Unternehmen Neue Hiobsbotschaften beuteln den Fahrradhersteller Mifa

Neue Fahrräder

Neue Fahrräder© Anton Gvozdikov - Fotolia.com

Der traditionsreiche Fahrrad-Hersteller Mifa präsentierte jahrelang eine Erfolgsstory. Doch 2012 rutschte das Unternehmen in die roten Zahlen. Jetzt verunsichern neue Hiobsbotschaften die Mitarbeiter und Anleger der börsennotierten Firma. Dabei ist das ganze Ausmaß der Misere noch gar nicht absehbar.

Erst hörte es sich nur wie ein Rechenfehler in der Buchhaltung an – doch die Probleme sind ernst. Der Fahrradhersteller Mifa aus Sangerhausen am Rande des Harzes ist so tief in die roten Zahlen gerutscht, dass nun bei Anlegern und Arbeitnehmervertretern der börsennotierten Firma die Alarmglocken schrillen. Die Mifa-Aktien büßten innerhalb eines Monates mehr als die Hälfte ihres Wertes ein. Mifa ist mit 770 Arbeitsplätzen das strukturbestimmende Unternehmen in der von hoher Arbeitslosigkeit gebeutelten Region Südharz.

Bereits 2012 hatte Mifa eine Million Euro Verlust eingefahren. Doch im Vergleich zu dem Finanzloch, vor dem der Fahrradhersteller jetzt stehen könnte, mutet das eher gering an: 15 Millionen Euro betrug der Verlust 2013 voraussichtlich, hatte das Unternehmen im März mitgeteilt. Gründe seien neben Fehlern in der Buchhaltung nicht eingetretene Umsatzerwartungen und gestiegene Kosten.

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Die ursprünglich für Mitte April geplante Vorlage der Bilanz 2013 hat Mifa auf „voraussichtlich Juni“ verschoben. Das auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisierte Analysehaus Montega schreibt: „Noch ist das ganze Ausmaß der Misere nicht komplett abschätzbar.“

Vorstandschef tritt zurück

Am Mittwoch folgte der nächste Paukenschlag. Wie Mifa am Morgen mitteilte, legte Vorstandschef Peter Wicht mit sofortiger Wirkung seinen Posten nieder. Er war zuvor bereits wegen Krankheit nicht mehr im Amt. Als neues Vorstandsmitglied berief der Aufsichtsrat den Sanierer Stefan Weniger, der die Bereiche Reorganisation und Sanierung verantworten soll.

Finanzielle Unterstützung bekommt Mifa nun von der Politik: Der Landkreis Mansfeld-Südharz kauft für 5,7 Millionen Euro ein Betriebsgrundstück und vermietet es wieder an den Fahrradhersteller.

Arbeitnehmervertreter des Fahrradherstellers erklärten, man sei mehr als erschüttert über die Finanzlage von Mifa. Die IG Metall wirft der Crew um den bisherigen Alleinvorstand Peter Wicht Managementfehler vor.

Einer der Mifa-Kunden: die Daimler-Tochter Smart

Bundesweit bekannt wurde die ostdeutsche Firma, als AWD-Gründer Carsten Maschmeyer 2011 einstieg. Er ist mit seiner Familie und seiner Investmentfirma heute der größte Aktionär bei Mifa. Er stehe weiterhin zu dem Unternehmen und glaube fest an die Zukunft des Fahrradherstellers, sagte er.

Mifa fertigt exklusiv für die Daimler-Tochter Smart Räder, doch die Stuttgarter schweigen zur Situation bei ihren Partnern. Grundsätzlich kommentiere Daimler die wirtschaftliche Entwicklung seiner Geschäftspartner und Zulieferer nicht, sagt eine Sprecherin. „Wir sind aber mit dem Absatz unseres Smart E-bikes zufrieden“. Genaue Zahlen oder Ziele veröffentliche der Autohersteller nicht.

Hoffnungschimmer aus Indien

Als Hoffnungsschimmer in Sangerhausen gilt der Fahrradhersteller Hero Cycles aus Indien. Laut einer Absichtserklärung vom März will der laut Branche weltweit größte Fahrradhersteller 15 Millionen Euro in Mifa pumpen und eine strategische Partnerschaft insbesondere für E-Bikes und deren Antriebe eingehen. Dies gelte weiterhin, stehe aber noch unter Vorbehalt der rechtlichen Prüfung durch das indische Unternehmen, sagte der Mifa-Sprecher.

Dabei geht der Absatz von Elektro-Fahrrädern, ein Hoffnungsträger der Mifa, laut Branche weiter steil nach oben. Laut Zweirad-Industrie-Verbandes wurden vergangenes Jahr allein in Deutschland 410.000 E-Bikes verkauft – acht Prozent mehr als im Vorjahr. „Wir sind weiter optimistisch“, sagt Verbandssprecher Stephan Schreyer. In drei bis fünf Jahren könnten Elektro-Fahrräder einen Marktanteil von 15 bis 18 Prozent haben – das wären rund 600.000 Stück im Jahr.

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