Unternehmen Erneuter Millionenverlust: Air Berlin plant fundamentalen Umbau

Eine Boeing 737-700 von Air Berlin

Eine Boeing 737-700 von Air Berlin© Air Berlin

Die Krise bei Air Berlin verschärft sich: Die Airline flog den fünften Verlust in sechs Jahren ein. Nur ein Geldgeber vom Golf hält die Berliner noch in der Luft. Jetzt will Vorstandschef Prock-Schauer die Fluggesellschaft grundlegend umbauen.

Air Berlin ist im vergangenen Jahr wieder tief in die roten Zahlen gerutscht und plant nun einen grundlegenden Umbau. Das bisherige Sparprogramm wirke, reiche aber nicht aus, sagte Unternehmenschef Wolfgang Prock-Schauer am Montag in Berlin und kündigte eine „fundamentale Neustrukturierung“ an. „Hier wird es keine Tabus geben, alles kommt auf den Prüfstand“, sagte er.

Der Lufthansa-Konkurrent steckt seit langem in der Krise. In sechs Jahren flog die Airline fünf Mal einen Verlust ein. 2013 verbuchte Air Berlin unterm Strich ein Minus von 315,5 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank von einem Plus von 70,2 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 231,9 Mio. Der Konzernumsatz schmolz von 4,31 Milliarden Euro auf 4,15 Milliarden Euro. Das Unternehmen führte die Probleme auch auf eine unerwartet schwache Sommersaison mit hohen Temperaturen in Mitteleuropa zurück.

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Air Berlin sitzt sitzt inzwischen auf einem Schuldenberg von 796 Millionen Euro, drei Prozent mehr als im Vorjahr. Das Eigenkapital lag zum Jahreswechsel bei minus 186 Millionen Euro nach plus 130 Millionen Euro im Vorjahr.

Finanzspritze von Etihad soll beim Umbau helfen

Wie genau sich Air Berlin neu aufstellen könnte, blieb bisher offen. Prock-Schauer sprach vom Ziel der Effizienz und davon, weiter Synergien mit Etihad und den Partnern in der Airline-Allianz Oneworld zu heben. Air Berlin will dazu ein eigenes Vorstandsressort Restrukturierung schaffen und eine Unternehmensberatung engagieren.

Beim Umbau soll auch eine weitere Finanzspritze von Etihad helfen. Die arabisches Staats-Airline schießt über eine Wandelanleihe 300 Millionen Euro zu, Air Berlin will mindestens 150 Millionen über eine eigene Anleihe erlösen.

Air Berlin streicht fast jede zehnte Stelle

An der Eigentümerstruktur ändere sich dadurch nichts, betonte Air Berlin. In den vergangenen Wochen war spekuliert worden, Etihad könne seinen jetzt knapp 30-prozentigen Anteil erhöhen. Auch über die Umwandlung der börsennotierten Gesellschaft in eine GmbH wurde spekuliert.

Das laufende Sparprogramm „Turbine“ liegt nach Prock-Schauers Angaben im Plan und besserte das Ergebnis im vergangenen Jahr um 200 Millionen Euro auf. Bisher unrentable Strecken wurden gestrichen, Flugzeuge wurden verkauft und jeder zehnte Arbeitsplatz – 600 Vollzeitstellen – abgebaut. 2013 und 2014 soll das Programm das Ergebnis jeweils um weitere 200 Millionen Euro aufbessern.

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