Unternehmen Das Milliardenland Indien öffnet seinen Versicherungsmarkt

Eine belebte Straße in Mumbai

Eine belebte Straße in Mumbai© Laetitia Seybold

Auto, Hausrat, Unfall, Krankheit - die Deutschen sind oft umfassend versichert, der Markt ist gesättigt. Im 1,25-Milliarden-Land Indien ist das anders - wohl aber nicht mehr lange. Deutsche Versicherer rechnen sich Chancen aus.

Kühe auf den Straßen, gefährliche Krankheiten und Überschwemmungen durch Monsunregen – das Leben in Indien steckt voller Risiken. Dennoch ist kaum einer der 1,25 Milliarden Inder versichert. „Bis jetzt war stets die Familie das Sicherheitsnetz“, sagt Rajrishi Singhal von der Denkfabrik Gateway House in Mumbai. Wenn überhaupt, dann schlössen Inder Lebensversicherungen ab, und auch das meist nur, um Steuern zu sparen.

Doch nun steht die Versicherungswirtschaft auf dem Subkontinent vor einem Umbruch. Die frisch gewählte Regierung in Neu Delhi will die Beteiligungsgrenze für Investoren aus dem Ausland schnellstmöglich von 26 Prozent auf 49 Prozent anheben, um Kapital ins Land zu bekommen. Die Branche „hungert nach Investitionen“, und mehrere Bereiche des Versicherungssektors sollten ausgebaut werden, sagte Finanzminister Arun Jaitley bei der Vorstellung seines ersten Haushalts.

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„Eine junge Gesellschaft ist attraktiv für Versicherer“

Deutsche Anbieter wie Allianz und Ergo blicken gespannt gen Osten. „Eine Öffnung des indischen Marktes ist für sie von strategischer Bedeutung“, erklärt Jörg von Fürstenwerth, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft. Denn in Deutschland findet, vielleicht abgesehen von der Altersvorsorge, vor allem ein Verdrängungswettbewerb statt. Die Schwellenländer hingegen sind die Hoffnungsträger.

„In Europa macht es die demografische Entwicklung schwer, zu wachsen. Eine junge Gesellschaft wie Indien ist sehr attraktiv für Versicherer“, weiß auch Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen, der in der vergangenen Woche mit einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation nach Neu Delhi reiste. Rund 300 Millionen Menschen stark ist die indische Mittelklasse – und jeder zweite ist jünger als 25 Jahre.

Noch dominieren eine Hand voll Staatskonzerne den Versicherungsmarkt in Indien – der selbst im Vergleich zu anderen Schwellenländern noch extrem schwach entwickelt ist. Das Prämienaufkommen lag 2013 laut einer Studie der Swiss Re bei umgerechnet 38 Euro pro Kopf, in China waren es schon 148 Euro, in Brasilien 326 Euro. Damit kommt Indien auf einen Weltmarktanteil von 1,41 Prozent, obwohl das Land ein Siebtel der Weltbevölkerung stellt.

Vorherrschaft der Staatsunternehmen bröckelt

Doch die Vorherrschaft der Staatsunternehmen bröckelt, und Analysten meinen, dass die weitere Liberalisierung nun zu einem zentralen Wachstumstreiber wird. „Wir gehen davon aus, dass auf dem indischen Markt Kfz-Versicherungen und Krankenversicherungen stark zulegen werden“, meint Jens Buchkremer von Ergo. Auch gebe es keine breite öffentliche Altersversorgung – weswegen Ergo derzeit neben dem Joint Venture mit der Bank HDFC für Sachversicherungen ein weiteres Gemeinschaftsunternehmen für Lebensversicherungen aufbaut.

Rund eine halbe Milliarde Euro könnten durch die Öffnung der Branche in den Markt strömen, schätzen indische Medien. Damit könne endlich in den Vertrieb investiert werden, meint Analyst Singhal, denn bislang beschränkten sich die Versicherer meist auf die städtische Bevölkerung.

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