Unternehmen Export: Wo sind Waren „made in Germany“ besonders beliebt?

Ein Container-Terminal im Hamburger Hafen.

Ein Container-Terminal im Hamburger Hafen.© HHLA

Die Nachfrage nach Produkten "made in Germany" läuft auf Hochtouren: Nach einem mauen Start im Januar steuert der deutsche Export nun auf ein Rekordjahr zu. Wir liefern Zahlen, Fakten, Hintergründe.

Nach einem Rückschlag zu Jahresbeginn haben die deutschen Exporteure im Februar wieder mehr Waren in alle Welt geliefert. Die Ausfuhren kletterten gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,9 Prozent auf 95,7 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Experten rechnen damit, dass die deutschen Exporteure auch wegen des schwachen Euro 2015 auf ein weiteres Rekordjahr zusteuern.

Im Vergleich zum Januar nahmen die Exporte kalender- und saisonbereinigt um 1,5 Prozent zu. Bankvolkswirte hatten zwar mit einem Anstieg gerechnet, allerdings nur um 1,0 Prozent. Zum Jahresauftakt hatte es noch einen Dämpfer für die deutsche Exportwirtschaft gegeben: Die Ausfuhren waren um 2,1 Prozent gesunken. Dank des guten Februars liegen die deutschen Exporte nun aber um 1,7 Prozent über dem Niveau der ersten beiden Monate 2014.

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Wo sind Waren „made in Germany“ besonders beliebt?

Deutschlands Exporteure haben 2014 so viele Waren in alle Welt verkauft wie noch nie – obwohl das Geschäft in Russland und der Ukraine eingebrochen ist. Die wichtigsten Abnehmer waren nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes:

1. Frankreich (102 Mrd Euro)

2. USA (96 Mrd Euro)

3. Großbritannien (84 Mrd Euro)

4. China (75 Mrd Euro)

5. Niederlande (73 Mrd Euro)

6. Österreich (56 Mrd Euro)

7. Italien (54 Mrd Euro)

8. Polen (48 Mrd Euro)

9. Schweiz (46 Mrd Euro)

10. Belgien (42 Mrd Euro)
Welche Waren werden exportiert?

Deutsche Ingenieurskunst steht im Ausland hoch im Kurs: Deutsche Autos und Maschinen sorgten für den höchsten Exportumsatz im Jahr 2014. Doch auch die chemische und die pharmazeutische Industrie verbuchen hohe Exportumsätze.

1. Kraftwagen und Kraftwagenteile (202 Mrd Euro)

2. Maschinen (164 Mrd Euro)

3. Chemische Erzeugnisse (106 Mrd Euro)

4. Datenverarbeitungsgeräte (89 Mrd Euro)

5. Elektrische Ausrüstungen (68 Mrd Euro)

6. Pharmazeutische Erzeugnisse (61 Mrd Euro)

7. Sonstige Fahrzeuge (51 Mrd Euro)

8. Metalle (50 Mrd Euro)

9. Nahrungsmittel und Futtermittel (48 Mrd Euro)

10. Gummi- und Kunststoffwaren (39 Mrd Euro)
Und woher importiert Deutschland Waren?

Als Importland bezog Deutschland seinerseits Waren vor allem aus den Niederlanden (88 Mrd Euro), China (79 Mrd), Frankreich (68 Mrd), den USA (49 Mrd) und Italien (48 Mrd).

Wie sieht die Import-Export-Bilanz unterm Strich aus?

Im Außenhandel mit den meisten Ländern erzielte Deutschland Überschüsse, vor allem in die USA wurde deutlich mehr exportiert als von dort importiert (Saldo: 47 Mrd Euro). Defizite gab es insbesondere im Handel mit China (-4,8 Mrd Euro), Russland (-9,1 Mrd), Norwegen (-10,7 Mrd) und den Niederlanden (-15,0 Mrd).

Was treibt die deutschen Exporte?

Egal ob Luxusschlitten oder High-Tech-Maschinen: Deutsche Produkte haben weltweit ein gutes Image. „Die deutsche Industrie hat einen hervorragenden Ruf und steht für Qualität wie kein anderes Land“, sagt der Chef-Ökonom des Kreditversicherers Euler Hermes, Ludovic Subran.

Welche Rolle spielt der Euro-Kurs?

Zwei Drittel der deutschen Exporte gehen in Länder, in denen nicht mit dem Euro bezahlt wird.

