Unternehmen Deutsche bleiben trotz Ukraine-Krise in Kauflaune

Die TV-Abteilung eines Kaufhauses

Die TV-Abteilung eines Kaufhauses© Yuri Arcurs - Fotolia.com

Auch wenn so mancher eine Wiederauflage des Ost-West-Konflikts befürchtet: Die deutschen Konsumenten sind trotz der Ukraine-Krise weiter positiv gestimmt. Für sie ist die Lage im Inland entscheidend. Und da sieht es aus Verbrauchersicht gut aus.

Die Stimmung der Verbraucher in Deutschland ist weiterhin ausgesprochen gut – nicht einmal die Ukraine-Krise konnte ihr einen Dämpfer verpassen. Allerdings geht es auch nicht weiter
aufwärts: Zum vierten Mal in Folge liegt der Konsumklimaindex für Juni bei 8,5 Punkten. Wie das Marktforschungsunternehmen GfK am Montag in Nürnberg mitteilte, stagniert der Index wegen der uneinheitlichen Entwicklung der zugrundeliegenden Indikatoren: „Während die Konjunkturerwartung spürbar sowie die Anschaffungsneigung minimal zulegen, büßt die Einkommenserwartung einen Großteil ihrer Gewinne aus dem Vormonat wieder ein.“

Die Ukraine-Krise habe sich im Mai nicht negativ auf die Stimmung ausgewirkt, schilderte die GfK – obwohl die repräsentative Umfrage zum Höhepunkt der Auseinandersetzungen stattfand. Doch die inländischen Faktoren hätten die außenpolitischen Aspekte überlagert, erklärte GfK-Experte Rolf Bürkl. „Bei den drei wesentlichen Faktoren für den Konsum – dem Arbeitsmarkt, den Einkommenserwartungen und der Inflation – sieht es allerorten positiv und optimistisch aus.“

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Erst wenn Russland etwa mit Preiserhöhungen oder einem Lieferstopp bei Öl und Gas drohe und die Menschen dadurch höhere Ausgaben fürchteten, könnte sich die Stimmung drehen, erläuterte Bürkl. Derzeit zähle aber vor allem die Lage in Deutschland. „Der Arbeitsmarkt ist stabil, die Beschäftigung steigt noch, und die Einkommensentwicklung ist sehr erfreulich – die tariflichen Erhöhungen werden dieses Jahr um die drei Prozent betragen. Und das alles vor dem Hintergrund einer niedrigen Inflation von deutlich unter zwei Prozent.“

Was ein noch niedrigeres Zinsniveau bewirken könnte

Diese Kombination wirkte sich im Mai stabilisierend auf die Anschaffungsneigung aus. Auch die Entwicklung der Konjunktur schätzten die Bürger wieder dynamischer ein als in den vorangegangenen Monaten. Mit Blick auf die Entwicklung ihres persönlichen Einkommens waren die Befragten zuletzt allerdings nicht mehr ganz so optimistisch. Doch trotz des aktuellen Rückgangs gehen die Verbraucher weiterhin davon aus, im Laufe des nächsten Jahres mehr Geld zur Verfügung zu haben.

Das kommt auch dem Konsum zugute. Die von der Europäischen Zentralbank (EZB) in Aussicht gestellte Lockerung der Geldpolitik hingegen wird den privaten Verbrauch nach Bürkls Einschätzung nicht weiter ankurbeln. „Schon bei den letzten Senkungen war die Auswirkung sehr begrenzt – zumal der Spielraum der EZB sehr gering ist, da das Zinsniveau schon nahe Null ist.“

Bürkl ergänzte: „Möglicherweise könnte die Sparneigung weiter abrutschen und der Konsumneigung zugutekommen, aber auf einem so niedrigen Niveau kann ich mir keine übermäßigen Effekte vorstellen.“ In den vergangenen Jahren hatte sich die Stimmung der Verbraucher nach Überwindung der Lehman-Krise konstant auf ihr jetziges hohes Niveau verbessert. Einer der Gründe dafür waren die niedrigen Zinsen: Statt ihr Geld für eine minimale Gegenleistung auf die Bank zu tragen, gaben es die Deutschen lieber für werthaltige Anschaffungen wie Immobilien oder Autos aus.

Für Urlaube und Reisen wird mehr Geld ausgegeben

„Die Baugenehmigungen entwickeln sich noch immer überaus gut“, schilderte Bürkl mit Blick auf das erste Quartal 2014. Auch für Urlaube und Reisen gäben die Menschen mehr Geld aus. Dennoch rechnet Bürkl nicht damit, dass der private Verbrauch in den nächsten Monaten noch exorbitant zunimmt. „Wir müssen in Rechnung stellen, dass wir uns insgesamt schon auf einem sehr hohen Niveau befinden.“

Mit Blick auf den monatlich ermittelten Konsumklimaindex sagte Bürkl: „Es ist noch ein bisschen Luft nach oben, aber nicht mehr sehr viel.“ Er glaube nicht, dass der Index in diesem Jahr noch auf einen zweistelligen Wert steigen werde. Der private Konsum macht in Deutschland rund 57 Prozent des Bruttoinlandprodukts aus; die GfK rechnet für 2014 mit einem realen Zuwachs von 1,5 Prozent.

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