Unternehmen Der Schraubenmilliardär

Seit 80 Jahren auf der Welt, seit 65 Jahren im Unternehmen. Reinhold Würth wurde mit 14 von seinem Vater aus der Schule genommen. Trotzdem trägt er heute den Titel "Prof. Dr. h.c. mult."

Seit 80 Jahren auf der Welt, seit 65 Jahren im Unternehmen. Reinhold Würth wurde mit 14 von seinem Vater aus der Schule genommen. Trotzdem trägt er heute den Titel "Prof. Dr. h.c. mult." © Würth

Er gilt als einer der reichsten Menschen Deutschlands, ist für scharfe Worte bekannt und baute ein Imperium aus Schrauben auf: Der baden-württembergische Unternehmer Reinhold Würth wird 80 Jahre alt. Bei seiner Geburtstagsfeier dürfte er braun gebrannt sein.

Wenn Reinhold Würth auf sein Leben zurückblickt, gibt es nicht viel, das er rückgängig machen möchte. „Eigentlich bei den großen Entscheidungen nicht“, erzählt der als „Schraubenkönig“ bekannte Unternehmer aus dem baden-württembergischen Künzelsau. „Gleichwohl hätte ich ab und an gern einen zu scharf formulierten Satz zurückgeholt.“

Tatsächlich ist Würth, der am 20. April seinen 80. Geburtstag feiert, für deutliche Worte bekannt. Zuletzt rief er etwa die Außendienstmitarbeiter des gleichnamigen Handelskonzerns in einem Brandbrief auf, früher beim Kunden zu sein. „Bewirkt hat es sicher was“, meint er. „Wenn ich in meinem Alter noch so früh arbeiten kann, dann können die das auch.“ Auch zur Fußball-WM äußerte er sich jüngst besorgt über die Arbeitsmoral der Vertriebler.

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Mit 14 von der Schule abgemeldet

Er selbst ist harte Arbeit von klein auf gewohnt: Sein Vater meldete ihn als 14-Jährigen von der Schule ab, um ihn als Lehrling auszubilden. Reinhold Würth war damals der zweite Mitarbeiter des Würth-Konzerns – heute ein Imperium aus Schrauben und Dübeln mit einem Umsatz von rund zehn Milliarden Euro.

„Er hat mich gedrillt, ab und an gab’s etwas hinter die Löffel, aber heute bin ich dankbar“, sagt Würth rückblickend über seinen Vater. Nach dessen Tod übernahm er die Schraubengroßhandlung mit 19 Jahren. Im vergangenen Herbst feierte er sein 65-jähriges Arbeitsjubiläum.

 

Die Stationen von Reinhold Würth

1935: Geburt am 20. April im baden-württembergischen Öhringen.

1945: Vater Adolf Würth gründet in Künzelsau eine Großhandelsfirma für Schrauben.

1954: Nach dem Tod seines Vaters übernimmt er die Geschäftsleitung.

1962: Würth gründet in den Niederlanden die erste Auslandstochter.

1960er: Erste Aktivitäten als Kunstsammler.

1994: Zum 1. Januar scheidet er aus der operativen Geschäftsführung aus und übernimmt den Beiratsvorsitz.

2006: Würth übergibt den Beiratsvorsitz an seine Tochter Bettina.

2014: 65-jähriges Arbeitsjubiläum.

 

„Ich bin kein König“

Nur „Schraubenkönig“ lässt er sich nicht gern nennen. „Erstens bin ich kein König. Und zweitens ist ein König von Schrauben ja auch nicht sehr schmeichelhaft“, sagt er über seinen Beinamen.

Im Chefsessel feiert Würth seinen Geburtstag längst nicht mehr: Er ist inzwischen Vorsitzender der Stiftung Würth, die die Kulturarbeit des Unternehmens unterstützt. Seinen Ehrentag möchte er morgens mit seiner Familie beginnen, wie er erzählt. Danach will er ein Fest mit 400 Gästen feiern. An Elan mangelt es dem Unternehmer trotz des hohen Alters nicht: Kurz vor seinem Geburtstag machte er nach eigenen Angaben noch eine siebenwöchige Karibik-Reise.

Würth ist auch als Kunstmäzen mit einer Sammlung von rund 16 000 Werken bekannt. Zu sehen sind die in mehreren Museen, die Würth bauen ließ. Besuche in den Kunstsammlungen sind in der Regel kostenfrei. Geld hat Würth ohnehin genug: Der freigiebige Milliardär gilt als einer der reichsten Menschen Deutschlands.

„Ich hatte keinen Cent Schwarzgeld“

Umso schwerer getroffen zeigt er sich von einem unschönen Kapitel seiner Vergangenheit: Die Staatsanwaltschaft ermittelte 2008 wegen Steuerhinterziehung gegen Würth. Er akzeptierte einen Strafbefehl und zahlte 3,5 Millionen Euro. Ungerecht behandelt fühlt er sich dennoch. „Mich belastet das bis an mein Lebensende, weil ich keinen Cent Schwarzgeld hatte“, beteuert er. „Das ging nur um eine Verrechnungsgeschichte innerhalb des Konzerns.“

Zum Geburtstag blickt er aber auch nach vorn. Was er sich für die Zukunft wünscht? „Noch einige Jahre so gesund und fröhlich weiterleben zu können, wie es im Moment der Fall ist.“

 

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