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22.10.2008

Mittelstandsoffensive: Alles nach dem gleichen Muster

IT-Konzerne wie SAP buhlen um Mittelständler, der Druck zur Standardsoftware wächst, kleine Anbieter geraten unter Zugzwang.

Ausgerechnet Bananen. "Ein sehr spezielles Geschäft", erklärt An­dré Weichert. Seine 50 Mitarbeiter organisieren von Hamburg aus für Handelsketten wie Edeka den Nachschub mit den gelben Südfrüchten. Gerechnet wird in Bananenkisten, eine Partie besteht aus einer Schiffsladung mit bis zu 2,4 Millionen Kilo. Die Ware reift weiter, und manchmal – wenn eine zu reife Bananenkiste dabei ist – müssen Weicherts Mitarbeiter ganze Paletten "gesund packen".

"Mit solchen Prozessen kommt die typische Branchensoftware für den Fruchthandel nicht vollständig klar", sagt Weichert. Und dann saßen im Sommer 2007 plötzlich zwei Software-Berater vor den Weicherts, die sich mit all den speziellen Bananen-Prozessen auskannten. "Die wussten, was eine Partieabrechnung und eine Wochenplanung ist", freut sich An­dré Weichert noch heute.

Die Experten des Hamburger Anbieters Agiles erhielten den Zuschlag: Sie installierten Microsofts Standardsoftware für Unter­nehmen namens Dynamics NAV – plus Zusatz­modul: exklusiv für Importeure exotischer Früchte.

Das Beispiel zeigt, wie sich die Software-Industrie inzwischen auf die Bedürfnisse von Mittelständlern eingestellt hat: So wildern die IT-Riesen in den Jagdgründen kleiner ERP-Spezialisten, die diese Nischen früher für sich allein gehabt haben – mit leistungsfä­higen Programmmodulen, die als Sonderausstattung die Bedürfnisse einzelner Branchen abdecken. Bananen-Importeure wie die Weicherts finden das passende IT-Werkzeug heute ausgerechnet beim Großkonzern Microsoft.

Seit der Mittelstandsoffensive von SAP, die der IT-Konzern aus Walldorf Anfang 2006 startete, ist auf dem Markt für Unternehmenssoftware (ERP) nichts mehr, wie es war. Deutschlands Konzerne kaufen keine Neuinstallationen mehr, deshalb wenden sich SAP (Weltmarktanteil: 28 Prozent), Oracle (16) und Microsoft (3) kleineren Firmen zu, erklärt Ulrich Kampffmeyer, Chef der IT-Unternehmensberatung Project Consult. Das Vorurteil, dass die Ange­bote von SAP und Co überdimensioniert seien und selten zu den Anforderungen der Unternehmen unterhalb der 500- Millionen-Euro-Umsatzgrenze passten, gilt immer weniger.

SAP hat dazugelernt

Dabei tat sich vor allem SAP zunächst schwer mit den Bedürfnissen des Mittelstands. Noch Anfang 2008 erregte der Streit der Baumarktkette Hornbach mit SAP Aufsehen. Hornbach ging juristisch gegen den Software-Konzern vor, weil bei der Umstellung der Märkte auf SAP viele Probleme aufgetaucht waren.

Der juristische Streit ist heute bei­gelegt, die Parteien haben sich außer­gerichtlich geeinigt. Branchenbeobachter gehen aber davon aus, dass SAPs Branchenmodul speziell für Händler zu Beginn des Hornbach-Projekts 2005 schlicht noch nicht ausgereift war. Auch wegen solcher Fehler dominieren im Handel nach wie vor Spartenlösungen.

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