• Energie für Millionen

    David Damberger arbei­tete in einer NGO und gründete eine Plattform für fair gehandelte Produkte. Nun will er mit seinen Kollegen von M-­Kopa Millionen Kunden in Kenia mit Strom versorgen.

    In Kenia nutzen die Menschen bislang meist Kerosin als Lichtquelle. Nun können sie sich eine Solarlampe leisten - und mit ihrem Handy zahlen. Eine Idee mit Wachstumspotenzial.

    Ein Baby schreit im Hintergrund, als David Damberger sich meldet – unter seiner neuen Rufnummer. Ja, es gehe ihm gut. Er lebe jetzt mit seiner Frau und Tochter in Nairobi. Impulse traf den 31-jährigen Kanadier zum ersten Mal auf dem St. Gallen Symposium in der Schweiz. Dort sprachen wir über Social Businesses und ­seine Vision. Inzwischen ist Damberger mittendrin im Abenteuer Afrika.

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    Seit wann leben Sie in Kenia?

    David Damberger: Ich bin vor zwei Monaten bei einem Startup dazugestoßen, als Verantwortlicher für neue Produkte und Märkte. Wir wollen die Menschen in Kenia auf eine ganz neue Art mit Solarenergie versorgen, und zwar so, dass auch ärmere Familien auf dem Land sich unsere Produkte leisten können.

    Wie funktioniert das?

    Wir bieten solarbetriebene Ladegeräte für Mobiltelefone und Solarlampen an. Momentan müssen die meisten Kenianer rund 20 Prozent ihres Einkommens für Kerosin ausgeben, mit dem sie Licht in ihre Hütten bringen. Eine Solarlampe ist auf ­lange Sicht günstiger. Bisher konnten sich die ­Leute so eine Lampe aber nicht leisten. Sie hatten auch keine Möglichkeit, einen Kredit aufzunehmen.

    Und Sie borgen ihnen das Geld?

    Unser Startup heißt M-Kopa. M steht für mobil, ­und Kopa heißt borgen auf Swahili. Das beschreibt ziemlich genau, was wir tun. Der Gründer von M-Kopa, Nick Hughes, arbeitete bis 2009 bei Vodafone und hat dort ein mobiles Bezahlsystem mit aufgebaut. Die Kunden können Geld per Handy transferieren und sich so ein Flugticket kaufen oder zu einem Laden im Dorf gehen und sich einen Betrag bar auszahlen lassen. 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von Kenia laufen bereits über ­dieses System, M-Pesa. Das Telefon wird durch ­diese Technologie zum Konto für all die Menschen, die ihr Geld bisher unter der Matratze sammelten. Das nutzen wir für neue Geschäftsmodelle.

    Wann rechnet sich die Lampe für Ihre Kunden?

    Sie zahlen uns ein Jahr lang rund 50 Cent pro Tag. So viel kostet in etwa auch das Kerosin. Nur: Mit der Solarlampe haben unsere Kunden nach einem Jahr gar keine Kosten mehr.

    Und wenn einer nicht pünktlich zahlt?

    Dann könnten wir die Lampe einfach abschalten, mit einer SIM-Karte, die in das Gerät eingebaut wird. Diese Technologie, das sogenannte Internet der Dinge, wird in Zukunft ganz neue Geschäftsmodelle möglich machen.

    Sind Sie ein Entwicklungshelfer?

    Ein Social Entrepreneur (lacht). Ich weiß, damit liege ich im Trend. Meine Generation will nicht nur ihren Job gut machen. Sie will Gutes machen. Aber ich würde lügen, wenn ich behauptete, es ginge ­allein um selbstlose Zwecke. Wer ein Social Business gründet, bekommt heutzutage viel Lob und Anerkennung, vielleicht ein Stipendium oder Geld von Investoren. Das verstärkt natürlich den Trend.

    Wollen Sie auch Geld verdienen?

    Erfolgreiche Social Entrepreneure sind Unternehmer. Sie brauchen einen realistischen Businessplan, gute Mitarbeiter, solide Finanzen. Da sehe ich bei vielen Social Businesses noch Entwicklungs­potenzial. Manche Gründer zahlen sich zum Beispiel sehr niedrige Gehälter aus, weil sie ja Gutes tun wollen. Doch was ist, wenn der Gründer geht? Dann muss das Unternehmen auch ohne ihn ­funktionieren – nach den Regeln des Marktes.

    Wie erfolgreich sind Sie gestartet?

    Nach zwei Monaten haben wir 1000 Kunden. Nun müssen wir zusehen, dass wir ein Vertriebsnetz aufbauen und uns an die Kunden anpassen, in ­Kenia gibt es viele Stämme mit eigenen Regeln und Ritualen. Zudem wollen wir größere Energiesta­tionen auf den Markt bringen, mit denen die Menschen auch einen Fernseher betreiben können.

    Was treibt Sie, einen kanadischen Ingenieur, überhaupt nach Afrika?

    Angefangen hat es mit einer NGO, den Engineers Without Borders Canada. Die Organisation will mit technischen Möglichkeiten die Armut in Entwicklungsländern verringern, sie berät zum Beispiel Gründer und gemeinnützige Organisationen. Ich war zwischen 2005 und 2009 in Afrika und ­habe Kleinunternehmer unterstützt. Danach gründete ich Ethical Ocean, einen Onlineshop für fair gehandelte und umweltfreundliche Produkte. Zuletzt habe ich einen MBA in Social Entrepreneurship in Oxford absolviert. Aber es zog mich immer zurück. Ich habe mein Herz an Afrika verloren.

    Ihr Herz?

    Es geht auch um mein Gewissen. In Afrika habe ich Menschen kennengelernt, die klüger und talen­tierter sind als ich, aber nicht dieselben Chancen ­hatten. Ich möchte etwas zurückgeben. Das ist die moralische Seite. Auf der intellektuellen Ebene ­reizen mich als Ingenieur die Probleme, die es in Afrika gibt. Sie sind neu und oft komplex, meist gibt es kaum etablierte Player, die sich an einer Lösung versuchen. Zusammengefasst würde ich sagen, ich möchte Probleme beheben, die wichtig sind.

    Wie definieren Sie Erfolg?

    Es geht nicht nur darum, wie groß eine Firma wird, sondern auch um die Wertschöpfungskette. In Sambia stellten wir mit den Engineers Without Borders zum Beispiel fest, dass die Ernte der Baumwollbauern schlechter ausfiel als in anderen Ländern. Ein Grund war, dass die Farmer zu wenig Pflanzenschutzmittel und Dünger ausbrachten.
    So haben wir 50 Kleinunternehmer gesucht, sie mit einem Spraypack ausgestattet und ihnen das Wichtigste übers Düngen beigebracht. Dann haben wir sie losgeschickt und gesagt: Wer sich durchsetzt, bleibt am Markt. Rund zwei Dutzend sind ­übrig geblieben – sie helfen einer ganzen Industrie.

    Das klingt doch nach einem Erfolg …

    Stimmt schon, aber ich gebe zu: An M-Kopa reizt mich auch das enorme Wachstumspotenzial. Es wäre toll, wenn ich einmal sagen könnte: Ich ­habe zehn Millionen Kenianern dabei geholfen, moderne Lampen und Strom im Haus zu haben.

    Aus dem Magazin
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