Unternehmen „Es ist wichtiger zu wissen, wen du kennst, als was du kannst“

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Mit Blick auf die Berge: der Firmensitz von Apparatebau Gronbach im südtirolischen Laag.

Mit Blick auf die Berge: der Firmensitz von Apparatebau Gronbach im südtirolischen Laag.© Unternehmen

Der familiengeführte Zulieferbetrieb Apparatebau Gronbach kam vor über 40 Jahren nach Südtirol. Italien-Chef Andreas Reichel über erste Schritte, perfektes Timing und das Finanzamt.

Herr Reichel, Ihr Unternehmen gibt es seit mehr als 40 Jahren in Südtirol. Was würden Sie anderen Unternehmern raten, die nach Nord­italien gehen wollen?

Andreas Reichel: Dass sie die Standortvorteile erkennen und nutzen. Es gibt Branchen, die hier stärker wachsen als anderswo. In Sachen alpine Technologien gibt es geografisch bedingt sehr viel Expertise, außerdem boomen der Tourismus- und Wellnesssektor. Aber auch Geschäftsideen rund um das Thema erneuerbare Energien werden stark gefördert. Als Neugründer genießen Sie in Südtirol steuerliche Privilegien. Klar ist aber auch: Das können natürlich nur Starthilfen sein. Nach ein paar Jahren muss jeder auf eigenen Beinen stehen – auch in Südtirol.

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Und wie haben Sie das geschafft?

Das war gutes Timing. In den Sieb­zigern, als Gronbach hierherkam, war Südtirol noch bettelarm, und Gewerbeflächen waren sehr günstig. Das ist heute nicht mehr so. Dass es uns trotzdem noch gut geht, hängt vor allem mit unserer Firmenstruktur zusammen. Jeder Gronbach-Standort hat seinen eigenen technischen Schwerpunkt. So arbeiten wir zusammen und nicht gegeneinander, was bei einem internationalen Kundenkreis besonders sinnvoll ist. Aktuell managen wir zum Beispiel für unsere Niederlassungen in der Slowakei und Österreich zwei Projekte mit italienischen Kunden. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes Dolmetscher zwischen unseren Standorten und den Kunden hier in Italien.

Wie sehr nützt Ihnen die Zwei­sprachigkeit sonst in Ihrem Tagesgeschäft?

Wir haben viele italienische Kunden aufgrund der Sprache gewinnen können. Umgekehrt hatten wir es bei einigen Italien-Zentralen internatio­naler Hausgerätehersteller leichter als hiesige Mitbewerber, weil wir den Kunden schon aus Deutschland kannten und seit Jahren beliefern. In Italien – und das gilt auch für Südtirol – ist es eben manchmal wichtiger zu wissen, wen du kennst, als was du kannst.

Wurden Sie auch schon einmal von der Gegend enttäuscht?

Ach, immer wieder. Südtirol ist nun einmal ein Teil Italiens – und das merkt man leider nicht nur im posi­tiven Sinne. Für einen Produktions­betrieb sind die beinahe jährlich strenger werdenden Vorschriften aus Rom, zum Beispiel zur Arbeitssicherheit oder Müllentsorgung, enttäuschend. Leider läuft es häufig so: Schuldet eine Firma dem Staat etwas, muss sie sofort zahlen, manchmal sogar im Voraus. Guthaben werden dagegen erst nach langem Zögern erstattet. Trotz aller Bemühungen, die hier in Südtirol angestrengt werden: Planungssicherheit sieht anders aus.

Was meinen Sie: Würde Gronbach heute noch einmal nach Südtirol gehen?

Da gibt es für Industrieunternehmen, wie wir eines sind, mittlerweile güns­tigere Standorte als Italien. Aber: Wir haben uns in den vier Jahrzehnten, die wir hier sind, Netzwerke und Kundenbeziehungen aufgebaut, die für unser Gesamtgeschäft essenziell sind. Deshalb können wir es uns noch immer leisten, in die Zukunft zu in­vestieren, jedes Jahr stecken wir 6 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Man kann sagen: Wir sind zufrieden in Südtirol.

 

suedtirol_interview_andreasReichelZur Person:Seit 2006 leitet Andreas Reichel, 56, den Hausgerätezulieferer Apparatebau Gronbach im süd­tirolischen Laag. Neben der ita­lienischen Dependance mit 130 Mitarbeitern betreibt die deutsche Gruppe auch Standorte in Österreich und der Slowakei. Gronbach beliefert Hersteller wie Bosch oder Miele mit Teleskopschienen und Scharnieren.

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