Unternehmen Fragen und Antworten zum Ende der Milchquote

Der Fall der Milchquote stellt die Landwirte vor Herausforderungen.

Der Fall der Milchquote stellt die Landwirte vor Herausforderungen.© MaxPower0815/Flickr/Lizenz: CC BY 2.0

Auf dem EU-Milchmarkt beginnt eine neue Zeit: Die Quoten, die drei Jahrzehnte die Produktion steuern sollten, fallen weg. Was bedeutet das für die Bauern, was für die Verbraucher?

Was hat die Milchquote gebracht?

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) trauert der Quote nicht hinterher: „Staatliche Markteingriffe sind auf Dauer keine Lösung und angesichts des globalisierten Marktes auch nicht mehr realistisch.“ Die regierungsamtliche Bilanz zur Milchquote fällt denn auch eher enttäuschend aus. Statt die Einkommen der Milchbauern verlässlich zu stabilisieren, hätten die Preise für Rohmilch in den vergangenen 30 Jahren trotz der Quote um bis zu 20 Cent je Kilo geschwankt. Viele Höfe verschwanden trotzdem. So sank die Zahl der Milcherzeuger in Deutschland seit 1984 von 369.000 auf 77.000.

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Warum soll die Quote jetzt wegfallen?

Als die Milchquote 1984 eingeführt wurde, gab es zu viel Milch auf dem europäischen Markt. Durch die Begrenzung des Angebots sollten die Preise – und damit das Einkommen der Landwirte – gesichert werden.
Wer die erlaubte Quote überschritt, musste eine Abgabe zahlen. Doch nun rechnen Politik und Experten mit einer steigenden Nachfrage nach Milchprodukten weltweit – vor allem in Ländern, die wirtschaftlich aufholen. Von diesen Exportchancen sollen Europas Bauern profitieren.

Und was bedeutet das Quoten-Aus für die Verbraucher?

„Letzte Zuckungen“ der Quote waren in den vergangenen Tagen noch zu spüren, wie das Informations- und Forschungszentrum der Ernährungswirtschaft beobachtete. Um keine Strafzahlungen mehr zu riskieren, hätten manche Bauern die Produktion gedrosselt, indem sie Kühe schlachteten oder Futtermengen reduzierten. Auch international gingen Anlieferungen zurück, so dass die zuletzt relativ niedrigen Preise wieder anziehen, wie der Milchindustrie-Verband analysierte. Auch Verbraucher müssten daher in den nächsten Monaten mit höheren Preisen rechnen. Jenseits des Exports könnten kleinere Höfe stärker auf eigene Absatzmärkte setzen, zum Beispiel mit regionaler Biomilch.

Was sagen die Milchbauern?

„Die Quote ist ein Relikt einer Agrarpolitik der Vergangenheit“, sagt der Vizepräsident des Bauernverbands, Udo Folgart. Nun bekämen die Betriebe mehr Entscheidungsfreiheit, könnten Ställe und Melkanlagen besser auslasten und ihre Fixkosten senken. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft sieht aber auch problematische Effekte, wenn mit der Quote die Strafzahlungen fürs Überschreiten des Limits entfallen. Damit verbillige es sich, wenn Betriebe noch stärker auf Expansion setzen und mehr Milchkühe anschaffen. Dies dürfte aber vor allem in Gegenden mit günstigen Weidebedingungen geschehen. Dagegen könnten etwa in den Mittelgebirgen viele Milchbauern aufgeben.

Wie geht es weiter?

Da es in Deutschland kaum noch Wachstumspotenzial gibt, richten sich die Hoffnungen auf den Export. Die weltweite Nachfrage nach Milch und Käse soll Prognosen zufolge stetig steigen. Doch jahrelang habe die Quote Europa gebunden, während die USA, Neuseeland oder Australien die Produktion ausweiteten, erläutert der Bauernverband: „Wenn die EU hier nicht mitspielt, wird sie am Ende von den weltweiten Märkten verdrängt.“ Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter warnt indes vor einer höheren Abhängigkeit vom Weltmarkt. Da nur relativ kleine Mengen global gehandelt werden, dürften die Preisschwankungen künftig heftiger werden – „mit langen Tälern und kurzen Spitzen“.

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