Unternehmen Firmen zuversichtlicher: Kommt die Wirtschaft wieder in Schwung?

Produktion in Deutschland

Produktion in Deutschland© industrieblick / Fotolia

Erstmals seit Monaten blicken Deutschlands Unternehmen wieder zuversichtlicher in die Zukunft - allen internationalen Krisen zum Trotz. Verziehen sich allmählich die dunklen Wolken am Konjunkturhimmel?

Erstmals seit April hat sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen wieder aufgehellt. Die Hoffnung wächst, dass die zuletzt schwächelnde Konjunktur im kommenden Jahr wieder Fahrt aufnimmt. Niedrigere Ölpreise und der schwächere Euro könnten sich als Konjunkturprogramm erweisen. Ist die Trendwende eingeleitet?

Ökonomen sind zuversichtlich, sehen aber keinen Anlass für Euphorie. Die bessere Stimmung in den Unternehmen sei ein gutes Signal, sollte aber nicht überbewertet werden, sagt Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe vom Ifo-Institut in München. „Für eine Trendwende ist es noch zu früh.“ Erst nach drei Bewegungen des Ifo-Indexes in eine Richtung sprechen Volkswirte von einer möglichen Trendwende in der Konjunkturentwicklung.

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Aber: „Es gibt Anlass zur Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft nicht auf eine Rezession zusteuert, sondern sich zu Jahresbeginn 2015 allmählich aus der Quasi-Stagnation der letzten Monate lösen kann“, meint Michael Holstein, Leiter Volkswirtschaft bei der DZ Bank.

Privater Konsum stützt die Wirtschaft

Der Ifo-Geschäftsklimaindex verbesserte sich nach Angaben des Ifo Institut für Wirtschaftsforschung im November deutlich von 103,2 Punkte im Vormonat auf 104,7 Punkte. Volkswirte hatten mit einer weiteren Eintrübung gerechnet. Die Unternehmen schätzten im November sowohl ihre derzeitige Lage als auch ihre Aussichten für die kommenden sechs Monate besser ein. Während der Lage-Index von 108,4 Punkte auf 110,0 Punkte stieg, verbesserte sich der Index für die Erwartungen in den nächsten sechs Monaten von 98,3 auf 99,7 Punkte.

Damit wächst die Hoffnung, dass Unternehmen wieder mehr investieren und so die maue Konjunktur anschieben. Positive Signale waren zuletzt vor allem vom Privatkonsum gekommen. Die Kauflust der Verbraucher bewahrte Deutschland im dritten Quartal vor dem Absturz in die Rezession. Für das diesjährige Weihnachtsgeschäft prognostiziert der Handelsverband HDE ein Umsatzplus von 1,2 Prozent auf 85,5 Milliarden Euro – das sind 0,3 Prozent mehr als bislang erwartet.

Rückenwind bekommen Unternehmen auch vom deutlich gesunkenen Ölpreis. Vor allem die Industrie profitiert von geringeren Energiekosten. Der niedrigere Ölpreis zieht auch die Preise von Benzin und Diesel sowie für Heizöl nach unten. Das entlastet die Budgets der Verbraucher und sie haben mehr Geld für den Konsum zur Verfügung.

Für bessere Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft sorgt zudem der Euro, der seit dem Frühjahr gegenüber anderen Währungen deutlich an Stärke verloren hat. Ausfuhren von Produkten “Made in Germany” werden dadurch billiger, was den Absatz ankurbeln kann. Nach Einschätzung von Commerzbank-Ökonomen könnte sich der Euro als kleines Konjunkturprogramm für die exportabhängige deutsche Wirtschaft erweisen und das Wachstum im Durchschnitt der kommenden vier Quartale um gut einen halben Prozentpunkt anschieben.

Verunsicherung durch Ukraine-Krise

Ein Grund für das zuletzt maue Wachstum: Unternehmen hielten sich mit Investitionen in Ausrüstungen wie Maschinen oder Fahrzeuge zurück. Internationale Krisen, insbesondere der Konflikt mit Russland um die Ukraine, verunsicherten viele Firmen. Inzwischen hat sich die Stimmung in der Investitionsgüterindustrie etwas aufgehellt. „Es besteht Hoffnung, dass sich die Investitionen wieder etwas berappeln“, sagt Wohlrabe.

An der Börse sorgte der überraschende Anstieg des Ifo-Geschäftsklima-Indexes schon einmal für gute Stimmung. Der Dax knackte am Montag die Marke von 9800 Punkten. „Vor allem die deutlich verbesserten Geschäftsaussichten geben Hoffnung, dass es sich nicht nur um einen positiven Ausreißer handelt“, sagt Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.

Nach Überzeugung der Bundesbank wird die deutsche Wirtschaft zwar auch im Winter kaum vom Fleck kommen. Die Notenbank rechnet mit einer schwunglosen Wirtschaftsentwicklung mindestens bis Ende 2014, wie es im jüngsten Monatsbericht hieß. Doch die Hoffnung für 2015 wächst. Volkswirt Holstein formuliert es so: „Wenn die Belastungen durch die geopolitischen Krisen im kommenden Jahr etwas an Bedeutung verlieren, wird die deutsche Konjunktur auch wieder an Fahrt aufnehmen.“

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