Piercing-Verbot „Wir richten uns nicht an Menschen mit Blech im Gesicht“

Körperschmuck wie Nasenpiercings ist weit verbreitet. Zum von der Zoz-Group mitveranstalteten Symposium wäre diese junge Dame aber nicht zugelassen worden.

Körperschmuck wie Nasenpiercings ist weit verbreitet. Zum von der Zoz-Group mitveranstalteten Symposium wäre diese junge Dame aber nicht zugelassen worden.© nicolasberlin / photocase.de

Herzlich willkommen - wenn Sie keinen auffälligen Körperschmuck haben! Ein Unternehmer hat einen ungewöhnlichen Dresscode für Gäste eines Symposiums festgelegt - und sorgt damit für Wirbel.

Der Unternehmer Henning Zoz hat einen Standpunkt, der polarisiert: Zu einem von ihm mitorganisierten Symposium lud er auch Schüler aus der Region ein – doch nicht alle waren willkommen. Jugendliche mit Piercings, Tatoos oder bunten Haaren waren genauso tabu wie Schlabberhosen und Mützen.

Der mehrtägige Nanotechnologie-Kongress, der bis Dienstag in der sauerländischen Kleinstadt Wenden stattfand, hat wegen des strengen Dresscodes für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) sagte seine Teilnahme sogar kurzfristig ab, nachdem er vom Schreiben der Zoz Group an die Schulen im Umkreis erfahren hatte.

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Darin hieß es: „Wir richten uns insbesondere an Physik- und Chemie-Leistungskurse und jene jungen Menschen, die technologisch in diesem Land demnächst Zukunft gestalten wollen/sollen/müssen. Wir richten uns nicht an Menschen mit bunten Haaren, Blech im Gesicht und jene, die die Füße nicht heben und die Hose kaum auf den Hüften halten können und/oder eines ordentlichen Sprachgebrauches kaum mächtig sind.“ Es gebe auch keinen „Einlass für Vermummte“ – es gelte: „Keine Mütze, keine Kapuzen und auch keinen Helm auf dem Kopf“, so zitiert die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ aus dem Brief.

Wie ernst ist es Zoz mit seiner Forderung?

Hat Henning Zoz, selbst vierfacher Vater, diese Aussage wirklich ernst gemeint? Erst 2011 wurde er vom Magazin „Südwestfalen Manager“ zum „Manager des Jahres“ gewählt – vor allem wegen seines gesellschaftlichen Engagements und der Zukunftsfähigkeit der Unternehmensgruppe, die Anlagen für mechanische Verfahrenstechnik und Werkstoffe für Nanotechnologie herstellt.

Auf Anfrage von impulse sagte Zoz: „Keineswegs. Der Aufruf ist ernst gemeint und an die Kinder wie an deren Eltern gerichtet. Die Kinder haben ein Recht auf körperliche Unversehrtheit“, sagt der 51-jährige Nanotechnologe Zoz. Auch bei seinen eigenen Kindern habe er Piercings oder Kahlrasuren nicht geduldet. „Wenn sie 18 Jahre alt sind, können sie selbst entscheiden; aber bis dahin bin ich verantwortlich.“ Ein Fehler sei es jedoch gewesen, diesen Aufruf im Rahmen seiner Funktion als Mitorganisator der Veranstaltung zu machen. „Es wäre besser gewesen, dies privat oder als Unternehmer zu tun“, sagte er.

Trotzdem freue er sich sehr über die Diskussion, die er angestoßen habe. „Ich habe zu 90 Prozent massive Zustimmung bekommen, auch über die sozialen Medien“, sagt Zoz. Zu dem Symposium seien auch Schüler gekommen. Einem Schulleiter, der ihm einen Brief geschrieben hat, möchte er anbieten, bei einem Klassenbesuch mit den Schülern über das Thema zu diskutieren. „Schließlich ist es ja auch eine Frage von Arbeitsschutz, wenn jemand bei der Produktion einen großen Ring in den Lippen hat“, sagte Zoz. „Der müsste bei mir im Werk herausgenommen werden.“ Tätowierungen hingegen würden ohnehin meist von der Körperschutzkleidung überdeckt.

Aussehen am Arbeitsplatz – was Arbeitgeber regeln dürfen

Die Vorstellungen von Arbeitgebern über das Aussehen ihrer Mitarbeiter sorgen immer wieder für Diskussionen. Denn auch wenn Piercings und Tätowierungen längst Alltag geworden sind, müssen Arbeitgeber sie nicht akzeptieren. Außerdem können sie von ihren Mitarbeitern verlangen, sich bei Kundenkontakt „branchenüblich“ zu kleiden. Der Unternehmer kann also in die Persönlichkeitsrechte eingreifen und ein einheitliches Erscheinungsbild gegenüber dem Kunden fordern, wie das Bundesarbeitsgericht 2002 entschied (Az.: 2 AZR 472/01).

Dennoch ist „branchenüblich“ ein schwammiger Begriff. Generell ist in konservativ geprägten Branchen wie Banken oder Kanzleien mehr Zurückhaltung gefragt, in jungen kreativen Branchen geht es meist lockerer zu und Piercings wie Tattoos werden eher geduldet, so lange deren Inhalt nicht problematisch ist.

Durch den Mangel an guten Bewerbungen ändern Unternehmen und sogar der öffentliche Dienst ihre Meinung gegenüber Tattoos. So kündigte die Bundespolizei im November 2015 an, die Einstellungskriterien zu lockern und auch Menschen mit sichtbaren Tätowierungen zur Bewerbung zuzulassen.


Was denken Sie über Tattoos, Piercings und Co. in der Arbeitswelt?

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