Unternehmen Der Millionenmann: Das unglaubliche Abenteuer eines Aufstiegs

Sein Vater ging putzen, um die Familie durchzubringen. Oskar Hartmann wuchs in einem Flüchtlingsheim auf. Heute ist der Deutsche Millionär und der Star der russischen Start-up-Szene. Wie es der deutsch-russische Gründer nach ganz oben schaffte.

Der Mann, der so gern Erster ist, kommt eineinhalb Stunden zu spät. Das ist nicht unverschämt unpünktlich, zumindest nicht in Moskau. Durchschnittlich steht ein Autofahrer hier 127 Stunden pro Jahr im Stau.

„Sorry“, sagt Oskar Hartmann und lächelt. Damit ist die Sache abgehakt. Er zieht die Jacke aus, gibt sie seiner Assistentin, nimmt eine Flasche Wasser und fragt: „Für wen schreiben Sie? Wer sind Sie? Warum sind Sie hier?“ Nach zwei Minuten Kennenlernen ist klar: Hier wird keine Zeit vertrödelt.

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Oskar Hartmann legt ein Tempo vor, das für durchschnittlich begabte und aktive Menschen kaum nachvollziehbar ist. Er ist 32 Jahre alt und hat mehr als 20 Firmen gegründet, darunter ein Dating-Portal, einen Shopping-Sender, eine Jobbörse, eine Hotelbuchungsseite. Während des Studiums legte er doppelt so viele Prüfungen ab, wie verlangt wurden. Er wollte so viel wie möglich mitnehmen und schrieb sich für fast alle Kurse ein.

Unfähig, Langeweile zu ertragen

Die Skulpturen in seinem Büro hat er selbst gemeißelt, die düsteren Gemälde eigenhändig gemalt. Ein Freund erzählt, dass er unfähig sei, Langeweile zu ertragen. Wenn Hartmann mit seinen beiden Kindern auf den Spielplatz gehe, dann nie zweimal auf denselben.

Der Unternehmer setzt sich hinter seinen großen Schreibtisch. In den nächsten Stunden wird er seine Geschichte erzählen: Ein Kind aus einer Aussiedlerfamilie verschlägt es von Kasachstan nach Deutschland. Der Junge wächst im Flüchtlingsheim auf, lässt sich aber nicht unterkriegen und arbeitet sich mit brillantem Geschäftssinn und Einsatz zum Millionär hoch. Eine Aufsteiger-Story, wie gemacht für Hollywood. Sogar Arnold Schwarzenegger kommt darin vor.

An der Wand im Büro hängt eingerahmt seine erste Gewerbeanmeldung. „Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln“ steht dort in Schreibmaschinenschrift. Unten auf das Dokument hat ein Beamter der Stadt Neunburg am 14.03.2002 einen Stempel gedrückt. Hartmann war damals 19 Jahre alt und hatte einen Angestellten. Sich selbst.

Der geplante Erfolg

Heute gibt er auf seinem LinkedIn-Profil als Hobby „Bewerbungsgespräche“ an. Viele nennen ihn den derzeit erfolgreichsten und aktivsten Gründer Russlands. Seine größte Firma, der Online-Shoppingclub KupiVIP, hat rund 100 Millionen Euro Venture Capital einge­sammelt und ist in den vergangenen Jahren ­rasend schnell gewachsen. Das Start-up verkauft Kleider zu Sonderkonditionen an registrierte Mitglieder, nach dem Vorbild des französischen Portals Vente Privee. Im siebten Jahr zählt KupiVIP 1000 Mitarbeiter. Der Umsatz lag 2013 bei rund 200 Millionen Euro.

Zwei weitere Firmen hat Hartmann bereits verkauft. Was er für seinen Homeshopping-Sender kassierte, ist nicht bekannt. Der Online-Schuhhandel Sapato ging an Ozon.ru, das russische Amazon. Kaufpreis: 70 Millionen Euro. Hartmann gehörten 14 Prozent der Firma.

Was dieser Mann anfasst, scheint zu gelingen. Es klingt alles so leicht, wenn er erzählt. Hartmann lacht viel, seine Augen haben etwas Spitzbübisches. Sein Bauch wölbt sich ein wenig. Er isst gern große Portionen.

Doch wer ihn näher kennenlernt, versteht: Sein Erfolg hat nichts mit Glück zu tun, nichts mit Fügung oder Zufall. Hartmann hat weder geerbt, noch ersann er eine geniale Idee, die ihn über Nacht zum Millionär machte. Er hat seinen Aufstieg vielmehr konsequent geplant. Freunde und Geschäftspartner sagen, er schufte unglaublich hart. Hartmann ist ein Mensch, der Ziele in Teilaufgaben zerlegt, genau analysiert, was er tun muss, um voranzukommen. Er hat Geschäftsfelder durchleuchtet und ganz nüchtern die ausgewählt, die ihm die Chance boten, einen Markt als Erster zu erobern.

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