Unternehmen Gebeutelte Branche: Wie der einstige Börsenstar Solarworld weiterlebt

Die Solarindustrie erlebte in den vergangenen Jahren eine Krise.

Die Solarindustrie erlebte in den vergangenen Jahren eine Krise.© BSW-Solar/Upmann

Die Solarbranche hat es schwer: Kaum einer der einstigen Börsenstars wie Q-Cells, Conergy und Solon besteht noch in seiner ursprünglichen Form. Das Bonner Unternehmen Solarworld hat die Kurve gekriegt - und lebt nach einem radikalen Schulden- und Kapitalschnitt dank eines neuen Großaktionärs aus Katar weiter.

„Willkommen im endlich wieder sonnigen Bonn“, begrüßte Solarworld-Chef Frank Asbeck kürzlich die Aktionäre zur Hauptversammlung. Er meinte wohl weniger das Wetter – es war wolkig. Asbeck sprach vielmehr von der Großwetterlage der Solarbranche und der seines Unternehmens, das einen scharfen Schulden- und Kapitalschnitt hinter sich hat.

„In den vergangenen beiden Jahren herrschte ein starker Sturm in der Branche, auch wir befanden uns in ziemlich gefährlichen Gewässern“, sagte Asbeck. Nun seien die Klippen umschifft. „Wir kommen nun mit Solarworld 2.0 ganz neu erfunden wieder.“ Solarworld bewege sich nicht nur in ruhigerem Fahrwasser. „Wir nehmen massiv Fahrt auf.“

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„Sonnenfinsternis für Aktionäre“

Die Aktionäre, die im Zuge der Restrukturierung zähneknirschend auf 95 Prozent ihres Kapitals verzichten mussten, bewerten die neue Solarworld-Welt nicht alle so optimistisch. „Was wir hier sehen ist eine Sonnenfinsternis für die Aktionäre“, sagte Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Allerdings räumte er mit Blick auf die Branche, bei der Pleiten und Übernahmen zuletzt auf der Tagesordnung standen, ein: „Wir können sagen: Hurra, wir leben noch! Wir sind einer der ganz wenigen Überlebenden.“ Ein anderer Aktionärsvertreter formulierte es so: „Solarworld ist der einzige Patient, der aus der Intensivstation noch lebend herausgeführt werden konnte.“

Eine Überproduktion durch massive Konkurrenz aus Asien und ein darauf folgender Preisverfall waren in Europa in den vergangenen zwei Jahren auf einen rückläufigen Markt gestoßen. Förderkürzungen hatten Investition unattraktiver gemacht, in Deutschland hält die Debatte über die Reform der Ökoförderung an.

Unternehmen wie Schott, Siemens, Conergy, Q-Cells und Solon gaben das Solargeschäft auf oder wurden übernommen. Auch bei Solarworld häuften sich die Schulden. Die Restrukturierung reduzierte diesen Berg um mehr als die Hälfte auf 427 Millionen Euro. Bei den Aktionären blieb dabei je 150 Aktien nur ein Anteilsschein übrig – „das ist wuchtig und ziemlich einmalig in der deutschen Aktionärslandschaft“, sagte Anleger Christian Strengler. Nur wegen der drohenden Insolvenz hätten Gläubiger wie Anleger dem Konzept zugestimmt.

Märkte im arabischen Raum als Rettung?

Wie sieht Solarworld 2.0 aus, wollten die Aktionäre am Freitag wissen. Das neu aufgestellte Unternehmen profitiere von dem Einstieg des Emirats Katar, dass mit dem Unternehmen Qatar Solar Technology nun größer Einzelaktionär ist, sagte Asbeck. Über die Verbindung mit den Kataris, die jetzt auch in den Aufsichtsrat einziehen, sichert sich Solarworld die Rohstoffzulieferung ab und will Märkte im arabischen Raum erschließen.

Die Übernahme der Bosch-Fertigungskapazitäten sei zudem eine „Riesenopportunität“ gewesen, sagte Asbeck. Er bestätigte, dass Bosch ihm dafür 130 Millionen Euro als „Reiseproviant“ mit auf dem Weg gegeben habe. Er habe nicht mitansehen wollen, wie die Solarforschung in Deutschland „sang- und klanglos verschleudert“ werde.

Solarworld geht von einem Wachstum des globalen Photovoltaikmarktes aus, mit einem Schwerpunkt in Asien und in den USA. Allein im ersten Quartal seien in den USA fast so viele Neuanlagen installiert worden wie in Deutschland für das ganze Jahr 2014 erwartet wird. Solarworld partizipiere daran mit eigener Fertigung in den USA, sagte Asbeck.

Das Unternehmen sei gut auf Kurs: Bis Ende Mai habe Solarworld mehr als die Hälfte seines geplanten Absatzes für das Gesamtjahr von 820 Megawatt eingefahren. Trotz allem Optimismus: Ein positives operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern traut sich die Gesellschaft nach wie vor erst wieder 2015 zu.

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