Unternehmen Wie Delivery Hero zum Weltmarktführer wurde

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Delivery-Hero-Gründer Niklas Östberg.

Delivery-Hero-Gründer Niklas Östberg.© Delivery Hero

Als eines von wenigen deutschen Start-ups wird der globale Lieferdienst-Vermittler Delivery Hero aus Berlin mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet.

Niklas Östberg hat einen aufregenden Tag hinter sich. Am Dienstagmorgen verkündete der Chef der Start-up-Holding Delivery Hero, die in Deutschland unter der Marke Lieferheld wirbt, die Übernahme der türkischen Plattform Yemeksepeti. Kaufpreis: knapp 590 Millionen Dollar – in bar. Es ist nicht nur der größte Zukauf in der vierjährigen Unternehmensgeschichte, sondern auch der größte Deal im Segment der Essensbestellplattformen weltweit.

Am Abend sitzt Östberg dann auf der Bühne der „Heureka“-Konferenz in Berlin und übt sich in der Kunst des freundlichen Nichtsagens. Ob denn nun der eigentlich bereits verkündete Börsengang bald bevorstehe, will der Moderator wissen: Vielleicht, mal sehen, schauen wir mal – zu konkreteren Aussagen lässt sich Östberg nicht hinreißen.

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Vier Essensbestellungen pro Sekunde

Es könnte nach Zalando und Rocket Internet der nächste bedeutende Gang aufs Börsenparkett eines Berliner Start-ups werden: Schon jetzt gilt Delivery Hero als eine der größten deutschen Erfolgsgeschichten im Internet. Das Unternehmen ist weltweit aktiv und kooperiert mit mehr als 100.000 Restaurants mit Lieferservice.

Vier Essensbestellungen pro Sekunde vermittelt Delivery Hero aktuell, verriet Östberg gestern. Mit der Übernahme von Yemeksepeti kommt nun der wichtige türkische Markt hinzu, außerdem Saudi-Arabien und der Libanon. Letztes Jahr hatte Rocket Internet 40 Prozent der Aktien von Delivery Hero übernommen – und dafür ebenfalls mehr als eine halbe Milliarde Dollar auf den Tisch gelegt.

1600 Leute in 28 Ländern arbeiten für Lieferheld

Angefangen hat alles in einer alten Manufaktur in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes. Mit 30 Mitarbeitern legte Östbergs Vorgänger Fabian Siegel im Frühjahr 2011 los. Studentische Hilfskräfte tippten stundenweise eingescannte Speisekarten ab. Heute beschäftigt Delivery Hero 1600 Leute in 28 Ländern. Die Vision damals: ein Unternehmen mit einem Marktwert von 100 Millionen Euro aufbauen.

Das haben sie jetzt schon weit übertroffen: Aktuell wird Delivery Hero mit 1,9 Milliarden Dollar (1,7 Mrd. Euro) bewertet. Damals wie heute lautet das Ziel: den Markt für Essensbestellungen nachhaltig umkrempeln. Statt wie jahrzehntelang üblich per Telefon bestellen immer mehr Menschen online ihre Pizza oder das Sushi – in Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie das über eine der verschiedenen Plattformen von Delivery Hero tun, denn inzwischen gehört auch der langjährige Platzhirsch Pizza.de zum Unternehmen.

Bisher kostet das rasante Wachstum viel Geld

Rund zehn Prozent des Lieferwerts zahlen die Restaurants als Provision – langfristig könnte das ein sehr lukratives Geschäftsmodell werden. „Investoren finden das Modell deshalb so verlockend, weil sich alles genau errechnen lässt“, erklärte Kolja Hebenstreit vom Investor Team Europe damals gegenüber impulse. „Wie teuer es ist, mit Akquise ein Restaurant als Partner zu gewinnen, und wie viel in Werbung gesteckt werden muss, um Leute auf die Internetseite zu locken.“ Wenn die Konsumenten die Seite dann wiederholt nutzen, kommen die Anfangskosten wieder herein – die Provision zahlen die Restaurants aber bei jeder Bestellung.

Bislang kostet das rasante Wachstum also viel Geld – die Akquise von Partnerrestaurants sowie Werbung verschlingen jeden Monat Millionen. Dennoch sieht CEO Östberg die Gewinnschwelle in erreichbarer Nähe. Doch schwarze Zahlen seien im Moment noch nicht so wichtig, aktuell stehe das weltweite Wachstum und der Ausbau der Marktführerschaft ganz oben auf seiner Prioritätenliste. Immerhin: Yemeksepeti, der neue Zukauf, schreibt bereits Gewinne.

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