Unternehmen Nach Skandal um Preisverleihung: ADAC verliert 385.000 Mitglieder

Einsatz eines ADAC-Rettungshubschraubers.

Einsatz eines ADAC-Rettungshubschraubers.© ADAC

Mehr Mitglieder, mehr Geld, mehr Produkte: Jahrelang war der ADAC auf Wachstumskurs - bis ihn 2014 der Skandal um die Fälschungen beim Autopreis "Gelber Engel" mit voller Wucht traf. Jetzt schlägt das Debakel auch kräftig auf die Mitgliederzahlen durch.

Der ADAC hat nach den Fälschungen beim Autopreis „Gelber Engel“ seit langem auch erstmals unterm Strich Mitglieder verloren. Zum 31. Mai habe man insgesamt rund 18,93 Millionen Mitglieder gezählt, teilte der Autoclub am Montag in München bei der Vorstellung der Bilanz für 2013 mit. Damit verzeichnete der ADAC etwa 15.000 Mitglieder weniger als noch im Dezember 2013.

Das ist gemessen an der noch immer enorm hohen Mitgliederzahl von 18,93 Millionen zwar ein verschwindend geringes Minus von 0,08 Prozent. Aber das Signal ist deutlich, denn seit Jahrzehnten kannte die Kurve nur eine Richtung: aufwärts. Das ist nun anders.

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Allein 320.000 Menschen traten wegen der Krise aus dem Verein aus. Dazu kommen die Abgänge, die der ADAC ständig zu verzeichnen hat: Gestorbene, Umgezogene, Autoabmeldungen und normale Austritte. Rechnet man alles zusammen, kommt man auf rund 385.000 Mitglieder weniger. Die 370.000 Neumitglieder seit Januar konnten das Minus nicht mehr ausgleichen.

Absturz in der öffentlichen Meinung

Die Fälschungen beim Autopreis „Gelber Engel“ hatten beim ADAC eine Kettenreaktion ausgelöst, der Absturz in der öffentlichen Meinung war beispiellos. Präsident Peter Meyer und Geschäftsführer Karl Obermair mussten gehen.

ADAC-Interimspräsident August Markl bekräftigte nun die Pläne für ein tiefgreifendes Reformprogramm. „Wir wollen und werden jene Schwächen und Defizite beheben, die sich bei uns in den vergangenen Jahren eingeschlichen haben“, sagte Markl während der Bilanzvorlage. Die Mitglieder und die Dienstleistungen sollten wieder in den Mittelpunkt rücken. Auch die Strukturen stehen auf dem Prüfstand. Zwischen dem Verein und den zugehörigen Unternehmen soll künftig klarer unterschieden werden.

Finanziell steht der ADAC aber glänzend da

Finanziell hat der ADAC immerhin keine Sorgen: Der Club steht auf einem wesentlich stabileren Fundament, als es die allgemeine Stimmung vielleicht nahelegt. Das Eigenkapital von rund 1,1 Milliarden Euro gibt ein dickes Polster.

Selbst wenn die ausstehende steuerrechtliche Prüfung der Pannenhilfe ergeben sollte, dass Geld an den Fiskus fließen müsste, könnte der Club das wohl stemmen, ohne in Schieflage zu geraten. Auf bis zu 200 Millionen Euro schätzt er das Risiko, rechnet aber nicht mit dem Schlimmsten. Auch deswegen wurde dafür bisher kein Geld zurückgelegt.

Noch offen ist, was am Ende die Reformen kosten werden. So verkauft der ADAC etwa Kindersitze, die er testet, seit vier Wochen nicht mehr selbst. Bei 360 weiteren Produkten und Dienstleistungen laufe noch die Prüfung, ob sie weiter verkauft oder getestet werden sollen.

Auto-Experte kritisiert Reform-Pläne

“Sollten Sie sich die Frage bereits vorgemerkt haben, wieso unser Reformprogramm nicht einfach in wenigen Wochen durchgezogen werden kann, haben Sie hiermit vielleicht bereits eine überzeugende Erklärung”, sagt Markl vorbeugend. Auch an anderen Stellen hätten die sieben Arbeitsgruppen dicke Bretter zu bohren. Statt des Profits solle wieder das einzelne Mitglied in den Mittelpunkt treten, beteuert der ADAC.

Manche Fachleute haben daran Zweifel. Der Autoexperte und ADAC-Kritiker Ferdinand Dudenhöffer wirft der Club-Führung vor, “auf Zeit” zu spielen und die Reformen in die Länge zu ziehen, bis sich der Sturm gelegt habe. Der ADAC weist das zurück. “Wir sind auf einem steinigen, aber richtigen Weg”, sagt Markl.

Im Dezember soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über wichtige Punkte des Umbaus entschieden werden, auch über die Einführung eines Systems zur Überwachung guter Unternehmensführung. Spätestens im Mai 2015 soll dann ein neuer Präsident gewählt werden. Dafür, betont Markl auf Nachfrage ein weiteres Mal, stehe er nicht zur Verfügung.

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