Unternehmen Griechenland-Krise: Die Tür ist offen für neue Lösungen

"Erwarten Sie keine Lösung", hatte Merkel vorher gemahnt. Und dann kommt bei der Krisensitzung für das hoch verschuldete Griechenland doch ein wenig mehr heraus. Zumindest ein neuer Versuch der Vertrauensbildung.

Es war noch tiefschwarze Nacht in Brüssel, doch für die Griechen gab es einen Lichtblick. Gut drei Stunden suchten Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef François Hollande mit Griechenlands Ministerpräsidenten Alexis Tsipras im kleinen Kreis am Rande des EU-Gipfels nach einem Ausweg aus einer total verfahrenen Lage – und sie fanden eine Tür. Wie weit diese im Streit zwischen der Eurogruppe und Athen aufgestoßen wird – und ob alle hindurchgehen werden – ist offen. Aber es ist ein Anfang nach schwersten Zerwürfnissen.

Um kurz vor 23 Uhr am Donnerstagabend hatten sich die drei Staatenlenker mit dem EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, EU-Gipfelchef Donald Tusk, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, sowie Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem um einen runden Tisch gesetzt. Der 40-jährige Neuling Tsipras wirkte etwas eingekesselt zwischen den erfahrenen Polit-Profis. Aber gerade er verbreitete dann in den Morgenstunden Zuversicht: „Wir sind optimistischer nach den Beratungen.“

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Neue Reformvorschläge in den nächsten Tagen

Tsipras versicherte den Euro-Verbündeten, dass sein von der Staatspleite bedrohtes Land in den nächsten Tagen eine vollständige Liste mit eigenen Reformvorschlägen vorlegen wird. Erst dann gibt es wieder Geld. Einen genauen Einblick in die tatsächliche griechische Misere haben Merkel und die anderen allerdings immer noch nicht bekommen. „Klar ist auch, dass die Finanzlage nicht einfach ist“, konnte Merkel nur zum wiederholten Mal sagen.

Im Februar war das Hilfsprogramm für Athen gegen Reformzusagen um vier Monate verlängert worden. Nach Experteneindruck reicht das Geld der griechischen Staatskasse bis Anfang April.

Über scharfe Reaktionen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf seinen griechischen Amtskollegen Gianis Varoufakis und umgekehrt sei nicht gesprochen worden, sagte Merkel. „Wir haben ein sehr ruhiges Gespräch geführt und das war auch auf die Sache ausgerichtet. Wir haben uns nicht mit den Fragen von Einzeläußerungen befasst.“

Vertrauensvorschuss von Merkel

Obwohl Tsipras und sein Finanzminister Varoufakis in den vergangenen Wochen vor allem gegen Deutschland wetterten und mit Drohungen überzogen, gab Merkel einen Vertrauensvorschuss. Sie betonte, es habe zwar eine gewisse Enttäuschung gegeben, dass nach der Vereinbarung der Euro-Finanzminister vom 20. Februar nichts passiert sei (zumindest nicht das, was die Euro-Partner erhofft hatten). Aber jetzt habe „die griechische Seite“ deutlich gemacht, dass die Vereinbarungen eingehalten würden. „Und das werden wir einfach mal beim Wort nehmen und sagen, wir vertrauen darauf, dass das nun auch so kommt. Und dann werden wir sehen, wie es kommt.“

Merkel trifft Tsipras schon am Montag wieder in Berlin. Sie hatte ihn recht spät nach seiner Wahl zum neuen griechischen Regierungschef zum Antrittsbesuch eingeladen. Wie groß hierbei der Druck auf sie sei, wurde Merkel in Brüssel gefragt. Ihre Antwort: „Ich habe all den Treffen ganz entspannt entgegen gesehen. Und das tue ich auch bei dem Treffen am Montag.“

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