Hausverbot für Rassisten „Solche Kunden brauchen wir nicht“

Blick in die Backstube (Symbolbild): Wenn sie schon Flüchtlinge beschäftigen, sollten sie gefälligst auch ihre Backwaren nur noch an Asylanten verkaufen, schimpfte der Mann.

Blick in die Backstube (Symbolbild): Wenn sie schon Flüchtlinge beschäftigen, sollten sie gefälligst auch ihre Backwaren nur noch an Asylanten verkaufen, schimpfte der Mann.© beornbjorn / Fotolia.com

102 Zeichen gegen den Hass: Eine rheinland-pfälzische Bäckerei sorgt auf Twitter für Wirbel - dort sind #refugeeswelcome, Rassisten aber nicht.

Klaus Brand, Inhaber einer Bäckerei aus dem 7767-Seelen-Ort Kirchheimbolanden, ist ein gefragter Mann an diesem Dienstag im März. „Der Chef spricht gerade, da müssen Sie bitte später noch mal anrufen“, sagt eine Mitarbeiterin in breitem Pfälzisch, als man beim dritten Versuch endlich durchkommt.

Der Grund für den Wirbel: ein simpler Tweet. „Kunde fordert uns auf ab sofort keine Flüchtlinge mehr zu beschäftigen. => Hausverbot #refugeeswelcome“, hatte Brand am Freitag getwittert – zwei Tage bevor die AfD bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl 12,6 Prozent der Stimmen holte. Welche Geschichte steckt hinter dem Tweet?

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Wer Flüchtlinge beschäftige, solle auch nur an sie verkaufen, schimpfte der Mann

Alles fing damit an, dass „Brand der Donnersbäcker“ im Februar in die Zeitung kam: In einer Sonderbeilage berichtete die „Rheinpfalz“ darüber, dass das Unternehmen einen syrischen Flüchtling als Praktikanten beschäftigte.

Einem Kunden gefiel nicht, was er da las. Und das tat er am Freitag in einer Brand-Bäckereifiliale in Alzey kund – lautstark. Wenn sie schon Flüchtlinge beschäftigen, sollten sie gefälligst auch ihre Backwaren nur noch an Asylanten verkaufen, habe der Mann geschimpft. So erzählte es eine Mitarbeiterin ihrem Chef gleich nach dem Vorfall am Telefon. „Sie hatte Angst, dass sie etwas falsch gemacht hat“, erzählt Brand. Immerhin sei der Kunde aus dem Laden gestürmt, ohne etwas zu kaufen. „Ich habe sie erst mal beruhigt. Schließlich hat sie alles richtig gemacht.“

Unmittelbar danach klingelte das Telefon in der Zentrale, der verärgerte Kunde war dran. Brand ging selbst ans Telefon. „Er hat gleich losgelegt, was Flüchtlinge den Staat kosten und dass sie die Arbeitsplätze wegnehmen“, erzählt Brand. „Ich hab‘ dagegen geredet, gesagt, wie wichtig die Integration ist. Aber das war nicht sein Thema.“

„Solche Sätze erinnern mich an ‚Leute, kauft nicht bei Juden.'“

Bei Brand sollte man nicht mehr kaufen, habe der Mann gesagt. Da sprach Brand ein Hausverbot aus: „Solche Sätze erinnern mich an ‚Leute, kauft nicht bei Juden.‘  Das war 1933“, sagt er. „Solche Kunden brauchen wir nicht.“

Inzwischen wurde Brands Statement gegen den Fremdenhass mehr als 2000 Mal geliked und 878 Mal retweetet. Hat er damit gerechnet? „Überhaupt gar nicht“, sagt Brand, „ich staune, dass darum so viel Aufhebens gemacht wird.“ Er habe doch nur seinem Ärger kurz Luft machen wollen, „dass mich ein Rassist erpressen will, dass ich keine Flüchtlinge beschäftige“.

„Er backt mit Leidenschaft“

Die Bäckerei ist ein Familienunternehmen mit Tradition: 1897 gegründet, 70 Mitarbeiter in zehn Filialen. Dass in seinem Unternehmen Menschen verschiedener Nationalitäten zusammenarbeiten, ist für Brand selbstverständlich. Er beschäftigt auch einen Albaner, hat schon eine Inderin und zwei Türkinnen zu Konditorinnen ausgebildet, sein Verkaufspersonal spricht italienisch und kasachisch.

Wie viele andere Handwerksbetriebe hat auch Brand Schwierigkeiten, motivierte Azubis zu finden. Umso mehr freut er sich, dass der junge Syrer, an dem sich der Kunde so störte, ab April eine Ausbildung bei ihm macht: „Er backt mit Leidenschaft und will später vielleicht ein Geschäft mit syrischen und deutschen Backwaren eröffnen.“

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