"Es hat sich einfach nicht gelohnt", sagt Ingo Litta. Lange Zeit war er gewerblicher Händler bei Ebay. Doch vor etwa einem Jahr hat er die Verbindung zu der Auktionsplattform gekappt. "Die Transaktionsgebühren lagen teilweise bei zehn Prozent, und es gab immer Querelen mit dem Ebay-Kundenservice", berichtet er. Heute verkauft Litta Taschen aus Feuerwehrschläuchen, Designuhren und weitere Trendprodukte made in Europe vor allem über den eigenen Online-Shop Fair-kaeuflich.de – und die Geschäfte laufen auch ohne Ebay blendend.
Viele professionelle Händler haben der beliebten Shopping-Seite in den vergangenen Monaten den Rücken gekehrt. Sie gehen im Online-Vertrieb neue Wege und setzen zunehmend auf andere Plattformen, die sie zum Teil sogar völlig kostenlos nutzen können.
Zwar meldet Ebay längst neue Erfolgszahlen, doch hinter den Kulissen brodelt es. Verkäufer beklagen teilweise Umsatzrückgänge von bis zu 70 Prozent. "Die Goldgräberstimmung bei Ebay ist vorbei", bekräftigt Kai Hudetz, Bereichsleiter E-Commerce-Center Handel (ECC) am Institut für Handelsforschung in Köln. "Die Nutzerzahlen stagnieren, und durch die große Menge an hauptberuflichen Händlern hat sich der Preiskampf enorm verschärft. Zugleich hat Ebay die Gebühren immer weiter angehoben, deshalb sind die Margen der Verkäufer geschrumpft", sagt er.
Zu allem Überdruss müssen sich Verkaufsprofis bei Ebay seit Neuestem mit einem komplizierten Gebührenmodell herumschlagen. Einstellkosten und Verkaufsprovision richten sich nach der jeweiligen Kategorie, in der das Produkt angeboten wurde. In einigen Bereichen sind die Provisionen sogar um mehr als ein Drittel gestiegen. "Für Unmut sorgt auch die jüngste Änderung des Bewertungssystems", bemerkt Ebay-Experte Axel Gronen. Bei Ebay bewerten sich Verkäufer und Käufer nach einem Geschäft traditionell gegenseitig. Ab Juni jedoch dürfen Profihändler ihren Kunden keine schlechten Noten mehr geben. Damit will das Auktionshaus vermeiden, dass sich Gewerbetreibende für negative Bewertungen bei ihren Kunden rächen. Folge: Verkäufer können nicht mehr unmittelbar auf einen Verriss reagieren, auch wenn dieser unberechtigt ist, sondern müssen sich erst an Ebay wenden.
Zu den ganzen Irritationen kommt dann noch der Flop der neuen Profiplattform Ebay-Express. Hier sollten Neuwaren zum Festpreis verkauft werden – doch zu wenige Kunden waren an den Angeboten der 3500 teilnehmenden Händler interessiert. Das Portal wurde Ende April sang- und klanglos beerdigt.
All diese Querelen kommen Wettbewerbern wie Amazon, Auvito oder Hood gerade recht. "Wir verzeichnen seit einigen Monaten ein enormes Interesse an unserer Plattform, vor allem von Ebay-Händlern", sagt Ryan Hood, Gründer und Inhaber der Auktionsplattform Hood.de.
Gebührenfrei verkaufen
Bei Hood fallen im Gegensatz zu Ebay keinerlei Gebühren oder Provisionen an. Das Portal finanziert sich über Anzeigen und kostenpflichtige Sonderoptionen, mit denen Angebote optisch hervorgehoben werden. Ein dickes Budget für Werbung in eigener Sache hat Hood nicht. Dafür verspricht der Chef des Zwölf-Mann-Unternehmens, dass sein Team die Nutzer individuell betreut.
Dieser persönliche Service hat Geschäftsführer Markus Schaack von Freakware überzeugt. Früher verkaufte er seine Modellbausätze für Hubschrauber und Spielkonsolenzubehör parallel auf Ebay und Hood. Seit Jahresanfang ist er nur noch auf Hood.de präsent. "Hier gibt es zwar weniger potenzielle Käufer. Aber da wir die horrenden Ebay-Gebühren sparen, hat sich der Wechsel unterm Strich gelohnt", sagt Schaack.
Ebenfalls mit Zusatzleistungen lockt das Auktionsportal Auvito. "Wir verschicken wöchentlich Newsletter an drei Millionen Menschen und bewerben darin aktuelle Produkte der Plattform. Die Anbieter müssen dafür nichts bezahlen", erläutert Portalmanager Stefan Rick vom Betreiber Unister in Leipzig. Einstellgebühren oder Verkaufsprovisionen fallen hier nicht an, sogar ein eigener Shop lässt sich auf der Seite kostenfrei einrichten.
Wie Hood finanziert sich Auvito über Werbung. Da das Portal Preisvergleich.de ebenfalls zu Unister gehört, werden Auvito-Produkte automatisch auch dort gelistet – ohne zusätzliche Kosten. Allerdings hapert es bei Auvito wie bei Hood noch an einem entscheidenden Punkt: der Reichweite. Genau die macht Amazon so attraktiv. Der deutsche Ableger des weltgrößten Online-Kaufhauses zieht doppelt so viele Nutzer an wie Auvito und Hood zusammen. Über ein Marketplace genanntes Angebot verkaufen Profiverkäufer hier ihre Waren zum Festpreis – Auktionen sind jedoch nicht möglich.
Händler profitieren von einem Rundum-Service: Sie können ihre Waren beispielsweise einlagern lassen (Fulfillment). Bei einer Bestellung verpackt und versendet Amazon die Artikel, übernimmt den Kundenservice und die Retourenabwicklung. Dieser Komfort spricht auch Verkaufsprofis an, die Ebay bislang noch die Treue halten. "Viele unserer Mitglieder handeln bereits parallel auf Ebay und Amazon", sagt Oliver Kluge, Präsident des Bundesverbands Onlinehandel. Er ist einer der größten Ebay-Verkäufer für Computerzubehör in Europa – und setzt ebenfalls auf Amazon: "Inzwischen machen wir dort die Hälfte des Umsatzes." 2
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