One-Stop-Shopping Der schnelle Einkauf und seine fatalen Folgen

Schnell noch mit dem Auto los zum Supermarkt: One-Stop-Shopping nennt man diesen Trend.

Schnell noch mit dem Auto los zum Supermarkt: One-Stop-Shopping nennt man diesen Trend. © Mari_art / Fotolia.com

Für täglichen Einkauf nehmen sich viele Menschen immer weniger Zeit. Wer unter dem Trend zum "One-Stop-Shopping" besonders leidet - und warum Verbraucherforscher Hoffnung auf eine Trendwende machen.

Die Deutschen gehen immer seltener einkaufen. Das gilt gleichermaßen für den Shoppingbummel in der Innenstadt wie für den Einkauf beim Bäcker oder beim Metzger nebenan. Der Einzelhandel beobachtet den Trend mit Sorge. Bei einer Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) klagten im Frühjahr über 70 Prozent der Geschäfte in den Innenstädten über rückläufige Kundenzahlen. Einen Grund dafür sieht der HDE nicht zuletzt im Boom des Onlinehandels – und warnt, dass in den nächsten Jahren bis zu 50.000 Läden in den Innenstädten gefährdet seien.

Die deutschen Konsumenten gehen pro Jahr 13 Male seltener los zum Einkaufen

Doch nicht nur in den Fußgängerzonen wird seltener eingekauft. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) beobachtet schon seit einigen Jahren auch einen Rückgang der Zahl der Besuche bei Supermärkten und Fachgeschäften wie Bäckereien, Metzgereien oder Parfümerien. Kauften die deutschen Konsumenten vor vier Jahren im Durchschnitt noch rund 241 mal im Jahr Güter des tägliche Bedarfs wie Lebensmittel, Körperpflegeprodukte oder Reinigungsmittel ein, so ist die Zahl der Shopping-Trips inzwischen auf 228 gesunken. Das entspricht einem Rückgang von fast sechs Prozent. Bei Fachgeschäften und Wochenmärkten fiel nach Angaben der GfK-Experten sogar jeder zehnte Besuch aus.

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Schuld an den seltener gewordenen Stippvisiten beim Metzger, beim Bäcker oder auf dem Wochenmarkt ist aber nach Einschätzung des GfK-Handelsexperten Wolfgang Adlwarth nicht in erster Linie die Konkurrenz aus dem Internet. Denn anders als im Textilhandel spielt die Online-Konkurrenz bei Artikeln des täglichen Bedarfs noch keine große Rolle. Der Branchenkenner macht für die Entwicklung eher die Zeitknappheit der im Berufsleben stehenden Konsumenten verantwortlich. Das führe zum Beispiel dazu, dass sich die gestressten Konsumenten den Gang zum Fachgeschäft ersparen und Brot oder Fleisch gleich im Supermarkt mitzunehmen.

Supermärkte profitieren, Fachgeschäfte verlieren

Vor allem die großen Supermarktketten wie Edeka oder Rewe scheinen derzeit von dem Trend zum schnellen Einkauf zu profitieren. Schließlich erlaubt ihr vielfältiges Angebot, in einem Rutsch die ganze Einkaufsliste abzuarbeiten. Zwar werden auch die Supermärkte vom Käuferrückgang nicht ganz verschont, doch wird dies durch größere Einkäufe mehr als wettgemacht, wie Adlwarth betont. Auch Discounter wie Aldi oder Lidl bemühen sich zunehmend mit Backstationen, mehr Markenartikeln in den Regalen und frischem Fleisch oder Fisch in der Kühltheke, ihren Kunden ein „One-Stop-Shopping“ zu ermöglichen.

Verlierer sind vor allem die Fachgeschäfte. Die Zahl der Fleischer-Fachgeschäfte in Deutschland sank zwischen 2004 und 2014 von über 18.000 auf knapp 14.000. Und auch die Zahl der Bäckereibetriebe schrumpft seit Jahren. Die „Speerspitze der Einkaufsreduzierer“ sind der GfK zufolge die Verbraucher unter 40 Jahren. Dann diese Gruppe sei von den wachsenden Mobilitäts- und Flexibilitätsanforderungen im Berufsleben besonders betroffen.

Kommt die Trendwende?

Doch könnte sich eine Trendwende anbahnen: In diesem Jahr beobachten die Verbraucherforscher bei den unter 40-Jährigen erstmals wieder eine leichte Zunahme der Zahl der Shoppingtrips. Möglicherweise habe sich ein Teil dieser Verbraucher inzwischen besser an die persönliche Stresssituation angepasst, vermuten die Experten. „Es könnte ein erstes Signal sein, dass die unter 40-Jährigen die Freude am Einkauf wiederentdecken“, meint Adlwarth. Dafür spreche, dass von der Trendwende überdurchschnittlich Biomärkte oder Hofläden profitierten. Anlass zur Entwarnung für das Gros der Geschäfte ist dies freilich nicht. Denn die Einkaufhäufigkeit bei den über 40-Jährigen geht den Marktforschern zufolge weiter zurück und das „nicht eben unerheblich“.

1 Kommentar
  • Nataniel 12. August 2016 23:46

    Kurz gesagt: Hohe Parkgebühren, Parkplatznot, keine öffentlichen Toiletten (wenn man eine Stunde lang vom Land in die Stadt fährt, muss man eben mal pinkeln gehen, denn wenn man es sich verkneifen muss, shopt es sich nicht so gut. Dann natürlich die hohen Kraftstoffkosten. Eigentlich dürften wir mit unserem alten Diesel garnicht in die Stadt, weil der keine grüne Plakette hat. Aber bisher hat niemand etwas gesagt.
    Somit bestellen wir eben immer mehr bei Amazon. Falls wir tatsächlich wegen der gelben Plakette bestraft werden, dann werden wir eben konsequent bei Amazon bestellen und überhaupt nicht mehr in die Stadt fahren.

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