Unternehmen Haufe-Lexware: Das können Unternehmer vom Fachverlag lernen

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Wie sich das Familienunternehmen Haufe-Lexware verändert hat erfuhren die Teilnehmer beim Impulse-Netzwerktreffen in Freiburg.

Wie sich das Familienunternehmen Haufe-Lexware verändert hat erfuhren die Teilnehmer beim Impulse-Netzwerktreffen in Freiburg. © Roger Koeppe

Nach 70 erfolgreichen Jahren stand das Geschäftsmodell vor dem Aus. Dann wurde das Familienunternehmen Haufe zum Vorreiter der Digitalisierung. Was Sie von Haufe-Lexware lernen können.

Selten hat Markus Reithwiesner in so bedröppelte Gesichter geblickt wie bei jenem Treffen mit seinen Top-Managern im Herbst 2010. Damals war er gerade dabei, Haufe-Lexware an die Spitze einer Entwicklung zu katapultieren, die mit dem Stichwort Digitalisierung nur ansatzweise beschrieben ist. Vom traditionsreichen Fachverlag für Firmenwissen wandelte sich das Familienunternehmen aus Freiburg in eine digitale Mediengruppe – mit dem Ziel, möglichst in jedem mittelständischen Betrieb mit seinen Computerprogrammen für Buchführung oder Personalmanagement präsent zu sein.

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Firmenchef Reithwiesner wähnte sich auf einem guten Weg: Die Inhaberfamilie unterstützte den neuen Kurs, die Investitionen zeigten erste Wirkung, die Umsätze stiegen. Doch dann befragten sie die Mitarbeiter. Das Ergebnis war niederschmetternd, die Stimmung miserabel. „Da mussten wir uns eingestehen, dass wie die Leute nicht abgeholt hatten“, erinnert sich Reithwiesner heute, „und zwar null.“ Bei all den Veränderungen am Produkt hatte das Management die Mitarbeiter vergessen.

Haufe-Lexware investierte nach der Umfrage in die interne Kommunikation, in neue Strukturen und in die Firmenkultur – mit spürbarem Ergebnis. Zwei Jahre später hatte sich die Stimmung messbar gedreht, berichtet ein sichtbar stolzer Unternehmenschef den impulse-Mitgliedern beim Netzwerktreffen in der Freiburger Zentrale von Haufe-Lexware. Reithwiesner projiziert einen Schlüsselsatz an die Wand: „Culture eats strategy for breakfast, operational excellence for lunch and everything else for dinner.“ Es ist seine Lehre aus dem Stimmungsdebakel. Grob übersetzt: Ist die Firmenkultur im Eimer, reißen es Strategie, tolle Abläufe und alles andere auch nicht mehr raus. „Es ist ein Wahnsinnsritt“, sagt Co-Chef und Mitglied der Inhaberfamilie Martin Laqua über den Veränderungsprozess im Unternehmen.

Angestelltenzahl und Umsatz stiegen enorm

15 Jahre arbeiten sie nun bereits an der Neuerfindung ihres Geschäftsmodells – und sehen sich selbst und die ganze Branche immer noch am Anfang stehen. Jahrzehntelang fuhr das Familienunternehmen Haufe prächtige Renditen ein, indem es Standardwerke für den Firmenalltag wie „Das Personal-Büro in Recht und Praxis“ druckte. Die 8000 Seiten starken Ringbücher standen in fast jedem deutschen Unternehmen. Viel früher als andere Verlage, darunter deutlich größere in Hamburg, Berlin oder München, erkannten die Freiburger, dass bedrucktes Papier wohl bald kein einträgliches Geschäft mehr sein würde.

Den Strategie- und Kulturwandel leiteten sie mit dem Zukauf einer kleinen Software-Firma namens Lexware ein, die damals sechs Mitarbeiter beschäftigte – bei Haufe waren es 300. Die Neuen wurden kritisch beäugt. „Komisch, die arbeiten nicht in Einzelbüros, tragen keine Krawatten und bringen Hunde und Fahrräder mit an den Arbeitsplatz“, fasst Reithwiesner die Stimmen aus der angestammten Belegschaft zusammen. „Das war für manch einen ein Schock.“ Tatsächlich sollte Lexware zur Keimzelle der digitalen Revolution von Haufe werden. Heute ähnelt das gesamte Unternehmen eher einem Start-up-Campus als einem 1934 gegründeten Traditionsbetrieb. Viele Wände sind mit Post-its bedeckt, die Mitarbeiter, die in flexiblen Teams arbeiten, sitzen in luftigen Büros an großen Tischen zusammen.

Die neue Dynamik spiegelt sich auch in den Zahlen. Die Zahl der Angestellten hat sich auf 1500 verfünffacht. Der Umsatz versechsfachte sich auf bald 300 Millionen Euro im Jahr. Das Ziel ist nun, die 500-Millionen-Euro-Marke zu knacken. Größe soll dabei kein Selbstzweck sein. „Dieses Unternehmen soll für die nächste Generation erhalten werden“, hatte Unternehmensgründer Rudolf Haufe in sein Testament geschrieben. Daran arbeiten seine Nachfolger nun jeden Tag.

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