setzen.“

Der zweite Platz im Wettbewerb zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei, sagt er. Über die Auszeichnung, so hofft er, würden die Kunden motiviert, auch weiterhin Fair Trade zu kaufen.

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