Unternehmen „Deutsche Bullen“ mit Dieselmotor – Deutz feiert 150. Jubiläum

Eine restaurierte Rundhauber Zugmaschine von Magirus Deutz.

Eine restaurierte Rundhauber Zugmaschine von Magirus Deutz.© By Norbert Schnitzler (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-S

Erst Motoren, dann Lkw, Busse und Traktoren - und wieder zurück. Kaum ein anderes Industrieunternehmen ist ein solches Kaleidoskop von technischen Innovationen und Umbrüchen wie der Kölner Motorenhersteller Deutz. Und alles begann mit nur einem Namen: Otto.

Diese „deutschen Bullen“ sind schweres Gerät aus Ulm – die Lkw von Magirus Deutz. Es war ein Riesenauftrag, den die damalige Klöckner-Humboldt-Deutz AG 1974 aus der früheren Sowjetunion erhielt: 10.000 Lkw, angetrieben mit luftgekühlten Dieselmotoren, wurden beim Klassenfeind geordert. Benötigt wurden die Bullen, wie das Unternehmen seine Fahrzeuge damals vermarktete, zum Bau einer gigantischen Eisenbahnlinie, die gut 3000 Kilometer lange Baikal-Amur-Magistrale in Sibirien.

Seit Mitte der 1930er Jahre gehörte der Ulmer Nutzfahrzeugbauer Magirus zum Kölner Unternehmen. Markenzeichen der Fahrzeuge: die lang nach vorne gezogene Schnauze, auch Alligator genannt. Aber auch der legendäre Bauernschlepper „Elfer Deutz“ schrieb Geschichte. An diesem Montag feierte der traditionsreiche Konzern 150. Firmenjubiläum. Dabei zeigt ein Blick zurück: Die Entwicklung des Unternehmens ist eine der größten Technikgeschichten des Industriezeitalters.

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Und die begann in einer kleinen Werkstatt unweit des Kölner Doms. Der Schöpfer der Motorisierung heißt: Nicolaus August Otto. Der Autodidakt und technikbesessene Kaufmann gilt als „Erfinder des Verbrennungsmotors und als Vater des Viertaktprinzips“, rühmt die Firmenchronik zum 150. Geburtstag den Erfinder. Otto hasste angeblich  zeitraubende Fahrten mit Pferdekutschen – und suchte nach mobilen Alternativen.

Auch Gottlieb Daimler arbeitete in den Gründerzeiten bei Deutz

Gemeinsam mit dem Zuckerfabrikanten Eugen Langen gründete er am 31. März 1864 die N.A. Otto & Cie. – die erste Motorenfabrik der Welt.  Heute erinnert eine kleine Plakette in der Servasgasse Nummer 5 an einen der bedeutendsten Söhne der Domstadt. Zu den Gründerzeiten machten bei Deutz auch drei weitere heutige Auto-Legenden Station: Gottlieb Daimler, Wilhelm Maybach und Ettore Bugatti. Als Konstrukteure brachten Daimler und Maybach unter anderem den Viertaktmotor zur Serienreife. Der Italiener Bugatti kam 1907 nach Köln, um bei Deutz die Autosparte aufzubauen. Doch die Pläne scheiterten.

Mit der Aufnahme der Serienproduktion von Dieselmotoren 1907 nimmt die Deutz dann Fahrt auf. Dabei hätte das Unternehmen fast den Anschluss an die neue Motorentechnik verpasst. Firmengründer Langen hatte dem Ingenieur Rudolf Diesel zuvor eine Abfuhr erteilt und entschieden: nicht durchführbar. Mit Unterstützung von Krupp brachte Diesel den Selbstzünder schließlich bei der Maschinenfabrik Augsburg, die später MAN genannt wurde, zur Serienreife.

Inzwischen arbeiteten auch die Ingenieure bei Deutz an der Technik. Die Dieselmotoren machten das Kölner Unternehmen schließlich weltberühmt. Die Motoren finden bis heute unter anderem Verwendung in Baumaschinen, Lokomotiven, Traktoren, Nutzfahrzeugen, Schiffen und Pumpen.

Deutz legt den Rückwärtsgang ein

Im Ersten Weltkrieg und während der Nazi-Diktatur wurde Deutz wie viele andere Unternehmen in den Dienst der Militärs und Kriegsmaschinerie gestellt. Zugmaschinen für die Artillerie und Lokomotiven für den Transport von Lebensmitteln und Waffen an die Front wurden benötigt. Inzwischen hießen die Kölner Klöckner-Humboldt Deutz AG. Mehr als 2000 Zwangsarbeiter waren bei KHD während des Zweiten Weltkriegs beschäftigt.

Schon früh wird Unternehmenslenkern klar, Deutz will nicht nur Antriebe liefern, sondern auch an Endprodukten mitverdienen. Bald werden nicht nur Motoren für Traktoren, sondern auch Ackerschlepper produziert. Bis zur vollständigen Trennung von der Sparte Mitte der 90er Jahren liefen eine Million Traktoren vom Band. Inzwischen hatte sich KHD mit Landmaschinenbauer Fahr verbündet. 1995 wird die Sparte an die italienische Same-Gruppe verkauft.

Mit dem rückläufigen Absatz im Lkw-Bereich geriet auch Magirus-Deutz in die Bredouille. Die Tochter kam zunächst unter ein gemeinsames Dach von KHD und Fiat mit dem Namen Iveco und wurde 1982 ganz an die Italiener verkauft. Immer mehr wurde klar, der Konzern, der zu seinen besten Zeiten mehr als 32 000 Menschen beschäftigte, legt den Rückwärtsgang ein.

Das wäre um ein Haar schief gegangen. Bilanzfälschungen bei der Tochterfirma Wedag brachen KHD Mitte der 90er Jahre an den Rand des Zusammenbruchs. Bei dem Unternehmen waren Verluste vertuscht worden. Jetzt wurde die Rückkehr zum Ursprung der Motorenherstellung beschleunigt. Die KHD wurde in Deutz AG umfirmiert und das Unternehmen ganz auf eine Sparte ausgerichtet: den Motorenbau.

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