Ausgerechnet Bananen. "Ein sehr spezielles Geschäft", erklärt André Weichert. Seine 50 Mitarbeiter organisieren von Hamburg aus für Handelsketten wie Edeka den Nachschub mit den gelben Südfrüchten. Gerechnet wird in Bananenkisten, eine Partie besteht aus einer Schiffsladung mit bis zu 2,4 Millionen Kilo. Die Ware reift weiter, und manchmal – wenn eine zu reife Bananenkiste dabei ist – müssen Weicherts Mitarbeiter ganze Paletten "gesund packen".
"Mit solchen Prozessen kommt die typische Branchensoftware für den Fruchthandel nicht vollständig klar", sagt Weichert. Und dann saßen im Sommer 2007 plötzlich zwei Software-Berater vor den Weicherts, die sich mit all den speziellen Bananen-Prozessen auskannten. "Die wussten, was eine Partieabrechnung und eine Wochenplanung ist", freut sich André Weichert noch heute.
Die Experten des Hamburger Anbieters Agiles erhielten den Zuschlag: Sie installierten Microsofts Standardsoftware für Unternehmen namens Dynamics NAV – plus Zusatzmodul: exklusiv für Importeure exotischer Früchte.
Das Beispiel zeigt, wie sich die Software-Industrie inzwischen auf die Bedürfnisse von Mittelständlern eingestellt hat: So wildern die IT-Riesen in den Jagdgründen kleiner ERP-Spezialisten, die diese Nischen früher für sich allein gehabt haben – mit leistungsfähigen Programmmodulen, die als Sonderausstattung die Bedürfnisse einzelner Branchen abdecken. Bananen-Importeure wie die Weicherts finden das passende IT-Werkzeug heute ausgerechnet beim Großkonzern Microsoft.
Seit der Mittelstandsoffensive von SAP, die der IT-Konzern aus Walldorf Anfang 2006 startete, ist auf dem Markt für Unternehmenssoftware (ERP) nichts mehr, wie es war. Deutschlands Konzerne kaufen keine Neuinstallationen mehr, deshalb wenden sich SAP (Weltmarktanteil: 28 Prozent), Oracle (16) und Microsoft (3) kleineren Firmen zu, erklärt Ulrich Kampffmeyer, Chef der IT-Unternehmensberatung Project Consult. Das Vorurteil, dass die Angebote von SAP und Co überdimensioniert seien und selten zu den Anforderungen der Unternehmen unterhalb der 500- Millionen-Euro-Umsatzgrenze passten, gilt immer weniger.
SAP hat dazugelernt
Dabei tat sich vor allem SAP zunächst schwer mit den Bedürfnissen des Mittelstands. Noch Anfang 2008 erregte der Streit der Baumarktkette Hornbach mit SAP Aufsehen. Hornbach ging juristisch gegen den Software-Konzern vor, weil bei der Umstellung der Märkte auf SAP viele Probleme aufgetaucht waren.
Der juristische Streit ist heute beigelegt, die Parteien haben sich außergerichtlich geeinigt. Branchenbeobachter gehen aber davon aus, dass SAPs Branchenmodul speziell für Händler zu Beginn des Hornbach-Projekts 2005 schlicht noch nicht ausgereift war. Auch wegen solcher Fehler dominieren im Handel nach wie vor Spartenlösungen.
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