Unternehmen Heiligabend beim Radio: Wenn der Chef zum Moderator wird

Heiligabend zuhause mit der Familie feiern? Radiochef Hans-Dieter Hillmoth hat das seit 26 Jahren nicht mehr gemacht. Einmal im Jahr, am 24. Dezember, stellt sich der Geschäftsführer des hessischen Radiosenders Hitradio FFH immer selbst hinter’s Mikro. Im impulse-Interview erklärt der 61-Jährige, warum das jedes Mal eine neue Herausforderung für ihn ist.

Herr Hillmoth, vor 26 Jahren wurden Sie zum ersten Mal unverhofft vom Radiochef zum Radiomoderator – ausgerechnet an Weihnachten. Wie kam es dazu?

Hans-Dieter Hillmoth: Wir haben am 15. November 1989 unseren Sendebetrieb gestartet. Das war eine sehr spannende Zeit, weil vieles ungewiss war: Wir wussten nicht, wie erfolgreich wir sein würden und ob wir uns gegen die Kollegen vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk würden durchsetzen können. Zur Weihnachtszeit waren alle hoch motiviert, aber hatten natürlich auch Fragezeichen in den Augen. Da dachte ich mir, Heiligabend ist doch ein Anlass, zu dem man als Chef ein Zeichen für seine Mitarbeiter setzen kann.

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Und dann haben Sie Ihrem Team frei gegeben und sich selbst hinters Mikro gesetzt?

Genau, sieben Stunden lang. Um 17 Uhr habe ich angefangen, Schallplatten aufzulegen und um Mitternacht damit aufgehört. Beim Moderieren habe ich mich natürlich dezent zurückgehalten. Das mache ich auch heute noch so, ich bin ja kein ausgebildeter Radiomoderator.

Nach 26 Jahren haben Sie aber mittlerweile etwas Übung…

Weil ich nur einmal im Jahr moderiere, ist das natürlich jedes Mal aufs neue eine Herausforderung. Die erste halbe Stunde ist immer besonders schwierig, ich brauche eine gewisse Zeit, um reinzukommen. Anfangs muss ich höllisch aufpassen, dass ich den Mikro-Regler nicht unbemerkt aufgedreht habe – und an Heiligabend um zehn nach fünf nachmittags laut im Radio fluche, weil etwas Technisches nicht funktioniert. Dazu weiß ich natürlich auch, dass der eine oder andere aus dem Sender vor dem Radio sitzt – es besteht immer die Gefahr, dass mir irgendwelche Pannen das ganze nächste Jahr vorgehalten werden. (lacht)

Wie sieht Ihr Radio-Programm an Heiligabend typischerweise aus?

Um 17 Uhr starte ich mit Glockengeläut. Dann kommen traditionelle Weihnachtslieder und zum Ende hin wird’s dann auch ein bisschen poppiger – das Repertoire an wirklich guten Weihnachtsliedern ist ja auch begrenzt. Nach sieben Stunden Weihnachtsmusik am Stück hat man definitiv eine gewisse Überdosis (lacht).

Eine Überdosis Weihnachtsmusik an Heiligabend – was ist das für ein Signal an Ihre Mitarbeiter?

Mittlerweile ist es natürlich so etwas wie Tradition. Aber es soll schon ein bewusstes Signal sein, dass der Chef nicht im Büro die Füße hochlegt, dass er aktiv mitmischt und nicht vom 20. Dezember bis zum 6. Januar in den Urlaub fährt. Die Weihnachtszeit ist für uns beim Radio sehr wichtig, weil in dieser Zeit sehr intensiv gehört wird. Da soll es natürlich auch ein Zeichen sein, wenn ich selbst an Stellen mit anpacke, die nicht in meinen eigentlichen Aufgabenbereich gehören.

Und was sagt Ihre Familie dazu, dass Sie Heiligabend nie zuhause feiern?
Meine Frau ist natürlich nicht so erfreut darüber. Sie war in den Anfangsjahren einmal mit im Studio, hat sich aber schrecklich gelangweilt. Danach ist sie dann zuhause geblieben. Wir feiern Weihnachten deshalb einfach später nach: Um kurz nach Mitternacht fahre ich nach hause und um ein Uhr nachts gibt’s bei uns dann Weihnachtsessen und Bescherung.

 

FFH_Hans_Dieter_Hillmoth_150_2Hans-Dieter Hillmoth, 61, ist Geschäftsführer und Programmdirektor der Radio/Tele FFH GmbH & Co. Betriebs-KG mit Sitz in Bad Vibel. Zu dem Unternehmen gehören die hessischen Radiosender Hitradio FFH, harmony.fm und planet radio. Laut Media-Analyse ist Hitradio FFH mit 527.000 Hörern pro Stunde und 2,6 Millionen Hörern pro Tag der meistgehörte hessische Radiosender.

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