Unternehmen Geschäftsklima: Ifo-Index gibt erneut nach

Noch shoppen die Deutschen ausgelassen in den Innenstädten. Doch in den Chefetagen trübt sich bereits die Stimmung ein.

Noch shoppen die Deutschen ausgelassen in den Innenstädten. Doch in den Chefetagen trübt sich bereits die Stimmung ein.© defun - Fotolia.com

Firmen in Deutschland schauen zunehmend skeptisch auf die kommenden Monate. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im August zum vierten Mal infolge. Aber nicht nur die politischen Brandherde bremsen die Zuversicht.

Die deutschen Unternehmen verlieren angesichts der vielen Krisen und Konflikte zunehmend ihre Zuversicht. Der wichtige Ifo-Index gab im August bereits zum vierten Mal in Folge nach und sank von 108,0 auf 106,3 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit Juli vergangenen Jahres. Die Firmen seien erneut weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage, vor allem blickten sie aber deutlich skeptischer auf die kommenden Monate, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Montag. „Die deutsche Wirtschaft verliert weiter an Kraft.“

Bereits nach drei Bewegungen des wichtigen Stimmungsbarometers in eine Richtung sprechen Volkswirte von einer möglichen Trendwende in der Konjunkturentwicklung. Das erneute Minus hatten die meisten Experten erwartet, im Schnitt aber mit einem weniger deutlichen Rückgang gerechnet. Aus Sicht von VP-Bank-Experte Thomas Gitzel besteht kein Zweifel: „Die deutsche Wirtschaft hat vorerst ihren Zenit überschritten“, sagte der Chefvolkswirt der Bank am Montag in einer ersten Reaktion auf die Zahlen des Münchner Ifo-Instituts.

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„Enttäuschendes Wachstum in Europa“

Ein großer Teil der Verunsicherung gehe auf das Konto der weltweiten Krisen, etwa in der Ukraine, dem Irak oder Israel. „Doch auch ohne die Konfliktherde wäre für die deutsche Wirtschaft nicht mehr Wachstum möglich gewesen“, sagte Gitzel. Dafür sei die Weltwirtschaft zu schwach. Die starke deutsche Binnenkonjunktur könne das nicht mehr ausgleichen. Gefahr bestehe aber nicht. „Wir unterhalten uns über schmalere Wachstumsraten und nicht über eine Rezession.“ Auch andere Volkswirte warnen davor, nun allzu schwarz zu sehen.

Aus Sicht von KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner zeigen die Ergebnisse vor allem, dass sich Deutschland nicht von der anhaltenden Schwäche in vielen europäischen Ländern isolieren kann. „Zudem wirken die geopolitischen Spannungen verunsichernd, Hauptursache ist allerdings das weiterhin enttäuschende Wachstum in Europa.“ Er gehe aber nicht von einer grundätzlichen Trendwende aus. „Nichtsdestotrotz erwarten wir, dass sich die Lage wieder beruhigt und Deutschland wegen der funktionierenden Binnenwirtschaft in diesem und im nächsten Jahr
ordentlich vorankommen wird.“

Im Grundsatz zuversichtlich

Im zweiten Quartal hatten die weltweiten Krisen das Wachstum bereits spürbar ausgebremst. Die Wirtschaft in der größten europäischen Volkswirtschaft schrumpfte zwischen April und Juni erstmals seit Anfang 2013. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent. Auch die anderen beiden großen Euro-Volkswirtschaften Frankreich und Italien schwächelten im Zeitraum April bis Juni. Dennoch sind Fachleute für die Entwicklung in Deutschland weiter im Grundsatz zuversichtlich.

Das Minus im zweiten Jahresviertel sei auch angesichts des starken ersten Quartals eher ein Ausrutscher. Für das gesamte Jahre rechnen die meisten Wirtschaftsforscher nach wie vor mit einem deutlichen Plus. Das Ifo-Institut etwa hatte im Juni die Wachstumsprognose für 2014 noch ein klein wenig auf 2 Prozent erhöht. Ob sich diese Vorhersagen halten lassen, ist offen. Insgesamt aber ist die Stimmung in den Unternehmen weiter auf hohem Niveau. Der Ifo-Index wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt.

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