• Deutsche Lieferanten im Visier

    Im europaweiten Pferdefleisch-Skandal
    geraten immer mehr deutsche Lieferanten ins Visier. Der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestlé entdeckte nicht deklarierte Anteile von Pferdefleisch in seinen Tiefkühlprodukten. Dabei gehe es um Zulieferungen aus Deutschland, teilte das Unternehmen mit. In Italien und Spanien seien deshalb zwei Nudelgerichte vom Markt genommen worden. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) rechnet angesichts verstärkter Untersuchungen mit weiteren Funden. Sie sprach sich erneut für Ermittlungen der Justiz aus.

    Der Liechtensteiner Partner der Supermarktkette Lidl, die Firma Hilcona,
    erklärte, die Rohware für das Produkt “Combino Tortelloni
    Rindfleisch” sei vom Lieferanten Vossko aus dem Münsterland gekommen,
    es enthalte undeklariertes Pferdefleisch. Das Nudelgericht war am
    Freitag vom Discounter Lidl aus den Regalen entfernt worden.

    Nach Aldi Süd hat inzwischen auch Aldi Nord Pferdefleisch in
    Fertiggerichten gefunden. In “Tiefkühl Penne Bolognese 750 g” und
    “Gulasch 540 g Dose, Sorte Rind” seien Anteile von Pferdefleisch
    nachgewiesen worden, teilte das Unternehmen in Essen mit. Das Gulasch
    des Lieferanten Omnimax aus Brandenburg sei nur in den
    Aldi-Nord-Regionalgesellschaften Meitzendorf, Mittenwalde und
    Hoyerswerda vertrieben worden.

    Omnimax wiederum bekommt die Produkte vom Konservenhersteller
    Dreistern in Neuruppin in Brandenburg. Eine Dreistern-Sprecherin
    betonte, in dem Gulasch seien nur Spuren von Pferde-DNA gefunden
    worden. “Auch wir sind Opfer von Etikettenschwindel. Wir sind nicht
    Täter”, sagte sie. Auch Aldi Süd war von Omnimax beliefert worden und
    hatte dies bereits am Freitag mitgeteilt.

    Die Tiefkühl Penne Bolognese der Firma Copack wurde laut Aldi
    dagegen in allen deutschen Filialen von Aldi Nord verkauft. Aktuell
    bestünden keine Hinweise auf ein gesundheitliches Risiko, erklärte
    das Essener Unternehmen. Die Lieferanten hätten gebeten, die Artikel
    vorsorglich aus dem Verkauf zu nehmen.

    Bei dem Bremerhavener Hersteller Copack laufen inzwischen
    Untersuchungen. Geschäftsführer Jürgen Marggraf sagte der
    Nachrichtenagentur dpa, mit Ergebnissen der genetischen Analysen sei
    voraussichtlich am Dienstag zu rechnen. Seit vergangener Woche werde
    bereits das gesamte Sortiment untersucht. Copack gehört zur
    Frosta-Gruppe und stellt unter verschiedenen Markennamen außer
    Fertiggerichten auch tiefgekühlte Gemüse- und Fischprodukte her.

    Die Firma Hilcona wiederum berief sich auf Untersuchungen in
    Schweizer Labors. “Die Analysen haben ergeben, dass der Lieferant
    Vossko aus Deutschland die falsch deklarierte Ware geliefert hat”,
    erklärte der Liechtensteiner Partner der Supermarktkette Lidl.
    Hingegen sei von der zuvor verdächtigten Schweizer Firma Suttero nur
    reines Rindfleisch an Hilcona geliefert worden.

    Hilcona kündigt Zusammenarbeit mit Vossko

    Ein Sprecher der Firma Vossko aus Ostbevern in Nordrhein-Westfalen
    bestätigte, dass Hilcona die Zusammenarbeit mit Vossko aufgekündigt
    habe. “Wir lassen gerade durch zwei Labore Proben unserer vier
    Lieferanten von Rindfleisch aus dem vergangenen neun Monaten
    untersuchen. Frühestens Dienstagabend werden wir erste Ergebnisse
    haben”, sagte der Sprecher. Bei den Lieferanten handele es sich um drei deutsche Partner und einen aus
    dem europäischen Ausland. Näheres wollte der Sprecher nicht sagen.

    Spitzenkoch Alfons Schuhbeck versicherte, seine Produkte seien
    nicht vom Pferdefleisch-Rückruf des Fertigprodukte-Herstellers
    Schuhbecks Geniesser Service (SGS) in Laage (Mecklenburg-Vorpommern)
    betroffen. “Ich bin erschüttert”, sagte Schuhbeck der “Bild”-Zeitung
    (Montag). “Die Firma SGS hat eine Lizenz von mir, hochwertige
    Gerichte zu produzieren – die Produkte, in denen Pferdefleisch
    gefunden wurde, stammen aus einer ganz anderen Linie.” Das erklärt
    auch der SGS auf seiner Homepage.

    Wie SGS mitteilte, waren in Fertiggerichten mit Anteilen von
    Rindfleisch für die Supermarktkette Rewe Bestandteile von
    Pferdefleisch gefunden worden. Die SGS habe sofort nach Bekanntwerden
    des Pferdefleischskandals von allen Lieferanten schriftliche
    Bestätigungen erhalten, dass kein zugeliefertes Produkt Pferdefleisch
    enthält. Allerdings seien bei Rohware vom Hackfleisch-Hersteller
    Vossko geringe Pferdefleisch-Anteile gefunden worden. Auch Schweizer
    Supermärkte nahmen am Montag sieben Produkte aus den Regalen, die
    undeklariertes Pferdefleisch enthalten sollen.

    • Quelle: dpa
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