Der Abgang von SAP-Chef Léo Apotheker ist von Anlegern negativ aufgenommen worden. Auch die erklärenden Worte von Aufsichtsratschef Hasso Plattner am Nachmittag konnten nicht verhindern, dass die Aktie um bis zu 2,6 Prozent sank. Händler und Analysten monierten, es sei zu undeutlich, welchen Kurs SAP künftig steuere.
"Léo und ich hatten keine strategischen Differnzen", kommentierte Plattner den augenscheinlich erzwungenen Rücktritt Apothekers. Auch die Verzögerungen der Mittelstandssoftware "Business by Design" würden ihm nicht vorgehalten. Warum sich SAP von Apotheker getrennt habe, sagte Plattner auch nicht auf Nachfrage. Der Manager agierte noch nicht einmal ein Jahr als alleiniger Vorstandschef.
McDermott und Snabe bilden Doppelspitze
Geführt wird Europas größter Softwarekonzern nun wieder von einer Doppelspitze. Die Vorstände für Vertrieb und Produktentwicklung, Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe, werden gleichberechtigte Chefs sein. McDermott ist US-Amerikaner, Hagemann Snabe Däne.
Plattner sagte, an dieser Führungsstruktur werde dauerhaft festgehalten. Doppelspitzen hätten sich bei Softwarekonzernen bewährt. Auch Microsoft habe schließlich seine beste Zeit gehabt, als sich Bill Gates und Steve Ballmer die Macht teilten.
Der Aufsichtsrat hatte am Vorabend mitgeteilt, Apothekers Vertrag als SAP-Chef werde nicht verlängert. Dies hatte die Finanzmärkte kalt erwischt. Zwar hatte der Manager wiederholt Kritik auf sich gezogen, ein so rascher Führungswechsel war jedoch nicht erwartet worden.
Unglücklich ist SAP aber auch nicht
Plattner stärkt als Chef des Aufsichtsrates seine künftige Machtposition im Unternehmen erheblich. Er werde der neuen Führungsmannschaft bei der Produktentwicklung verstärkt unter die Arme greifen, hatte das Mitglied der SAP-Gründungsmannschaft bereits am Sonntag angekündigt.
Am Montag legte er nach: "Ich werde alles tun, damit SAP ein glückliches Unternehmen ist", sagte der Aufsichtsratschef in der auf Englisch abgehaltenen Pressekonferenz. Mit seinen energischen Worten verstärkte er den Eindruck, wonach er künftig maßgeblich den Ton in der Firma angebe. Das Verhältnis besonders zu den kleineren Kunden müsse verbessert werden, fügte er hinzu. Auf Nachfragen von Analysten bekräftigte er, der Walldorfer Konzern sei auch jetzt nicht unglücklich.
Der SAP-Mitgründer hatte am Sonntag dem geschassten Vorstandschef Apotheker indirekt vorgeworfen, die Wünsche der Kunden nach neuen Techniken und Produkten nicht ausreichend bedient zu haben: "Die Neuaufstellung der Unternehmensspitze soll die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen zusammenbringen", hatte er sich zitieren lassen.
Am Montag klangen seine Worte kaum milder. Selbstverständlich stehe ein Unternehmenschef am stärksten in der Kritik, wenn es Probleme gebe. "Ob dies nun gerechtgertigt ist oder nicht". Es seien aber in den vergangenen Monaten signifikante Fehler in der Unternehmensführung gemacht worden.
Auch Erwin Gunst verlässt das Unternehmen
Neben Vorstandschef Apotheker verlasse auch Arbeitsdirektor Erwin Gunst das Unternehmen, allerdings aus gesundheitlichen Gründen, erläuterte Plattner. Gunst war seit Mitte 2008 im Vorstand verantwortlich für die Effizienz des operativen Geschäfts und der Prozesse. Ein Nachfolger ist noch nicht benannt.
Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) zufolge zufolge betrieb Plattner den Abgang Apothekers aktiv. Der Aufsichtsratschef ist einer von fünf Gründern von SAP. Von 1997 bis 2003 stand er an der Unternehmensspitze und leitet seitdem das Kontrollgremium.
Der 1953 geborene Apotheker war seit 1988 bei SAP. 2008 kam er an die Vorstandsspitze, seit Mai 2009 als alleiniger Vorstandssprecher, nachdem Henning Kagermann das Unternehmen wie zuvor geplant in den Ruhestand verließ. McDermott ist seit 2002 bei SAP und seit 2008 im Vorstand, wo er für den weltweiten Vertrieb verantwortlich ist.
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