Unternehmen Erfolgsgeheimnis Kundenfeedback

"Eure Software ist nicht sexy", sagten Bands dem Berliner Unternehmen Ableton. Und wer weiß besser, wie Musiksoftware sein muss, als Musiker selbst? Ableton hörte seinen Kunden zu - und hat es so auf die Bühnen der Welt geschafft.

Um Musik zu machen, braucht Jessie weder Klavier noch Gitarre. Er sitzt in einem kleinen Raum mit Blick in einen Berliner Hinterhof, links und rechts ein Lautsprecher. Vor ihm steht ein Gerät – groß wie eine Pizzaschachtel, mit Dutzenden Tasten, die mal blau, mal gelb blinken. Je öfter Jessie auf ihnen herumdrückt, desto mehr Klänge fallen ihm ein, die er noch zeigen könnte: Beats und Loops, Töne und Effekte. Sein „Instrument“ heißt Push und ist dabei, die Musikwelt zu revolutionieren.

Vor einem Jahr hat Jessies Arbeitgeber Ableton das Gerät auf den Markt gebracht, nach zwei Stunden waren die ersten 2000 Exemplare zum Preis von 500 bis 1000 Euro vergriffen. Der Umsatz des Unternehmens aus dem Berliner Bezirk Prenzlauer Berg hat sich schlagartig verdoppelt, auf mehr als 34 Millionen Euro.

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Der Schritt zum Erfolg

Bands von Weltrang, darunter Coldplay oder Daft Punk, nutzen Push auf der Bühne. Techno-DJs zählen ebenso zu den Kunden wie Musicalhäuser oder Theater. „Ableton hat der Musik den Weg ins digitale Zeitalter eröffnet“, sagt Florian Zwietnig vom deutsch-österreichischen Pop-Duo Uma.

Ein unglaublicher Erfolg, ausgelöst durch einen entscheidenden Schritt. Bereits seit Jahren verkauft Ableton Musiksoftware. Die Berliner präsentierten ihr erstes Programm 2001, als die Feuilletons noch darüber stritten, ob ein Stück ohne akustische Gitarre überhaupt Musik sein kann. Die Software „Live“ ermöglichte erstmals, Klänge auf dem Computer nicht nur im Studio zu produzieren, sondern auch bei Bühnenshows darauf zu spielen – den Rechner somit als Musikinstrument zu nutzen. Den großen Durchbruch brachte aber erst die Verpackung, das digitale Keyboard mit den blauen und gelben Tasten. Die technisch korrekte Bezeichnung lautet Hardware-Controller.

„Eure Software ist nicht sexy“

Musiker hatten Ableton immer wieder die Rückmeldung gegeben, dass es uncool wirke, auf der Bühne einen Computermonitor anzustarren. Dass die Software zwar viele technische Möglichkeiten biete, für eine Show aber einfach nicht sexy sei. Die Ableton-Gründer hörten den Kunden aufmerksam zu. Das Unternehmen bezieht sie stets in Neuentwicklungen mit ein – und ersinnt so Produkte, die exakt den Bedürfnissen der Käufer entsprechen. Das ist das Erfolgsgeheimnis.

Der Ursprung des Unternehmens liegt weit zurück in einer Zeit, in der allenfalls Informatikstudenten einen Heimcomputer besaßen. Gerhard Behles ist zwölf Jahre alt, als ihm 1981 sein Bruder eine Schallplatte schenkt: „Magnetic Fields“ von Jean Michel Jarre. Heute grinst der Ableton-Gründer amüsiert, wenn er den Namen ausspricht, doch damals legt er die Platte auf, und es passiert etwas mit ihm. Er nennt es einen „Grenzerfahrungs­moment“. Viel Synthesizer, sphärische Klänge. „Musik“, sagt Behles, „irgendwie nicht von dieser Welt.“

Ein Leben zwischen Technik und Musik

Technik und Musik, das sind die Pole, zwischen denen sich sein Leben fortan bewegt. Behles studiert elektronische Musik, später Informatik in Berlin. Abends steht er im Klub mit seinem Techno­projekt Monolake.

Er benötigt die Computertechnik für seine Musik. Doch Soft- und Hardware setzen ihr auch Grenzen. Diese Grenzen zu sprengen wird immer mehr zum Antrieb für Behles. 1999 gründet er seine Firma Ableton, gemeinsam mit Bernd Roggendorf, den er beim Jobben bei einem Musiksoftwarehersteller kennengelernt hat. Sie starten mit 3 Millionen Euro Kapital von der Investitionsbank Berlin und Ventegis Capital. Behles und Roggendorf sind sich von Anfang an einig, dass sie sich nicht allein auf ihre Kontakte in die Berliner Techno-Szene verlassen wollen.

Da ihnen die kaufmännische Fachkompetenz fehlt, holen sie sich Verstärkung: Jan Bohl war zuvor Unternehmensberater und kümmert sich in der jungen Firma als CFO um Finanzen und Vertrieb. „Wir hätten keinen Sinn darin gesehen, Ableton zu zweit von einer Garage aus aufzuziehen“, sagt Behles.

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