Ein schwacher Euro hilft Firmen aus der Eurozone, die Waren außerhalb des Währungsraums verkaufen wollen. Ihre Autos oder Maschinen werden auf den Weltmärkten günstiger – etwa in wichtigen Märkten wie Asien oder Amerika. Das kann wie ein zusätzliches Konjunkturprogramm wirken.

Die Gemeinschaftswährung hat gegenüber anderen wichtigen Währungen wie Dollar, Yen oder Schweizer Franken seit vergangenem Jahr deutlich an Wert verloren. „Der schwache Euro hilft allen in Europa, vor allem der deutschen Wirtschaft mit ihrem hohen Exportanteil“, sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise jüngst der Deutschen Presse-Agentur.

Was bedeutet das in Zahlen?

Die Ausfuhren in die EU-Länder, die wie England oder Polen nicht der Eurozone angehören, kletterten im Februar im Jahresvergleich um 6,4 Prozent auf 20,9 Milliarden Euro. In Drittländer außerhalb der Europäischen Union wurden Waren im Wert von 39,2 Milliarden Euro exportiert. Damit nahmen die Ausfuhren dorthin gegenüber Februar 2014 um 4,6 Prozent zu.

Etwas schwächer – aber ebenfalls positiv – entwickelte sich der Handel mit den Partnerländern der Eurozone: Die Exporte stiegen um 1,7 Prozent auf 35,6 Milliarden Euro.

Wie groß ist der Effekt?

Das hängt auch davon ab, welche Waren hauptsächlich ausgeführt werden. „In der Regel werden Staaten, die überwiegend standardisierte Konsumgüter exportieren, stärker von einer Abwertung profitieren, da die Nachfrage nach diesen Gütern eine relative hohe Preissensitivität aufweist“, heißt es in einer Analyse der Postbank.

Bei Investitionsgütern – wie sie Deutschland vor allem herstellt – stünden dagegen eher qualitative Aspekte und weniger der Preis im Vordergrund. Der Effekt durch die Euro-Abwertung sei in einigen Ländern des gemeinsamen Währungsraumes daher größer als in Deutschland.

Warum schwächelt der Euro?

Die Europäische Zentralbank flutet im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche die Märkte mit Geld. Der Leitzins liegt praktisch bei null, im März starteten die Währungshüter zudem ihr billionenschweres Anleihekaufprogramm.

Die US-Notenbank beendet dagegen schrittweise ihre ultralockere Geldpolitik und steuert auf die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise zu. Für Investoren ist es daher attraktiver, Geld in Dollar als in Euro anzulegen.

Wie wird sich der Export in diesem Jahr entwickeln?

Der Außenhandelsverband BGA sagt für dieses Jahr ein Exportplus von 4,5 Prozent und damit einen weiteren Rekord voraus. Ökonomen der Deutschen Bank sind ähnlich optimistisch: „Dank der Abwertung des Euro und der weiteren moderaten Erholung der Weltwirtschaft im Jahresverlauf dürften die deutschen Ausfuhren mit 4,4 Prozent ein leicht höheres Wachstum als im Vorjahr verzeichnen.“

2014 waren die deutschen Ausfuhren um 3,7 Prozent auf 1134 Milliarden Euro gestiegen. Die Exporte übertrafen damit die Höchstwerte von 2012.

Welche Faktoren beeinflussen noch den Export?

Die Konjunkturentwicklung in wichtigen Absatzmärkten spielt eine große Rolle. Läuft die Wirtschaft dort rund, können Verbraucher und Unternehmen mehr Produkte kaufen.

Wie entwickelt sich die Konjunktur in wichtigen Märkten?

Der Euroraum hat seine Wachstumsschwäche zwar noch nicht überwunden, wird nach Einschätzung von Ökonomen in diesem Jahr aber in Schwung kommen. Auch die Aussichten für die US-Wirtschaft gelten als gut.

Der Boom in China verliert dagegen an Kraft. Die chinesische Regierung plant für dieses Jahr ein Wachstum von etwa sieben Prozent – das wirkt auf den ersten Blick viel, es wäre aber der geringste Anstieg seit Anfang der 1990er Jahre. Euler Hermes zufolge könnte das schwächere Wachstum die deutschen Exporteure rund fünf Milliarden Euro Umsatz kosten.

au/dpa

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