Unternehmen Bundesbank rechnet mit Stagnation des BIP im zweiten Quartal

Der Faktor Arbeit wird in Deutschland teurer.

Der Faktor Arbeit wird in Deutschland teurer.© ehrenberg-bilder - Fotolia.com

Nach dem rasanten Aufschwung zu Jahresbeginn ist die deutsche Wirtschaft im Frühjahr vermutlich auf der Stelle getreten. Bundesbank und Finanzministerium sind aber überzeugt: Die Voraussetzungen für weiteres Wachstum sind gut.

Der Aufschwung in Deutschland hat im Frühjahr aus Sicht der Bundesbank merklich an Schwung verloren. Im April und Mai habe die Industrie einen Gang heruntergeschaltet, erklärte die Notenbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht Juli. Auch die Baubranche habe das sehr hohe Niveau aus dem sehr milden Winter wie erwartet nicht halten können. Zudem dürften geopolitische Spannungen im Nahen Osten oder in der Ukraine die Stimmung getrübt und so die Konjunktur gebremst haben. Das zeige sich etwa an der nachlassenden Nachfrage nach Vorleistungsgütern.

Da der Dienstleistungsbereich aber weiter zugelegt haben dürfte, rechnet die Deutsche Bundesbank immerhin mit Stagnation: Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte im zweiten Qartal 2014 saison- und kalenderbereinigt den Stand des Auftaktquartals gehalten haben, prognostizieren die Experten. Allerdings war die deutsche Wirtschaft von Januar bis März außergewöhnlich rasant gewachsen: Das BIP stieg im Vergleich zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,8 Prozent.

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Stabiler Arbeitsmarkt

Aus Sicht des Bundesfinanzministeriums weisen die vorliegenden Faktoren „auf eine Fortsetzung der dynamischen Wirtschaftsentwicklung, insbesondere der Binnenwirtschaft, hin“. Sie werde „insbesondere von der günstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt und damit einhergehenden steigenden Einkommen getragen“, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht.

Die Bundesbank geht schon länger davon aus, dass sich zwar „das hohe Expansionstempo des ersten Quartals“ nicht halten lassen werde: Die konjunkturelle Grundtendenz der deutschen Wirtschaft sei aber weiter deutlich aufwärtsgerichtet, und die Voraussetzungen für ein recht kräftiges Wirtschaftswachstum seien gut, hatten die Experten im Juni betont. Seinerzeit hatten sie für das Gesamtjahr 2014 ein reales BIP-Plus von 1,9 Prozent und für 2015 von 2,0 Prozent vorhergesagt.

Expansive Geldpolitik

Auch die Commerzbank erwartet, dass das BIP im zweiten Quartal allenfalls stagnierte: „Wahrscheinlich ist es sogar leicht gefallen“, erklärte Chefvolkswirt Jörg Krämer in einer am Montag veröffentlichten Analyse. In der zweiten Jahreshälfte dürfte das BIP aber wieder zulegen – schon weil der negative Baueffekt vom Frühjahr wegfällt: „Zudem dürften die Exporte nicht auf Dauer wie in der ersten Jahreshälfte stagnieren.“

Die Bankenvolkswirte sagen ein Wirtschaftswachstums von jeweils 2,0 Prozent in diesem und im kommenden Jahr voraus: „Denn die expansive Geldpolitik der EZB wird noch eine Weile die sich verschlechternde Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen übertünchen, die sich wegen der kräftigen Lohnsteigerungen und des Zurückrollens der Agenda-Reformen abzeichnet.“

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