Gründung Fünf neue Geschäftsideen: Diese Start-ups wollen 2015 durchstarten

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Eine ungewöhnliche Geschäftsidee: Sieht aus wie ein Kopfhörer, misst aber Temperatur, Puls und Blutdruck. Das Start-up Cosinuss hat das Gerät auf dem Markt gebracht.

Eine ungewöhnliche Geschäftsidee: Sieht aus wie ein Kopfhörer, misst aber Temperatur, Puls und Blutdruck. Das Start-up Cosinuss hat das Gerät auf dem Markt gebracht.© cosinuss GmbH

Blutdruck messen im Ohr, Bluetooth-Navigation auf Messen und eine App, die Baumstämme zählt: mit diesen Geschäftsideen machen junge Gründer von sich reden.

1. Sensor für Körperdaten
Bei sogenannten Vitalparameter-Messgeräten im Sport handelt es sich meist um lästige Stirnbänder oder Brustgurte. Johannes Kreuzer will das ändern. Er promovierte über tragbare und störungsarme Sensorik in der Earconnect-Technologie und entwickelte einen Ohrsensor aus Kunststoff und Silikon. 2011 meldete er mit seiner Frau Greta das Start-up Cosinuss an. Nur vier Unternehmen weltweit forschten damals in diesem Bereich – für die Finanzakquise ein Problem. Es hieß: „Wenn keine Konkurrenz da ist, gibt es auch keinen Markt“, erinnert sich Johannes Kreuzer. Mit Bernd Rothfuss, der inzwischen zum Münchner Management-Team gehört, kam schließlich ein finanzstarker Business Angel an Bord. Im Januar kommt der Ohrsensor von Cosinuss auf den Markt. Der knapp 150 Euro teure C-Sp 01 misst Körperinnentemperatur, Pulsfrequenz und via Infrarotlicht sogar den Sauerstoffgehalt des Blutes. Die Daten werden mobil und in Echtzeit an Tracker-Apps wie Runtastic oder die dazugehörige Cosinuss-App gefunkt. Neben dem Sportmarkt sieht Kreuzer weitere Einsatzgebiete in der Medizin und beim Arbeitsschutz.

 

 

 

 


 

2. Digitale Postkarten

Vergessen Sie auch immer, die Postkarten nach dem Schreiben einzuwerfen? Mit MyPostcard können Nutzer die eigenen Urlaubsfotos als persönliche Postkarten digital auf den Weg schicken. Bilder in die kostenlose Smartphone-App laden, Text und Adresse eingeben, via Paypal, Kreditkarte oder Gutscheincode 1,99 Euro bezahlen – fertig. „In Berlin drucken wir die Karten und versenden sie dann weltweit“, sagt Oliver Kray. Die Idee zu MyPostcard hatte er vor zwei Jahren im Urlaub. 2013 gründete der erfolgreiche Berliner Fassadenkünstler und Designer das Unternehmen mit Eigenkapital. Inzwischen verlassen täglich 1000 Ansichtskarten die Partnerdruckerei, die dafür zwei zusätzliche Mitarbeiter beschäftigt. Konkurrierende Foto-App-Anbieter will Kray durch mehrstufige Qualitätskontrollen und verlässlichen Service ausstechen. Unvollständige Namen und Adressen werden dem Nutzer gemeldet. „Wir halten per Mail und Telefon engen Kontakt zum Kunden“, sagt Kray. Das vierköpfige Start-up-Team kooperiert mit Hotels und will MyPostcard nun international bekannt machen. „Sobald in ein Land mehr als 1000 Karten verschickt werden, fangen wir dort an zu drucken.“

 

 

 

 


 

3. Gebäudenavigation per Smartphone

Messen, Einkaufszentren und Parkhäuser gleichen oft einem Labyrinth. Es sei denn, das Smartphone weist den Weg zum Ziel, wenn nicht das GPS-System gerade drinnen wieder streikt. Mit Roomaps haben die Studienfreunde Pascal Hesselmeier, Marcus Lehmann und Jonas Keeling 2014 eine alternative Navigation entwickelt. Über Bluetooth oder WLAN gleicht das Smartphone seine Umgebung mit der Gebäudestruktur ab und erkennt Wände oder Aufzüge. Mithilfe von zusätzlichen scheckkartengroßen iBeacon-Sendern vor Ort lässt sich die Position des Gerätes auf etwa einen Meter genau bestimmen. In die B2B-App lassen sich nicht nur digitale Gebäudepläne integrieren, sondern auch personalisiertes Marketing wie Sonderangebote im Einkaufszentrum oder Infos zu Werken im Museum. Gebäudebetreiber erhalten zusätzlich eine Besucheranalyse. Für den Prototypen, konnten die drei Stuttgarter den Automobilbauer Daimler gewinnen, der nun verschiedene Anwendungen testet. Das Start-up finanziert sich mit dem Exist-Gründerstipendium.

 

 

 

 


 

4. Sensor für Pflegedienste

Täglich eine Taste drücken – das müssen Senioren mit Hausnotrufsystem, damit die Johanniter-Unfallhilfe weiß: „Alles in Ordnung“. Wer die Taste vergisst, löst einen Fehlalarm aus. 2011 suchte Informatiker Ralf Eckert eine Alternative für das störanfällige Meldesystem. Mit Ingenieur Thomas Frenken und zwei weiteren Gesellschaftern gründete der Oldenburger im Mai 2014 Oldntec – und setzte der lästigen Taste ein Ende: Das Melden übernimmt nun ein intelligenter Stromsensor, der zwischen Haushaltsgerät und Steckdose platziert wird. Per Funk meldet er, wenn Wasserkocher und Toaster lange nicht benutzt wurden. Seit September ist der 125 Euro teure Stecker auf dem Markt und in über 500 Haushalten im Einsatz. Das mehrfach prämierte Start-up beliefert auch Österreich und die Schweiz.

 

 

 

 


 

5. Holzvermessung per App

Fachinformatiker Manfred Ide stellte während seines Anwärterjahrs zum Revierförster fest: Holzstapel zu vermessen ist ganz schön aufwendig. „In der EU muss man die Stämme messen, um den Preis zu bestimmen“, sagt Ide – dafür sind teure Geräte nötig. Ides Lösung: eine fotooptische Vermessungs-App. Anstatt die Stämme zu zählen und ihr Volumen zu berechnen, können Förster seit dem Sommer dieses Jahres ein Handyfoto machen. Zwei Minuten später hat die App Fovea den Stapel vermessen und berechnet. Einmalig können die Förster Fovea kostenlos testen, danach wird pro Volumen abgerechnet. Bereits ein paar Hundert Lizenzen der App sind im Einsatz. Gegründet hat Ide sein vom Bundeswirtschaftsministerium gefördertes Uslarer Start-up 2013 mit Nadine Weiberg und Christopher Herbon, die er über eine Gründerinitiative kennenlernte.

 

  • Vorlaufzeit: 2,5 Jahre
  • Startkapital: 90.000 Euro
  • ww.fovea.eu

 

 

 


 

impulse-Magazin Januar 2015Aus dem impulse-Magazin 01/15.

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