Unternehmen Bahnstreik könnte Mittelstand Millionen kosten

17 Prozent des Güterverkehrs werden in Deutschland über die Schiene transportiert.

17 Prozent des Güterverkehrs werden in Deutschland über die Schiene transportiert.

Wieder stehen wegen des Lokführer-Streiks Züge still, auch im Güterverkehr. Mittelstands-Vertreter warnen: Ein mehrtägiger Streik könnte die Wirtschaft Millionen kosten.

Vor allem beim Güterverkehr drohen wieder Zugausfälle und Verspätungen: Die Lokführergewerkschaft GDL hat nach den gescheiterten Tarifgesprächen offiziell beschlossen, erneut zu streiken. Der Güterverkehr werde vom 21. April um 15 Uhr bis zum 24. April um 9 Uhr bestreikt, kündigte die Lokführergewerkschaft GDL am Montag in Frankfurt an. Der Streik im Personenverkehr beginnt am 22. April um 2 Uhr und endet am 23. April 2015 um 21 Uhr.

„Es wird ganz Deutschland betroffen sein“, sagte ein Sprecher. Der neue Streik ist den Angaben zufolge vom dreiköpfigen geschäftsführenden GDL-Vorstand um Gewerkschaftschef Claus Weselsky beschlossen worden.

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100 Millionen Euro Schaden täglich ab dem vierten Streiktag

Sollte der Streik noch länger andauern, könnte das die deutsche Wirtschaft teuer zu stehen kommen: Ab dem vierten Streiktag, so kalkuliert das Institut der deutschen Wirtschaft (IW), würde ein Streik täglich 100 Millionen Euro kosten. Ab diesem Zeitpunkt seien die kurzfristigen Materialpuffer aufgebraucht und Produktionsketten würden lahmgelegt.

Besonders hart treffe ein Bahnstreik Produktionsbetriebe im Mittelstand, klagt Herbert Schulte vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW). Diese seien „aufgrund der Kapitalkosten auf Just-in-time-Lieferungen und effiziente Lagerhaltung existenziell angewiesen“. 17 Prozent des Güterverkehrs würden in Deutschland über die Schiene transportiert, so Schulte. „Die GDL legt unsere offene Flanke frei, wenn sie mit ihrem Streik die Lebensadern der Wirtschaft lahmlegt und wir hohe Produktionsausfälle zu verkraften haben.“

GDL-Chef fühlt sich belogen und veralbert

Auch wenn sich die GDL auf den Güterverkehr konzentrieren will, sollten sich Bahnreisende nicht zu früh freuen: „Es ist nicht zu vermeiden, dass wir auch im Personenverkehr die Streiks durchführen“, sagte Gewerkschaftschef Weselsky. Die Lokführer seien es leid, vom Management der Bahn „veralbert“ zu werden.

Im „Deutschlandfunk“ bezichtigte Weselsky den Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber der Lüge. Hintergrund sind Aussagen Webers, man sei in den Verhandlungen weitergekommen und „einen Meter vor der Ziellinie“. Dazu sagte der Gewerkschaftschef: „Der Mann lügt an der Stelle.“ Der Bahnvorstand wolle kein Ergebnis erzielen. „Er streikt bei den Verhandlungen, und deswegen streiken die Zugpersonale mit aller Voraussicht nächste Woche wieder, um ihre Rechte durchzusetzen“. Prompt reagierte eine Bahnsprecherin: „Die GDL sollte dringend zu den Fakten und zur Sachlichkeit zurückkehren.“

GDL-Chef Weselsky moniert, die Bahn spiele auf Zeit. Denn im Sommer könnten die Karten neu gemischt werden, wenn das von der Bundesregierung geplante Gesetz zur Tarifeinheit in Kraft tritt und pro Betrieb nur noch eine Gewerkschaft den maßgeblichen Tarifvertrag abschließen kann. Die GDL hat dagegen bereits Verfassungsbeschwerde angekündigt und der Bahn immer wieder Verzögerungstaktik vorgeworfen.

Die GDL steht in Konkurrenz zur größeren Gewerkschaft EVG und strebt für ihre sämtlichen Mitglieder im Zugpersonal eigene Tarifverträge an. Bislang hatte die Spartengewerkschaft nur für Lokführer Abschlüsse vereinbart. Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche.

Mittelstand fordert Einführung der Tarifeinheit

Mittelstands-Vertreter Herbert Schulte hat für die Forderungen der Lokführer kein Verständnis. „Der Preis, den Mittelstand und Pendler für die kompromisslose Verhandlungsführung der GDL zahlen, ist unakzeptabel“, sagte er.

Schulte forderte eine möglichst rasche Einführung der Tarifeinheit: „Der Kompromisslosigkeit, mit der sich die GDL über die Interessen der Bahnkunden, der Bahn und der Wirtschaft hinwegsetzt, muss eine klare Grenze gesetzt werden, um zu verhindern, dass gewerkschaftsinterne Machtkämpfe zu Konjunkturbremsen und Standortnachteilen werden.“

1 Kommentar
  • Dr. Böhm 21. April 2015 07:55

    Was tut ein Lokführer? Lenken? Nein. Rechtzeitig bremsen, wenn etwas auf den Gleisen liegt? Nein. Anhalten, wenn die Schranke nicht geschlossen ist? Nein.
    Ein Lokführer tut nichts sicherheitsrelevantes, was eine Automatik nicht viel besser könnte.
    Auch an jeden PKW-Fahrer werden viel höhere Anforderungen gestellt (Gegenverkehr, Querverkehr, eine Unzahl von Verkehrsschildern…).
    Wäre es da nicht sinnvoll auf Automatik umzurüsten und für die Zwischenzeit ein paar Arbeitslose mit Führerschein zum Mindestlohn einzustellen, eine Woche zu qualifizieren und die überflüssigen Gewerkschaftsgierhälse auf den freien Markt zu schicken?

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