Unternehmen Familienunternehmer Roßmann: „Piëch-Angriff ist ein No-Go“

Sind die Tage für den VW-Chef Martin Winterkorn (li.) gezählt? Der Aufsichtsratvorsitzende Ferdinand Piech (re.) war in einem Spiegel-Interview auf Distanz zu Winterkorn gegangen.

Sind die Tage für den VW-Chef Martin Winterkorn (li.) gezählt? Der Aufsichtsratvorsitzende Ferdinand Piech (re.) war in einem Spiegel-Interview auf Distanz zu Winterkorn gegangen.© Picture Alliance / dpa

Die öffentliche Demontage des Volkswagen-Chefs Martin Winterkorn stößt bei anderen Unternehmern auf Unverständnis. "Das geht gar nicht", sagt Dirk Roßmann. Der Machtkampf beim Autobauer könnte sich indes schon heute entscheiden.

Der Familienunternehmer Dirk Roßmann hält die öffentlich vorangetriebene Demontage des Volkswagen-Chefs Martin Winterkorn durch den VW-Patriarchen Ferdinand Piëch für stillos. „Ich sage: Das ist ein No-Go, das geht gar nicht. Solche Probleme müssen intern besprochen werden, das darf nicht nach außen getragen werde“, sagte der Gründer und Chef der Drogeriemarktkette Rossmann. Piëch habe aber mit Sicherheit seine Gründe, womöglich Differenzen in der Konzernstrategie. „Aber: Das nach außen zu tragen, ist der falsche Weg. Und das, glaube ich, weiß Herr Piëch auch ganz genau“, sagte Roßmann. „Dennoch tut er es.“

Fest steht für Roßmann (68) mit Blick auf den Autobauer: Der VW-Aufsichtsratschef und Großaktionär Piëch war am Freitag über das Nachrichtenmagazin Spiegel mit dem Zitat „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“ von dem bestbezahlten Dax-Manager abgerückt. Fraglich ist nun, wie die Porsches reagieren, die zusammen mit den Piëchs die Mehrheit an Europas größtem Autobauer halten.

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Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur tagt noch am heutigen Donnerstag das Aufsichtsrats-Präsidium, das als Kern der Konzernkontrolleure über die Weichenstellungen wacht und Entscheidungen vorbereitet. Auf der Tagesordnung des Präsidiums steht eine Debatte über mögliche Auswege aus dem lähmenden Machtkampf, der seit Freitag bei Volkswagen tobt.

Wirbel bei VW

Dirk Roßmann glaubt allerdings nicht, dass die Winterkorn-Personalie einen Bruch der Familienflügel heraufbeschwört. „Die Porsches und Piëchs sind ja sehr nüchterne, rationale und strukturierte Menschen, die genau ihr Ziel haben und ihre Verantwortung kennen. Da habe ich überhaupt keine Sorge.“

Dem NDR-Hörfunk sagte Roßmann: „Man kann auch mal kontrovers sein, aber nach außen immer eine Einheit. Diese Spielregel hat VW momentan verlassen. Schade für den Weltkonzern VW.“

Piëch hatte am vergangenen Freitag mit einer Aussage im „Spiegel“ einen Wirbel im Unternehmen selbst und bei den Eigentümern ausgelöst. Winterkorn war bis dahin als Nachfolger Piëchs an der Aufsichtsratsspitze gehandelt worden. Neben der Distanz-Ansage zitierte das Nachrichtenmagazin Piëch auch mit den Worten: „Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen.“ Damit steht nun nicht nur Winterkorns möglicher Wechsel in das Kontrollgremium infrage, sondern womöglich auch sein weiterer Verbleib im Vorstand.

Wie begründet Piëch sein Abrücken von Winterkorn?

Viel dürfte nun davon abhängen, wie Piëch bei der Sitzung des Aufsichtsrats-Präsidium seine Kritik an Winterkorn begründet und ob er mögliche Nachfolger für die Spitzen an Vorstand und Aufsichtsrat präsentiert. Der kleine Zirkel könnte sich zum Beispiel darauf einigen, dem Konzernchef einen ehrenhaften Rücktritt nahezulegen. Denn weitere eineinhalb Jahre im Amt bis zu Winterkorns auslaufendem Vertrag Ende 2016 dürften ohne Rückendeckung des VW-Patriarchen Piëch kaum eine reelle Option für Winterkorn sein. Als Nachfolger wird Porsche-Chef Matthias Müller gehandelt. Es gibt aber auch mehrere andere Kandidaten. Allerdings war auch die öffentliche Rückendeckung für Winterkorn in den vergangenen Tagen groß.

Die Zeit drängt auch aus anderen Gründen: Am 5. Mai steigt in Hannover die Hauptversammlung. Kaum denkbar, dass sich Piëch und Winterkorn ohne geklärte Fronten dort nebeneinander auf das Podium setzen. Und schon an diesem Sonntag wird Winterkorn auf einer großen VW-Veranstaltung vor dem Beginn der Automesse in Shanghai erwartet. Als Konzernchef auf Abruf ein zumindest delikater Auftritt.

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