Unternehmen Commerzbank: Deutscher Maschinenbau wird 2015 wieder zulegen

Ein Mitarbeiter bei der Vormontage einer Automobilproduktionsanlage

Ein Mitarbeiter bei der Vormontage einer Automobilproduktionsanlage© Kuka

Die schwache Konjunktur und der Absatzeinbruch in Russland bremsen die deutschen Maschinenbauer. Die Commerzbank ist aber zuversichtlich, dass das Geschäft im kommenden Jahr wieder anzieht. Auch mittelfristig sieht sie den wichtigen Industriezweig auf Kurs.

Die Commerzbank traut dem deutschen Maschinenbau nach der Stagnation in diesem Jahr 2015 wieder Wachstum zu. „Da sich das Vertrauen langsam wieder bildet, dürften aufgeschobene Investitionen nun getätigt werden“, sagte der Mittelstandsvorstand des Instituts, Markus Beumer, am Donnerstag bei der Vorlage des „Branchenberichtes Maschinenbau“ in Frankfurt. Im wichtigsten Absatzmarkt Europa bestehe Nachholbedarf, etwa bei der Modernisierung von Infrastruktur. Auch die Nachfrage in den USA sowie in den Schwellenländern werde zulegen und zur stabilen Ertragslage der Branche beitragen. Die Bank erwartet daher, dass die deutsche Schlüsselindustrie ihre Produktion 2015 um 3 Prozent ausbauen kann.

Allerdings bleibe die Situation gerade in Europa fragil, betonte die Commerzbank. Ein erneutes Aufflammen der EU-Staatsschuldenkrise könne nicht ausgeschlossen werden. Auch der Branchenverband VDMA erwartet nach früheren Angaben 2015 wieder ein Plus von zwei Prozent für die preisbereinigte Produktion von Maschinen und Anlagen in Deutschland.

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Die Commerzbank ist überzeugt, dass die Industrialisierung, Technisierung und Verstädterung weltweit weitergehen und die Nachfrage nach Maschinen und Anlagen auch mittelfristig treiben wird. „Deswegen sollte die Fertigung der Branche in Deutschland auf längere Sicht im Mittel um gut 2 Prozent steigen“, erklärte das Institut.

Neue Chancen durch „Industrie 4.0“

Zudem ergäben sich neue Chancen etwa durch die Entwicklung hin zur „Industrie 4.0“. Dabei werden den Kunden durch Automation und Vernetzung neue Geschäftsmodelle und Produktivitätssteigerungen ermöglicht. Hier könne der deutsche Maschinenbau seine technologische Spitzenstellung ausbauen.

Potenzial sehen die Experten auch im Bau von Maschinen und Anlagen unterhalb der höchsten Ansprüche an die Technologie. Auf dieses Segment hätten sich deutsche Unternehmen bisher kaum fokussiert. VDMA-Präsident Reinhold Festge hatte bereits angemahnt, dass die deutschen Maschinenbauer im Wettbewerb mit billigeren Anbietern aus China neben hochtechnologischen Spitzenprodukten für Deutschland, Europa und Nordamerika auch Produkte herstellen sollten, die „good enough“ (gut genug) für China und die Schwellenländer sind.

Schwache Nachfrage aus Schwellenländern

Aktuell leidet der mit über eine Million Mitarbeitern wichtigste industrielle Arbeitgeber Deutschlands aber noch an der schwachen Nachfrage aus den Schwellenländern. Abgesehen von China ging der deutsche Export im ersten Halbjahr 2014 in diese Länder zurück, die Ausfuhren nach Russland brachen sogar um 19 Prozent ein. „Wir gehen dennoch davon aus, dass diese Länder ihre Wachstumsdelle überwinden und dann wieder vermehrt Investitionsgüter aus Deutschland nachfragen werden“, sagte Beumer.

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist mittelständisch geprägt, viele der fast 6500 Unternehmen sind in Familienbesitz.

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