Unternehmen Ein Leben für Playmobil

Horst Brandstätter, Gründer und bisheriger Alleinbesitzer des Playmobil-Herstellers geobra Brandstätter, aufgenommen am 27.08.2010 in Zirndorf (Mittelfranken).

Horst Brandstätter, Gründer und bisheriger Alleinbesitzer des Playmobil-Herstellers geobra Brandstätter, aufgenommen am 27.08.2010 in Zirndorf (Mittelfranken). © dpa - picture alliance

Horst Brandstätter gilt als Vater der Playmobil-Figuren - und machte damit aus einem Mittelständler einen der größten deutschen Spielzeughersteller. Selbst im Ruhestand wachte der Firmengründer über sein Lebenswerk. Nun ist er gestorben.

Playmobil bestimmte sein Leben. Der Gedanke an die kleinen Plastikfiguren ließ Horst Brandstätter auch im hohen Alter nicht los. Zwar hatte sich der Alleininhaber eines der größten deutschen Spielwarenproduzenten bereits vor mehreren Jahren aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, doch die Leitlinien in der Zirndorfer Firmenzentrale bestimmte er weiterhin als Vorstandschef einer Unternehmensstiftung mit. Am vergangenen Mittwoch ist Brandstätter im Alter von 81 Jahren gestorben, wie eine Firmensprecherin am Montag mitteilte.

Angetrieben wurde Horst Brandstätter vor allem von seinem Pflichtbewusstsein. „Ich musste mich in die Firma einarbeiten und meine Aufgabe erfüllen. Das war mir vorgegeben, diese Teilhaberschaft“ – so nüchtern charakterisierte er selbst seinen Werdegang. Einfach war dieser Weg nicht immer: „So ein Unternehmen ist mit Sicherheit eine Belastung. Aber damit muss man leben.“

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Geboren am 27. Juni 1933 im mittelfränkischen Zirndorf, hatte der Sohn eines Spielwarenfabrikanten im Alter von sieben Jahren den Tod des Vaters zu verkraften. „Einfach war meine Kindheit nicht“, erinnerte sich Brandstätter. Nach einer Lehre als Formenbauer stieg „HOB“, wie ihn seine Angestellten nannten, in das Familienunternehmen Geobra Brandstätter ein – und musste sich nach der Volljährigkeit mit 21 Jahren den Platz neben seinen wesentlich älteren Mitteilhabern erkämpfen.

„Der Playmobil-Erfolg hat uns vor der Pleite gerettet“

Nach und nach stiegen die Verwandten aus der Firma aus, und Brandstätter baute das Unternehmen um. Statt auf Metallspielzeug setzte er auf Kunststoff. Bei Hula-Hoop-Reifen stieg das Unternehmen 1958 zum europäischen Marktführer auf. Mit der Ölkrise Anfang der 70er wurde Plastik teuer, und Brandstätter ließ ein Systemspielzeug entwickeln. Die Idee: Viele einzeln zu kaufende Bestandteile lassen eine Miniaturwelt entstehen.

1974 begannen die Playmobilfiguren ihren Siegeszug. Die kantigen, 7,5 Zentimeter großen bunten Figuren eroberten bald europaweit die Kinderzimmer – und wurden zur Umsatzlokomotive für den fränkischen Mittelständler. „Der Playmobil-Erfolg hat uns damals vor der Pleite gerettet“, bekannte Brandstätter später. Von der anhaltenden Faszination auf Kinder sei er selbst überrascht gewesen.

Nachfolge frühzeitig geregelt

Inzwischen hat das Unternehmen nach eigenen Angaben weltweit 2,8 Milliarden Playmobil-Figuren verkauft. Der Jahresumsatz der Gruppe, die auch Pflanzgefäße und Gartenmöbel herstellt, lag 2014 bei 596 Millionen Euro. Anders als die meisten anderen Spielwarenproduzenten hatte Brandstätter darauf verzichtet, die Produktion nach Asien zu verlegen. Das größte Werk liegt unweit der Zirndorfer Firmenzentrale im mittelfränkischen Dietenhofen. Daneben produziert Geobra Brandstätter in Malta, Tschechien und Spanien.

Um den Fortbestand der Gruppe mit insgesamt 4170 Mitarbeitern zu sichern, brachte Brandstätter die Firma vor einiger Zeit in eine Unternehmensstiftung ein. Er wollte damit sein Führungsteam früh auf die Zeit ohne ihn vorbereiten. „Es gibt Chefs, die sitzen an ihrem Schreibtisch und verhalten sich so, als ob sie das ewige Leben haben“, wunderte sich Brandstätter nach seinem Rückzug aus dem Tagesgeschäft. Bis zuletzt hatte Brandstätter als Vorstandschef zusammen mit den Vorstandsmitgliedern Steffen Höpfner und Judith Weingart die Geschicke der Stiftung und damit die des Unternehmens bestimmt.

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