Unternehmen Der Herr von Schloss Elmau

Dietmar Müller-Elmau hat mit den Idealen seiner Familie gebrochen – und eines der besten Hotels der Welt gebaut. Dabei hörte er allein auf seinen Geschmack. Nun bereitet er sich auf den G7-Gipfel und Gäste wie Barack Obama vor.

Irgendwo muss das Dach des Rohbaus ein Leck haben. Draußen prasselt ein Regenschauer auf die Baustelle, drinnen ist es nicht viel trockener. Dort, wo das Bad entsteht, in dem sich der US-Präsident einmal die Zähne putzen könnte, regnet es hinein. Schwallweise.

Dietmar Müller-Elmau, der Bauherr, führt durch die betongrauen Räume, die zukünftig zu den besten Hotelzimmern der Welt gehören sollen. „Die nasse Wand macht ihr dann aber noch mal neu“, sagt er zu einem Handwerker. Müller-Elmau ist 59 Jahre alt, groß wie ein Baum. Der Wassereinbruch scheint für ihn keine große Sache zu sein. Die Baukosten werden im Schnitt bei 800.000 Euro liegen. Pro Suite.

Anzeige

Wer bekommt das beste Zimmer? Barack Obama? Angela Merkel?

Müller-Elmau geht zum Panoramafenster. Von hier blickt er auf eine der spektakulärsten Landschaften Deutschlands, das Wettersteingebirge. 210 Quadratmeter werden die Hotelzimmer groß sein, der Boden Eiche, Teak und Nuss, die Fensterrahmen aus edler alter Lärche. Elf Suiten, gleich groß, gleich teuer, gleich schön. Das ist wichtig.

Der Neubau löst eine knifflige Frage: Wer bekommt das beste Zimmer? Barack Obama? Angela Merkel? David Cameron? Die Bundesregierung in Berlin hat Müller-Elmaus Hotel ausgewählt, Tagungsort des nächsten Weltwirtschaftsgipfels zu werden. Derzeit durchforsten Beamte des Kriminalamts die Wälder, um das Sicherheitskonzept zu erstellen. Im Juni 2015 werden sieben Staatschefs zu Gast sein. Und sie können alle gleich gebettet werden. Ein diplomatischer Traum wird wahr.

100 Jahre in Familienhand

Dietmar Müller-Elmau hat sich auf die Terrasse des alten Haupthauses gesetzt, das so heißt wie er selbst: Elmau. Sein Großvater hatte das Hotel vor hundert Jahren gebaut. Damals, mitten im Ersten Weltkrieg. Heute sind die kleinen Bäumchen in den Terrakottatöpfen zu Pyramiden geschnitten, der Kies vorm Schlosshotel ist frisch geharkt. Regenpause. Entfernt klopfen und hämmern die Arbeiter auf der Baustelle.

 



 
Der Enkel hat aus einem alten Familienhotel ein erfolgreiches Haus der oberen Luxusklasse gemacht: Fünf Sterne Superior. 260 Angestellte für maximal 300 Gäste. Das gilt in Deutschland eigentlich als unmöglich. Luxushotels schreiben immer wieder rote Zahlen, ­weil die Konkurrenz groß ist, die Kosten hoch, und die Deutschen beim Urlaub im eigenen Land aber eher sparsam sind. In England oder Frankreich können Hoteliers 40 bis 50 Prozent
mehr verlangen. „Deutschland hat weniger Urlaubshotels mit fünf Sternen als Sankt Moritz in einem Dorf“, sagt Müller-Elmau.

Sein Schloss hat im letzten Jahr 23 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, der operative Gewinn liegt laut Müller-Elmau bei 25 Prozent. Das ist weniger als manche Bettenburg in Hamburg oder Berlin erzielt, aber es reicht für die Abschreibung und um die Baukredite zu tilgen. Der Hotelier denkt ohnehin nicht in Jahresabschlüssen, sondern in Jahrzehnten.

Keine Marktforschung, keine Zielgruppenanalyse

Damit seine Idee aufgeht, hat er in den vergangenen Jahren alles geändert. Er habe dafür keine Marktforschung betrieben und keine Zielgruppen analysiert, sagt er. „Ich habe ein Hotel für mich selbst gebaut.“ Damit es ihm gefällt, hat er vieles selbst gestaltet, anstatt es Profis zu überlassen. Er hat den Elefantenstoff ausgesucht, mit dem hier Sofas, Stühle, Wände überzogen sind. Die goldenen Mondlampen, die an der Wand hängen, fand er in Italien. Allein im Café steht ein wilder Mix aus Ratanmöbeln, Holz-, Leder- und Polstersesseln. Ein Stil gegen alle Regeln der Innenarchitektur.

Müller-Elmau kümmert es nicht, was andere denken. Er ist höflich, aber niemand, der sich einschmeichelt. Peer Steinbrück etwa soll einmal wutentbrannt aus dem Hotel gestürmt sein, weil der Hausherr ihn allzu heftig auf das Milliarden-Fiasko bei der KfW-Bank angesprochen hatte, bei der Steinbrück im Aufsichtsr­at saß. „Da ist er rausgerannt und ward nicht mehr gesehen“, sagt Müller-Elmau. Dann lacht er laut.

 


 

impulse-Magazin Oktober 2014Den gesamten Artikel lesen sie in der impulse-Ausgabe 11/14.

Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert. Und über die impulse-App für iOS- und Android-Geräte können Sie die neuen Ausgaben bequem auf Tablet oder Smartphone lesen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.