Gründung Erfolgreich wie Protonet: So klappt es mit dem Crowdfunding

Crowdfunding: Wenn viele Investoren Geld geben.

Crowdfunding: Wenn viele Investoren Geld geben.© Mimi Potter - Fotolia.com

Innerhalb einer Rekordzeit sammelte das Hamburger Start-up Protonet Millionen per Crowdfunding ein - und hat dabei sehr viel richtig gemacht, sagt Experte Stefan Stengel. Im impulse-Interview erklärt er, warum die Gründer so viele Geldgeber überzeugt haben - und welche Strategie sie für den Erfolg hatten.

impulse: Wie ist es Protonet gelungen, so viel Geld innerhalb so kurzer Zeit einzusammeln?

Stefan Stengel: Weil die Geschichte hinter Protonet stimmig ist. Alles, was die Gründer veröffentlichen, um ihre Crowdfunding-Kampagne anzutreiben, trägt den gleichen Stempel. Protonet schafft es beispielsweise, in ihren Marketing-Videos Emotionen zu transportieren, ohne dabei künstlich zu wirken.

Anzeige

Wie schafft man es, authentisch zu wirken?

Mitgründer Ali Jelveh flüchtete als Kind mit seinen Eltern aus dem Iran. Bei jeder Gelegenheit erzählt er, dass ihn der Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung antreibt und dass dies auch die Idee von Protonet ist. Der Kunde soll mit den Servern von Protonet Herr seiner Daten bleiben und das wird mit der politischen Herkunft des Gründers verknüpft. Auch das Timing von Protonet ist gut: Das Produkt passt perfekt in die Zeit des NSA-Skandals. Das Funding wäre auch ohne den Aspekt gut gelaufen – aber das machte es zum Weltrekord. Die richtige Kommunikation des Produkts macht etwa 70 Prozent des Erfolges aus.

Wie sieht die richtige Kommunikation aus?

Die Gründer sind auf den sozialen Medien präsent und ansprechbar, auf Fragen reagieren sie im Minutentakt. Eine gute Kommunikation kann aber nur funktionieren, wenn sich das Unternehmen transparent macht. Die Crowd erwartet, in kürzester Zeit alle neuen Infos über die Firma zu bekommen. Wenn jemand fragt, wozu das Kapital eingesammelt wird, muss man in wenigen Minuten eine Antwort haben. Es kann zur Falle werden, wenn Businessplan und die Vita nicht in kürzester Zeit vorgelegt werden können und dort nicht alles stimmt. Deshalb würde ich jedem empfehlen, für die direkte Ansprache genügend eigene Ressourcen bereit zu stellen. Das sollte man nicht auf Agenturen auslagern.

Wie spreche ich die Crowd am besten an?

Ich würde die User der Crowd als internetaffin, innovativ denkend, sensibilisiert und gut informiert beschreiben. Diese Menschen sind auf die sogenannte Shareconomy geprägt, sie haben einen Gemeinschaftssinn, bei dem nicht der Gewinn im Vordergrund steht, sondern die Sache an sich. Die Crowd würde eher in eine gute Story investieren, als in ein erfolgversprechendes Invest.

Deshalb muss ich aber alles um diese Geschichte aufbauen. Einen direkten Kontakt zwischen Team und Funder gibt es allerdings in der Regel nicht. Vor allem das Video, mit dem man sich auf der Crowdfunding-Plattform vorstellt, muss es also schaffen, die emotionale Barriere und die Virtualität zu überspringen.

Und warum überhaupt die Crowd als Kapitalgeber?

Wenn man als Unternehmen die Crowd als Kapitalgeber wählt, muss man keine Anteile abgeben. Die Investoren gaben Protonet mit ihrer Spende ein fest verzinstes Darlehen. Ein Venture Capitalist – wenn man ihn denn hat – arbeitet eher auf den großen Exit hin und will sich ein großes Stück vom Unternehmen abschneiden. Sie möchten dabei meistens eher verdeckt halten, wo sie investieren. Medien aber springen viel eher auf eine öffentliche Kampagne an. Dazu ist die Kommunikation besonders für Gründer günstig: Man erreicht die Crowdfunder vorrangig über Social Media. Ein gutes Lockmittel zur Crowdfunding-Kampagne ist es, dem Investor ab einer bestimmten Summe das Produkt obendrauf zu geben. Protonet hat Kapitalgebern ab einem Investment von 2000 Euro einen Server dazugelegt. So werden die Investoren zusätzlich zu Markenbotschaftern.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.