Unternehmen Helene Metz: Die große alte Dame des Fernsehgeschäfts

Unternehmerin Helene Metz (m.) und Geschäftsführer Norbert Kotzbauer in einem ihrer Produktionswerke im mittelfränkischen Zirndorf

Unternehmerin Helene Metz (m.) und Geschäftsführer Norbert Kotzbauer in einem ihrer Produktionswerke im mittelfränkischen Zirndorf© dpa

Müßiggang ist ihr zuwider, und das Loslassen fällt schwer: Noch immer kommt Helene Metz regelmäßig in die Firma. Dabei wird die Eigentümerin der Metz-Werke jetzt 90 Jahre alt. Ihr Unternehmen ist einer der letzten deutschen TV-Hersteller.

Die Firma lässt Helene Metz keine Ruhe. 90 Jahre wird sie am kommenden Dienstag (2. September) alt, und dennoch fährt sie regelmäßig die paar Minuten in ihr Werk am Zirndorfer Stadtrand unweit von Fürth. Dort schaut sie dem Management kontrollierend auf die Finger. Schließlich geht es um das Lebenswerk ihres Mannes, das sie nach dessen Tod persönlich fortgeführt hat. Das Aufgebaute will die Fränkin dabei unbedingt bewahren. Während die meisten anderen deutschen Unterhaltungselektronik-Konzerne längst untergegangen sind, produziert Metz auch im 76. Jahr nach der Gründung noch immer in Deutschland Fernseher.

Damit gleicht Metz einem Kuriosum: Nur zwei weitere TV-Hersteller produzieren noch in deutschen Landen, einer davon steckt gerade im Insolvenzverfahren. Auch für Metz ist die Lage derzeit alles andere als kommod. Für das vergangene Jahr rechnete die Geschäftsführung mit einem Umsatzrückgang auf unter 100 Millionen Euro.

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Überleben in der Nische

Die TV-Hersteller liefern sich seit Jahren einen heftigen Konkurrenzkampf, gerade asiatische Hersteller wie Samsung oder Panasonic bringen die Geräte zu immer niedrigen Preisen in die Läden. Durch die Entwicklung hin zum multimedialen Unterhaltungsangebot für das Wohnzimmer ist die gesamte Branche im Umbruch. Von Ruhm und Glanz deutscher TV-Hersteller ist hierzulande kaum was übriggeblieben. Saba, Grundig oder Nordmende sind Geschichte oder an ausländische Massenhersteller verkauft.

Metz setzt im Kampf um Marktanteile auf eine Nische: Vor allem der älteren, kaufkräftigen Generation soll hervorragende Qualität „made in Germany“ kombiniert mit einem umfassenden Service durch den Fachhandel geboten werden. Das hat seinen Preis – doch den sind viele schlicht nicht mehr bereit zu bezahlen. In der Folge hat auch Metz schon einige Jahre mit Verlust abgeschlossen.

Die Finanzen im Blick

Wie dick das Finanzpolster noch ist, dürfte die Inhaberin ganz genau wissen. Schließlich kümmerte sich die Seniorin mit den schlohweißen Haaren jahrelang um die Buchhaltung. Ihr Credo: „In allen Firmen, wo Frauen die Buchhaltung führen, sind die Finanzen in Ordnung.“

Mitarbeiter bestätigen denn auch, dass Metz durchaus aufs Geld achtet. Das tut ihrer Achtung für „die Chefin“ aber keinen Abbruch: Als warmherzig wird sie beschrieben, mit Herzblut bei der Sache und Kunden wie Mitarbeiter wertschätzend. Selbst im hohen Alter lässt sie es sich nicht nehmen, Mitarbeitern zum Firmenjubiläum persönlich zu gratulieren – bei Metz sind selbst 50-jährige Betriebszugehörigkeiten
keine Seltenheit.

Vom Krieg über das Wirtschaftswunder bis zur Globalisierung

Aus der Öffentlichkeit hält sich die Unternehmerin hingegen so weit wie möglich zurück, lieber bleibt sie im Hintergrund. Dass eine hochbetagte Inhaberin eines in Deutschland produzierenden Fernsehherstellers Interesse hervorruft, kann sie nicht verstehen. „Das bin ja nicht ich, sondern es sind die Mitarbeiter, die das Unternehmen ausmachen“, lautet ihre Einstellung. Entsprechend rar macht sie sich für Journalisten.

Dabei hätte sie mit Sicherheit einiges zu erzählen. Von ihrem Mann Paul, der im Jahr 1938 mit der Fertigung elektronischer Geräte begann. Von den Bomben, die 1945 das Warenlager in Schutt und Asche legten. Von Rohstoffmangel und Wirtschaftswunder und Globalisierung.

Mit 69 in die Geschäftsführung

Sie selbst hat viele Jahrzehnte lang ihre Rolle darin gesehen, ihrem Mann den Rücken freizuhalten. Bis zu dessen Tod im Jahr 1993. Mit 69 Jahren – und damit eigentlich selbst schon längst im Rentenalter – übernahm Helene Metz die Geschäftsführung. Damit verantwortete sie neben den traditionsreichen Sparten Fernseher und Blitzgeräte auch das dritte Standbein Kunststofftechnik.

Erst Mitte 2010 zog sich die Alleininhaberin der Metz-Werke GmbH & Co KG aus der offiziellen Verantwortung zurück. Das Rampenlicht scheut sie noch immer, lieber besucht sie unbehelligt das Open-Air-Konzert der Nürnberger Symphoniker im Zirndorfer Zimmermannspark – übrigens eine von der Firma Metz gesponserte Veranstaltung. Das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse erhielt die Firmen-Matriarchin denn auch nicht nur als verantwortungsvolle Unternehmerin, sondern auch, weil sie „ihr berufliches wie ehrenamtliches Wirken in den Dienst der Allgemeinheit stellt“, wie es in der Laudatio hieß.

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