Unternehmen Der erfahrene Sanierer: Von Nathusius will Mifa aus der Krise führen

Unternehmer Heinrich von Nathusius und seine Familie wollen Mifa aus der Krise führen.

Unternehmer Heinrich von Nathusius und seine Familie wollen Mifa aus der Krise führen.© picture-alliance

Vor gut 20 Jahren hat Heinrich von Nathusius schon einmal ein Unternehmen saniert und aus der Krise geführt. Nun tritt er zum zweiten Male an: bei Mifa.

Für die Belegschaft des absatzstärksten deutschen Fahrradherstellers Mifa ist es ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk. Alle 600 Arbeitsplätze sollen am Standort Sangerhausen erhalten bleiben. Wochenlang mussten sie um ihren Job bangen, doch aufgegeben haben sie nie. „Ohne deren unermüdliches Engagement hätte Mifa diese schwere Zeit nie überwinden können“, sagte Insolvenzverwalter Lucas Flöther am Freitag nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages an die Unternehmerfamilie von Nathusius.

Der Name von Nathusius ist in Sachsen-Anhalt nicht unbekannt. Der heute 71 Jahre alte Heinrich von Nathusius gehört zu den angesehensten Unternehmern des Landes. 1992 hatte er von der Treuhandanstalt das IFA-Gelenkwellenwerk übernommen und saniert. IFA-Rotorion, so dessen Namen heute, zählt nun zu den größten Längswellenherstellern für Autos in der Welt. 2000 Mitarbeiter zählen zur Holding, etwa doppelt so viele wie zu DDR-Zeiten. Seit dem Sommer führt Sohn Felix von Nathusius die Geschäfte bei IFA-Rotorion. Der Senior ist zusammen mit seinem Sohn und seinen zwei Töchtern dort Gesellschafter, das ist nun auch bei Mifa so.

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Heinrich von Nathusius, der am Freitag nicht zu erreichen war, kann sich der Rettung von Mifa nun voll widmen. Dass es vor allem er sein wird, der die Mifa wieder flott machen will, weckt im Fahrradwerk und im Land viel Hoffnung. „Es ist ein positives Signal, dass der neue Investor aus der Region kommt und bereits viel Erfahrung beim Sanieren mitbringt“, sagte Almut Kapper-Leibe, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Halle-Dessau.

Gute Auftragslage für 2015

„Wir sind erleichtert, dass es in so kurzer Zeit und unter den gegebenen schwierigen Bedingungen gelungen ist, für die Beschäftigten eine Perspektive zu geben“, sagt Betriebsratsvorsitzende Dagmar Enke. Auch der Chef der Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt-Thüringen, Key Senius, zeigt sich mit der Lösung zufrieden. „Wir haben gute Unternehmer im eigenen Land, die ein Werk aus der Krise führen können.“

Nachdem der geplante Einstieg indischer Investoren geplatzt war, musste Mifa Ende September Insolvenz anmelden. Zuvor hatte das Unternehmen bereits Fehler in der Bilanz entdeckt, wodurch rund 30 Millionen Euro fehlten. Der Umsatz lag zuletzt bei mehr als 100 Millionen Euro im Jahr.

IFA und Mifa ergänzten sich in ihrer Ausrichtung auf Zukunftsgeschäftsfelder der Mobilität, betont Insolvenzverwalter Flöther. Es sei gelungen, binnen kurzer Zeit verloren gegangenes Vertrauen bei Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern zurückzugewinnen. Die Auftragslage für das Jahr 2015 sei gut. Der neue Partner sei einer mit langem Atem, der Mifa wieder eine langfristige Perspektive bieten werde.

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