Mittelstand Kfw-Studie: Immer mehr Chefinnen im Mittelstand

Floristik, PR-Beratung oder Weiterbildung: Kleinere Dienstleistungs-Betriebe werden in Deutschland häufig von Frauen geführt.

Floristik, PR-Beratung oder Weiterbildung: Kleinere Dienstleistungs-Betriebe werden in Deutschland häufig von Frauen geführt.© Igor Yaruta - Fotolia.com

Der deutsche Mittelstand hat die Großkonzerne überholt - beim Frauenanteil in Führungspositionen. Laut einer KfW-Studie wird dieser Trend aus mehreren Gründen anhalten.

Im deutschen Mittelstand stehen deutlich häufiger Frauen an der Firmenspitze als bei Großunternehmen. Nach einer Untersuchung der KfW wird etwa jedes fünfte kleinere oder mittlere Unternehmen von einer Chefin geführt. Bei etwa 100 börsennotierten Großkonzernen liegt der Anteil von Managerinnen im Vorstand derzeit bei 4,8 Prozent – mit rückläufiger Tendenz, wie es in der Studie heißt.

„Eine Ausnahmeerscheinung sind Frauen in den Führungsetagen des Mittelstands nicht mehr, aber unsere Analyse zeigt: Es gibt hier noch einiges aufzuholen“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Er ist angesichts der steigenden Zahl von Existenzgründungen durch Frauen jedoch zuversichtlich, dass der Anteil der Chefinnen im Mittelstand weiter steigen wird. „Das Gesicht des Mittelstands wird weiblicher“.

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Rund 700.000 von insgesamt 3,6 Millionen mittelständischen Firmen werden der Studie zufolge von Frauen geführt. Sie beschäftigten im vergangenen Jahr etwa 4 Millionen Mitarbeiter, bildeten 112.000 junge Menschen aus und investierten 15 Milliarden Euro in Anlagen und Bauten. Die wirtschaftliche Bedeutung sei zwar beachtlich, aber unterproportional. Der Grund: Es handelt sich häufig um kleinere Dienstleistungsfirmen.

Kleinere Firmen häufiger von Frauen geführt

Je größer Unternehmen sind, desto eher werden sie den Angaben zufolge von Männern gelenkt. So sind bei Mittelständlern mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro nur 5 Prozent der Inhaber weiblich. Bei einem Erlös von bis zu einer Million Euro jährlich werden hingegen 20,5 Prozent der Unternehmen von Frauen geführt.

Fast 60 Prozent der Firmen in weiblicher Hand entfallen auf Dienstleistungen, zum Beispiel Pflege oder Aus- und Weiterbildung, Anwaltskanzleien, PR-Büros oder Finanz- und Personalberatungen. Unternehmen aus diesen Branchen haben in der Regel weniger Mitarbeiter und erzielen geringere Umsätze als Firmen aus Bau, Handel und Industrie.

In Zukunft dürften mehr Managerinnen an der Spitze kleiner und mittelständischer Firmen stehen. Dem jüngsten KfW-Gründungsmonitor zufolge gingen zuletzt 43 Prozent der Existenzgründungen auf Frauen zurück. „Schrumpfende Erwerbsbevölkerung, drohende Fachkräfteengpässe und der bevorstehende Generationswechsel bei den mittelständischen Unternehmen sind deutliche Anreize, wenn nicht gar Zwänge, das Potenzial von Frauen in den Chefetagen stärker zu nutzen als bisher“, sagt Zeuner.

Managerin: „Teilzeit verbaut Aufstiegschancen“

Julia Schnitzler steht an der Spitze des Maschinenbauers Strassburger Filter – eine Branche, in der Chefinnen eher die Ausnahme sind. Die 47-Jährige leitet den Betrieb in vierter Generation. Schon bald nach dem Studium der Verfahrenstechnik stand fest, dass sie die Firma weiterführen würde, erst gemeinsam mit ihrem Vater, dann alleine. Als Mutter von drei Kindern hat sie als Chefin die Möglichkeit, sich die Arbeit flexibler einzuteilen. Das klappe ganz gut, trotz Vollzeit-Einsatz.

Teilzeit sehe sie hingegen kritisch: „Ich kenne hochqualifizierte Frauen, die wegen der Familie lieber Teilzeit arbeiten. Damit verbauen sie sich Aufstiegschancen, aber jeder muss das für sich entscheiden“, sagt die Unternehmerin. Die Frauenquote befürwortet Julia Schnitzler vor allem aus einem Grund: „Frauen brauchen Vorbilder, die ihnen Mut machen. Das Argument, dass es an geeigneten Managerinnen mangelt, halte ich für nicht stichhaltig.“

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