Unternehmen „Es brennt an vielen Ecken“: Wie sich Firmen gegen Krisen wappnen

Risikomanagement und Krisenberatung sind für immer mehr international engagierte Unternehmen relevant.

Risikomanagement und Krisenberatung sind für immer mehr international engagierte Unternehmen relevant.© viperagp - Fotolia.com

Politische Spannungen in aller Welt sorgen für Verunsicherung - auch bei Unternehmen. Sie müssen Mitarbeiter vor Terrorgefahren oder Krankheiten schützen und gegen Umsatzausfälle gewappnet sein. Vor allem bei Mittelständlern ist Krisenberatung derzeit gefragt.

IS-Terror, Ukraine-Konflikt, Ebola – internationale Krisen halten die Welt in Atem. Unternehmen, die im Ausland aktiv sind, kann das vor große Probleme stellen. Sie müssen genau überlegen, ob sie Mitarbeiter aus Krisenregionen abziehen, ihre Reisetätigkeit einschränken oder lokale Produktion und Projekte stoppen. Vor allem bei Mittelständlern ohne ausgefeiltes Risikomanagement ist Krisenberatung derzeit gefragt.

Die Unternehmensberatung Corporate Trust aus München hat deshalb viel zu tun. Sie gehört zu einer Handvoll spezialisierter Firmen in Deutschland, die Entwicklungen in gefährdeten Regionen beobachten und im Ernstfall auch beraten: Wenn Mitarbeiter eines Unternehmens entführt werden, wenn sie aus Angst vor einer Ebola-Ansteckung nicht mehr zur Arbeit kommen oder wenn nach einem Terroranschlag das öffentliche Leben in einem Land stillsteht. Derzeit häufen sich die Anfragen vor allem zur Lage im Irak und benachbarten Ländern, sagt Risikoanalystin Christine Straßmaier von Corporate Trust. Den dort engagierten Firmen machten nicht nur konkrete Terrorgefahren zu schaffen, sondern auch die fehlende Rechtssicherheit bei Projekten.

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Auf die Ebola-Epidemie in Westafrika dagegen hätten viele deutsche Firmen bereits im Frühjahr reagiert, Mitarbeiter zurück in die Heimat geholt und Reisen in betroffene Länder eingestellt, berichtet die Expertin. Mit dem jetzt aufgetretenen ersten Ebola-Fall in den USA oder einer Ausbreitung auf internationale Drehscheiben wie Dubai oder Singapur könnte allerdings die nächste Eskalationsstufe erreicht sein. „Die Pandemie zählt zu den am stärksten unterschätzten Risiken, insbesondere da die Auswirkungen auf betroffene Unternehmen umfassend sind und sich schnell ihrem Einflussbereich entziehen“, sagt Straßmaier.

 Langjährige Erfahrung macht leichtsinnig

Auch die Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft (ASW Bundesverband) beobachtet die Entwicklung wachsam. „Es brennt an vielen Ecken der Welt gleichzeitig“, sagt ASW-Geschäftsführer Jan Wolter. Welche Schäden das anrichtet, lasse sich nicht abschätzen. Am gravierendsten dürften die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Konflikts ausfallen, weil sie den Außenhandel – auch mit Russland – unmittelbar treffen, erwartet Wolter. Aktuell schauten viele Firmen auch auf die Proteste in Hongkong, weil die Region wirtschaftlich von großer Bedeutung sei.

Grundsätzlich seien es die Unternehmen aber gewohnt, mit mehreren Problemen gleichzeitig umzugehen. Am unvorsichtigsten seien oft solche Firmen, die schon lange in einer Region aktiv sind. „Langjährige Erfahrung ist nicht unbedingt ein Schutz – viele werden leichtsinnig“, sagt Wolter.

Der Experte empfiehlt Unternehmen, die Beschäftigte in Krisengebiete schicken, folgende Mindestvorbereitungen: Schutzimpfungen, medizinischer Check beim Betriebsarzt und den Abschluss einer Reiserückholversicherung. Zudem sollten Firmen die Mitarbeiter mit genauen Angaben über den Aufenthaltsort in die Deutschenliste des Auswärtigen Amtes aufnehmen lassen. „Das sind elementare Dinge, die aber leider oft vergessen werden“.

Kompletter Rückzug aus Krisenregionen ist keine Option

Ein kompletter und endgültiger Rückzug aus Krisenregionen dagegen dürfte für viele Unternehmen kaum infrage kommen. Wer dort Standorte aufgebaut und Aufträge angenommen hat, will und muss schließlich auch liefern – und sei es notfalls über lokale Partner.

So will sich auch Reinhold Festge, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, von Ebola nicht abschrecken lassen. Als geschäftsführender Gesellschafter leitet er den Pack- und Siebmaschinenhersteller Haver & Boecker im Münsterland: „Ich fahre nach Afrika, weil ich der Meinung bin, dass der afrikanische Kontinent für den deutschen Maschinenbau eine steigende Bedeutung hat und Afrika als Kontinent mich fasziniert“, sagt Festge und ergänzt: „Angst vor Ebola habe ich nicht, weil ich mich nicht direkt in den von Ebola betroffenen Gebieten bewege.“

Auch der Tiefbau-Spezialist Bauer plant trotz Belastungen durch die internationalen Krisen keine Abkehr vom Auslandsgeschäft. „Wir haben uns zu einer totalen Internationalisierung bekannt und es ist richtig, sie auf Dauer weiterzuführen“, sagte kürzlich Unternehmenschef Thomas Bauer.

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