Unternehmen Deutschland als Standort für Familienunternehmen nur Mittelmaß

Politiker und Ökonomen sind sich einig: Familienunternehmen sind in Deutschland eine wichtige Stütze der Wirtschaft. Doch die Bedingungen für Unternehmer werden offenbar schlechter. Kompliziertes Steuersystem, schlechte Breitbandanbindung, viel Bürokratie - im Ländervergleich ist der deutsche Standort laut einer neuen Studie nur mäßig attraktiv.

Die Schweiz führt den Länderindex 2014 der Familienunternehmen an. Deutschland folgt auf Rang 12, Italien ist auf Rang 18 das Schlusslicht.

Die Schweiz führt den Länderindex der Familienunternehmen in diesem Jahr an. Deutschland liegt weiterhin im hinteren Mittelfeld auf Rang 12, Italien ist das Schlusslicht und belegt Rang 18.© Stiftung Familienunternehmen

Die deutsche Wirtschaft wächst, trotz aller Krisen in Europa. Dennoch ist Deutschland als Standort für Familienbetriebe nur mittelmäßig attraktiv. Dies zeigt der aktualisierte „Länderindex der Stiftung Familienunternehmen“, den das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) alle zwei Jahre erstellt. Untersucht werden sechs Faktoren von Energie bis Steuern, die die Wettbewerbsfähigkeit von Familienunternehmen ausmachen.

Laut der Studie hält sich Deutschland wie bereits im Jahr 2012 im hinteren Mittelfeld auf Platz 12. Insgesamt vergleicht der Index 18 europäische Länder und die USA. Diesjähriger Spitzenreiter ist die Schweiz, das Schlusslicht Italien, erfolgreichster Aufsteiger ist Polen. Das Land verbesserte sich in den vergangenen Jahren um drei Positionen im Index und belegt nun Platz 13, direkt hinter Deutschland.

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Die größten Minuspunkte für die Bundesrepublik sind neben dem komplizierten Steuersystem, die hohe Arbeitsmarktregulierung sowie die öffentliche Infrastruktur. Hier fällt besonders das lückenhaft ausgebaute Breitbandnetz ins Gewicht.

Negativfaktor: Deutsches Steuersystem

Familienunternehmen in Deutschland haben laut dem Länderindex besonders beim Steuersystem einen Standortnachteil. Beispielsweise wurden die durch die umfassende Unternehmenssteuerreform 2008 auf Unternehmensebene erzielten Entlastungen größtenteils durch die Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 45 Prozent kompensiert. Auch die Erbschaftsteuerreform 2009 brachte zwar eine relative Verbesserung. Da aber andere Länder wie Österreich die Erbschaftsteuer abgeschafft oder wie die Niederlande reformiert haben, fällt Deutschland auch in dieser Hinsicht zurück. Mit den aktuellen Plänen von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für eine Reform der Erbschaftsteuer könnten die Regeln für Firmenerben noch schärfer ausfallen.

Zudem ist der administrative Aufwand der Unternehmen für ihre Steuererklärung in den vergangenen Jahren im Vergleich zu anderen Ländern stetig angestiegen. Ein Unternehmen in Deutschland muss dafür im Schnitt 218 Stunden aufbringen, im Vereinigten Königreich halbiert sich der Zeitaufwand und ein Schweizer Unternehmen benötigt nur 63 Stunden.

Auch bei Arbeitskosten und Arbeitsregulierung besetzt Deutschland nur die Plätze im hinteren Mittelfeld. Die neuen Regulierungen auf dem Arbeitsmarkt beim Mindestlohn und die geplante Einschränkung der Zeitarbeit sind hier laut der Untersuchung für Familienunternehmen hinderlich.

Hindernis für Familienunternehmen: Schlechte Breitband-Verbindung

Bei Thema Transportinfrastruktur ist der Abstand Deutschlands zu den Spitzenreitern gewachsen. Egal ob Straße, Schiene oder Luftverkehr: Die qualitativen Bewertungen sind schlechter geworden. Eine weitere große Schwachstelle des deutschen Standortes ist die Verbreitung der Mobilfunknetze und die verfügbare Internet-Bandbreite. Bei dieser ist Deutschland seit 2012 vom neunten auf den 15. Platz zurückgefallen.

Trotz der Schwächen im europäischen Vergleich hat der Standort Deutschland auch eine große Stärken: die Unternehmensfinanzierung. Die Studie berücksichtigt auch das PISA-Ranking, in dem sich Deutschland zuletzt besser platzierte. In Sachen Ausbildung gehört Deutschland im europäischen Vergleich als Anbieter der betrieblichen dualen Ausbildung zu den Spitzenreitern neben Österreich und der Schweiz.

Wirtschaftliches Ungleichgewicht in Europa nimmt zu

Insgesamt sieht der „Länderindex Familienunternehmen“ ein zunehmendes Ungleichgewicht in den europäischen Ländern. Mit Frankreich und Spanien gehören zwei wichtige EU-Staaten zu den Schlusslichtern. Falls sich der Abstieg dieser Länder fortsetze, könne dies erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Euro-Zone haben, erklärt Brun-Hagen Hennerkes, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Familienunternehmen. „Griechenland zeigt, welche hohe Ansteckungsgefahr bereits von der Krise eines kleinen Landes auf die Gemeinschaft aller EU-Mitglieder ausgeht.“

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