Unternehmen Deutsche Bank schließt fast jede dritte Filiale

Handelssaal der Deutschen Bank

Handelssaal der Deutschen Bank© Deutsche Bank

Der Strategiewechsel der Deutschen Bank trifft nicht nur die Postbank, sondern auch die eigenen Filialen. Jede dritte soll bis 2017 geschlossen werden. Auch Geschäftskunden sind betroffen.

Nach monatelangem Ringen über den Kurs hat sich die Deutsche Bank eine harte Schrumpfkur verordnet. Das Geldhaus will fast jede dritte Filiale schließen und die Mehrheit an der Postbank aufgeben.

Bis zum Jahr 2017 sollen im Privat- und Geschäftskundengeschäft bis zu 200 Filialen dicht gemacht werden, teilte das Institut am Montag mit. Wie viele Stellen von dem Schrumpfkurs betroffen sind, blieb zunächst offen. Ende 2014 zählte der Konzern gut 98.000 Vollzeitstellen.

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Auch bei der Postbank stehen große Veränderungen an: Die Deutsche Bank will ihren Anteil an der einstigen Post-Tochter unter 50 Prozent senken, hält sich aber auch einen Komplettverkauf des Instituts offen. Man sei zu dem Schluss gekommen, „dass sich die Postbank in Zukunft außerhalb des Deutsche-Bank-Konzerns besser entfalten kann“, erklärten die beiden Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain am Montag in Frankfurt.

Hohe Erwartungen nicht erfüllt

Die Deutsche Bank war bei der Postbank mitten in der Finanzkrise im September 2008 eingestiegen – auch um den Konzern unabhängiger vom schwankungsanfälligen Kapitalmarktgeschäft zu machen. Die hohen Erwartungen an die Bonner Tochter hatten sich jedoch nie erfüllt.

Vor einem zwischenzeitlich diskutierten kompletten Verkauf des Privatkundengeschäfts schreckte Deutschlands größtes Geldhaus jedoch zurück. Stattdessen kündigte das Institut nun an, in das Privatkundengeschäft unter der Marke Deutsche Bank investieren zu wollen.

Einschnitte sind auch im Investmentbanking vorgesehen. Auch im Ausland will die Bank sparen und sich aus sieben bis zehn Ländern zurückziehen. Derzeit ist die Deutsche Bank in 70 Ländern vertreten. In Europa will sich das Institut neben Deutschland auf fünf Märkte konzentrieren, in denen es bereits jetzt über fünf Millionen Kunden hat. Welche Länder die Deutsche Bank aufgibt, ließ der Konzern zunächst offen.

Deutsche Bank will 3,5 Milliarden Euro pro Jahr sparen

Mit ihrer neuen Strategie reagiert die Bank auf die immer strengeren Anforderungen der Aufseher zum Beispiel in Sachen Kapitalausstattung und den Druck der niedrigen Zinsen auf die Erträge. Zudem hofft das Management, das eine geschrumpfte Universalbank wieder dauerhaft profitabler sein kann.

Mit den nun beschlossenen Maßnahmen will die Bank die operativen Kosten bis 2020 jährlich um zusätzlich 3,5 Milliarden Euro senken. Um dies zu erreichen, rechnet das Institut nach eigenen Angaben mit einmaligen Aufwendungen von 3,7 Milliarden Euro.

Bei Aktionären kamen die angekündigten Maßnahmen vorerst nicht gut an. Die Aktie fiel im frühen Handel um 4,91 Prozent auf 30,025 Euro und rutschte damit ans Dax-Ende.

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