Unternehmen Deutsche Wirtschaft schafft zum Jahresende die Wende

Die Verbraucher in Deutschland sind in Kauflaune.

Die Verbraucher in Deutschland sind in Kauflaune.© jonasginter/fotolia.com

Die Kauflust der Verbraucher hat der deutschen Wirtschaft 2014 ein kräftiges Wirtschaftswachstum beschert. Trotz einer Schwächephase legte das Bruttoinlandsprodukt um insgesamt 1,5 Prozent zu. Auch für 2015 rechnen Ökonomen mit einem spürbaren Wachstum. Experten sehen aber auch Risiken für die Wirtschaftsentwicklung.

Die Verbraucher haben 2014 mit ihrer Kauflust der deutschen Wirtschaft ein deutliches Plus beschert. Unter dem Strich legte die größte Volkswirtschaft Europas im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent zu – und damit mehr als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Dies gab das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Berlin bekannt. Für 2015 erwarten Ökonomen ein weiter spürbares Wachstum, wobei vor allem der Ölpreisverfall wie ein Konjunkturprogramm wirke.

Im vergangenen Jahr ging mit 0,8 Prozentpunkten mehr als die Hälfte des Wachstums auf das Konto des privaten Konsums. Anders als noch im Vorjahr trugen aber auch die Investitionen und der Außenhandel zum Wirtschaftswachstum bei, wie die Statistiker berichteten.

Anzeige

Nach einem fulminanten Start in das Jahr war die Wirtschaft im Sommer in eine Schwächephase geraten, hat aber zum Jahresende die Kurve gekriegt. In einer ersten Schätzung gehen die Experten in Wiesbaden davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im Schlussvierteljahr verglichen mit dem Vorquartal um rund ein Viertel Prozent zulegen konnte.

Ökonomen erwarten auch für 2015 spürbares Wachstum

Der Präsident der Statistikbehörde, Roderich Egeler, attestierte der größten Volkswirtschaft Europas eine solide Verfassung. „Offensichtlich konnte sich die deutsche Wirtschaft in einem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld behaupten und dabei vor allem von einer starken Binnennachfrage profitieren.“ Auch für 2015 gehen die Statistiker von einem weiteren spürbaren Wachstum aus, wollen dies allerdings so früh im Jahr noch nicht beziffern. Vor allem die extrem niedrigen Ölpreise wirkten wie ein „Konjunkturprogramm“, hieß es.

Andere Ökonomen sehen jedoch weiterhin Risiken für die Konjunktur. „Wenn die Finanzmärkte im Jahr 2015 erneut in Turbulenzen geraten, dann kann es mit der eigentlich günstigen Konjunktur in Deutschland schnell wieder vorbei sein“, warnt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Die größten Gefahren für die Stabilität der Finanzmärkte sieht Fichtner in Russland. Aber auch im Euroraum ist die Lage nicht nur wegen der Parlamentswahlen in Griechenland weiter fragil.

Ökonomen der Deutschen Bank warnen die Politik davor, den privaten Konsum als Wachstumstreiber auszubremsen: Es mehrten sich die Zeichen, „dass die unserer Einschätzung zufolge falschen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen, wie beispielsweise die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns sowie die Rentenpakete, den Arbeitsmarkt und damit den Konsum schwächen“.

Experten warnen vor Risiken

Demnach dürfte die Erwerbstätigkeit deutlich schwächer als im Vorjahr steigen, und die Arbeitslosigkeit in der zweiten Jahreshälfte zunehmen. 2014 wuchs die Zahl der Erwerbstätigen um 0,9 Prozent und erreichte mit 42,7 Millionen einen Höchststand – den achten in Folge. Noch sei die deutsche Wirtschaft „gut aufgestellt, hoch innovativ und wettbewerbsfähig“, schreiben die Deutsche-Bank-Volkswirte.

Auch Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise sieht keinen Anlass für Euphorie: „Ein Investitionsschub, den Deutschland benötigt, ist nicht in Sicht.“ Deshalb fordert DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben, die Investitionsbremse endlich zu lösen: „Die Politik sollte ihre Priorität auf die Stärkung des Standortes setzen und mit einem Belastungsstopp schnell ein Signal senden.“

Immerhin: Der Absturz der Ölpreise ist ein Geschenk für die Konjunktur. Kurz vor dem Jahreswechsel prognostizierte der Chef des Sachverständigenrats, Christoph Schmidt, in der „Welt am Sonntag“: „Die deutsche Wirtschaft wächst nun allein wegen des deutlich gesunkenen Ölpreises um bis zu 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte stärker.“ Für Verbraucher ist Tanken und Heizen billiger, sie können daher mehr Geld für andere Dinge ausgeben. Auch Unternehmen haben Spielräume, weil sie den wichtigen Rohstoff Öl günstiger einkaufen können. Sinkende Ölpreise wirkten „ähnlich wie ein kleines Konjunkturprogramm“, hatte Bundesbankpräsident Jens Weidmann erklärt.

Was die Konjunktur ankurbeln dürfte

Nach Berechnungen von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer übertrifft die Wirkung des Rückgangs von Ölpreis und Euro-Dollar-Kurs deutlich das, was Politiker in Deutschland oder der EU in den zurückliegenden Jahren an Konjunkturprogrammen aufgelegt haben. Daher sollte die deutsche Wirtschaft in den kommenden Quartalen zulegen.

Zumal die Verbraucherstimmung so gut ist wie seit acht Jahren nicht mehr und auch die deutsche Industrie zuversichtlich ins Jahr blickt: Die Maschinenbauer hoffen auf ein Rekordjahr, die deutschen Autokonzerne wollen erstmals mehr als 15 Millionen Wagen bauen und die Baubranche will erstmals seit dem Jahr 2000 wieder die Umsatz-Marke von 100 Milliarden Euro überschreiten.

Zusätzlichen Antrieb erwartet Carsten Brzeski, Chef-Ökonom der ING-Diba, ausgerechnet von der Europäischen Zentralbank: „Trotz aller öffentlichen Kritik dürfte die deutsche Wirtschaft einer der größten Nutznießer des geplanten umfangreichen Anleihekaufprogramms der EZB sein.“ Denn noch niedrigere Zinsen würden den ohnehin boomenden Immobilienmarkt stützen und der zusätzliche Druck auf den Euro der Exportwirtschaft helfen: „Wenn man die niedrigen Energiepreise hinzurechnet, die Balsam für Verbraucher und den Mittelstand sind, erhält man ein ultimatives Wachstumspaket für die Wirtschaft.“

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.