Comeback eines Traditionshandwerks Auf hölzernen Sohlen

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Holzpantoffelhersteller Manfred Karolczak in seiner Werkstatt im Spreewaldort Burg. Seit 1909 werden in dem kleinen Familienbetrieb in Handarbeit Schuhe geschnitzt. Das Holzoberteil wird mit Schweinsleder bespannt und mit Draht befestigt. Nach rund einer Stunde sind ein Paar Holzpantoffeln hergestellt.

Holzpantoffelhersteller Manfred Karolczak in seiner Werkstatt im Spreewaldort Burg. Seit 1909 werden in dem kleinen Familienbetrieb in Handarbeit Schuhe geschnitzt. Das Holzoberteil wird mit Schweinsleder bespannt und mit Draht befestigt. Nach rund einer Stunde sind ein Paar Holzpantoffeln hergestellt. © picture alliance / dpa / ZB

Holzpantoffeln erleben eine kleine Renaissance, sagt Manfred Karolczak, der die hölzernen Schuhe inzwischen in dritter Generation herstellt. Ein Ortsbesuch bei einem der letzten, die das alte Handwerk beherrschen.

Der Moment, wenn das Rindsleder gespannt wird, gefällt Manfred Karolczak am besten. Dann sind seine Holzpantoffeln, die er nach alter Tradition herstellt, fast fertig. Das Leder wird an das Holz genagelt.

Der 62-Jährige ist einer von wenigen verbliebenen gelernten Holzschuhmachern in Deutschland. In seiner Werkstatt im Kurort Burg in Südbrandenburg riecht es nach Leder und Holz. Türme aus Erlen- und Pappelstücken, Schablonen in Schuhform, alte robuste Maschinen, Lederstoffbahnen. Alte Telefone stehen im Regal, eine Kasse von einst. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein.

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Nach der Wende ging die Nachfrage zurück, wie Karolczak sagt. Aber noch bestehe sie. Manche Bestellungen kommen übers Internet, Kunden aus der Region kaufen in dem kleinen Laden. „Viele, die die Werkstatt sehen, sagen: „Mensch, das gibt’s noch““, sagt der 62-Jährige und schmunzelt. Im Nebengebäude ist eine Schauwerkstatt aufgebaut. 30 Euro kosten ein Paar Holzpantoffeln. Der Spreewälder will demnächst wieder verstärkt auf Märkte gehen. Er sieht eine Chance in der Nische.

Nachfrage nach Holzpantoffeln steigt

Holzschuhe gibt es schon sehr lange. Im 14. Jahrhundert wurden zum Beispiel Holzsandalen unter leichten Lederschuhen getragen, um diese zu schützen und zu stabilisieren, erklärt Josephine Barbe von der Technischen Universität Berlin. Sie galten als modisches Accessoire der Adligen. Später hatten Holzschuhe eine andere Funktion: „Seit dem 16. Jahrhundert wurden die einfachen geschnitzten Holzschuhe in Nordeuropa als reine Arbeitsschuhe getragen. Lange Zeit galten Holzschuhe daher als Fußbekleidung der armen Leute.“

Manufakturen wie die von Karolczak sind selten in Deutschland. Von der Pike auf gelernt hat das Handwerk auch Lorenz Hamann aus Schleswig-Holstein. „Der Beruf stirbt aus“, sagt er, als Lehrberuf gebe es ihn schon nicht mehr. In seinem Meisterbetrieb in Preetz werden jährlich mehrere tausend Paar Schuhe hergestellt. Darunter sind – anders als bei der Werkstatt im Spreewald – auch Holzsandalen und Holzstiefeletten.

„Die Nachfrage steigt“, sagt Hamann. Er spricht sogar von einem Trend hin zum Holzschuh. Barbe sieht das auch so. „Heute erlebt die Holzsohle aus leichtem, schnell wachsenden Weidenholz mit Fußbett und flexibel biegsamen Kautschukgelenk ein Comeback.“

„Holzpantoffeln sind praktisch, sie haben keine Schnürsenkel“

Warum wollen Leute sie tragen? „Holzpantoffeln sind praktisch, sie haben keine Schnürsenkel. Man kann schnell hineinschlüpfen, wenn man zum Beispiel kurz in den Garten will“, sagt Hamann. Und: „Man hat immer warme Füße.“

Wissenschaftlerin Barbe zufolge stehen Holzpantoffeln und -schuhe heute für Nachhaltigkeit und Langlebigkeit. Und für Fußgesundheit, weil ein Holzschuh eine gute Durchlüftung zulasse sowie mit scharfen Mitteln gereinigt werden könne und es dadurch Mikroorganismen schwer hätten.

Doch auch wenn die Nachfrage wieder etwas steigt: Alleine von der Fertigung von Holzpantoffeln kann Manfred Karolczak heute nicht mehr leben. Sein Geld verdient er deswegen heute hauptsächlich mit Touristen, die in seiner Pension übernachten.

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