Erbschaftsteuer-Ranking So stark belastet die Erbschaftssteuer deutsche Unternehmen

Unternehmererben werden stärker zur Kasse gebeten: Nach der Reform 2016 fällt Deutschland im Erbschaftsteuer-Ranking unter 18 OECD-Staaten deutlich zurück

Unternehmererben werden stärker zur Kasse gebeten: Nach der Reform 2016 fällt Deutschland im Erbschaftsteuer-Ranking unter 18 OECD-Staaten deutlich zurück© Gilmanshin / iStock / Getty Images Plus

Die neue Erbschaftsteuer führt zu Mehrbelastungen für Firmenerben. Dass Deutschland im Ländervergleich aber noch schlechter abschneidet als erwartet, zeigt nun eine Studie.

Viele Unternehmer hatten es schon geahnt: Die im Oktober 2016 beschlossene Reform der Erbschaftsteuer wird teuer. Wie sehr, hat nun das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen untersucht. Das Ergebnis: Während Deutschland im Erbschaftsteuer-Ranking von 18 OECD-Staaten schon vorher ziemlich weit hinten lag, ist es jetzt praktisch ans Ende gerutscht. In kaum einem anderen der untersuchten Länder müssen Unternehmererben effektiv mehr Steuern zahlen als hierzulande.

Familienunternehmerbonus hilft kaum

Überraschend ist, dass Deutschland im „Länderindex Familienunternehmen“ sogar dann abfällt, wenn man neu eingeführte Steuervergünstigungen wie etwa den „Verschonungsabschlag“ berücksichtigt. Der ist speziell auf Familienunternehmen zugeschrieben und soll deren Eigenheiten und Zwänge berücksichtigen. Oft ist der Gewinn beschränkt, den Familienunternehmer entnehmen dürfen. Sie dürfen nicht frei über ihre Anteile verfügen. Und wenn sie die verkaufen, ist die Abfindung oft gedeckelt.

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Das alles hat der Gesetzgeber berücksichtigt und bietet dafür einen Abschlag auf das Firmenvermögen von bis zu 30 Prozent an. Legt man ein Modellunternehmen mit 210 Millionen Jahresumsatz zugrunde, steigt die Erbschaftsteuer für einen Alleinerben laut ZEW trotz der Verschonung auf mehr als Doppelte – von 13,7 auf 30,6 Millionen Euro. Die Quittung: Im Länderindex fällt Deutschland von Platz 15 auf den 17. und vorletzten Platz zurück. Weit hinter Dänemark (10 Millionen Euro) und Schweden (0 Euro), die beide eher weniger als Steuerparadiese bekannt sind, aber immerhin noch vor Belgien.

Noch gravierender wird es, wenn der Alleinerbe gar keinen Verschonungsabschlag für sich geltend machen kann. Dann verdreifacht sich die effektive Steuerbelastung auf 43,4 Millionen Euro. Das macht dann Platz 18 von 18.

Reformverlierer Einzelunternehmer

Regelrechte Reformverlierer sind die Erben von Personengesellschaften und Einzelunternehmen: Ihre Steuerlast wird jetzt der von Kapitalgesellschaften angeglichen. Da sie vorher deutlich günstiger fuhren, kann das der Studie zufolge eine Versechsfachung der Erbschaftsteuer bedeuten – von 6,8 Millionen beim Alleinerben auf 43,4 Millionen Euro (ohne Verschonungsabschlag bei einer Gesellschaft mit 210 Millionen Euro Jahresumsatz).

Gesellschafterdarlehen erhöht die Steuer

Die Studie geht dabei von der im Mittelstand verbreiteten Konstellation eines Gesellschafterdarlehens an die Firma aus. Diese günstige Form der Unternehmensfinanzierung gilt bei Personengesellschaften neuerdings als Betriebsvermögen, was die Steuer in vielen Fällen nach oben treiben dürfte. Außerdem wird die Steuerstundung für Erben von Personenunternehmen teurer; sie müssen jetzt 6 Prozent Zinsen im Jahr darauf zahlen.

Mehr Erben, weniger Steuern

Allerdings sei angemerkt: Der Studie liegt ein verhältnismäßig großes Unternehmen mit über 200 Millionen Euro Umsatz im Jahr zugrunde. Für kleinere Unternehmen kann die Steuerlast abhängig von Firmenwert und Erbenzahl deutlich geringer ausfallen – bis zu 26 Millionen Euro Firmenvermögen sind pro Erwerber steuerfrei, bei zweien sind es addiert schon 52 Millionen Euro.

So sinken die in der Studie errechneten Steuersätze teils gewaltig, wenn nicht nur ein, sondern zwei Nachfolger das Unternehmen mit 210 Millionen Euro Jahresumsatz übernehmen. Mit Verschonungsabschlag liegt die Steuerlast noch knapp 40 Prozent über den Wert vor der Reform, bei sechs Nachfolgern gar darunter. Ob es allerdings sinnvoll ist, ein Familienunternehmen in so viele Hände zu geben, steht auf einem anderen Blatt.

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