Unternehmen Eberhard von Rundstedt: „Ich hätte von Anfang an eine Mehrheit haben müssen“

Eberhard von Rundstedt, 71, Beirat des Outplacement-Beraters von Rundstedt HR Partners, über die fatale Entscheidung, auf eine Mehrheit im Gesellschafterkreis zu verzichten.

Es war 1989, als mir der Fehler passierte, an dem ich fast 20 Jahre lang knabbern sollte: Unter der Lizenz eines amerikanischen Outplacement-Unternehmens begleitete ich schon damals ausscheidende Führungskräfte beim Jobwechsel. Vor meinem 49. Geburtstag ergab sich die Chance, mich selbstständig zu machen und den anderen Gesellschafter herauszukaufen. Es war die Zeit, als wir gerade ein neues Haus bauten, ich also nicht viel Geld auf der hohen Kante hatte.

So fragte ich Freunde und Bekannte, ob sie mich unterstützen wollten. Zwei willigten ein und beteiligten sich. Ich selbst brachte nur das Geld für 41 Prozent des Stammkapitals auf. Was für ein Fehler! Ich hätte von Anfang an eine Mehrheit haben müssen! In den ersten ein, zwei Jahren lief noch alles gut, dann gab es beunruhigende Signale: In den Gesellschafterversammlungen fingen die beiden Bekannten an, mir ins Geschäft hineinzureden. „Könnte man das nicht anders machen?“, fragten sie. Immer wieder kamen sie mit neuen Punkten und provozierten so Streit. „Das geht nicht“, warnte mich ein Anwalt. „Sie müssen Ihre Zeit den Kunden widmen, nicht internen Querelen.“

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Er gab mir den Rat, die Mitgesellschafter zum Zehnfachen ihres Kapitaleinsatzes, den sie forderten, herauszukaufen. So ging ich erneut herum, sammelte da 30.000 D-Mark ein, da 50.000 D-Mark, nahm einen Privatkredit auf und kaufte die beiden heraus. Es blieb mir nichts anderes übrig: Ich verschuldete mich hoch; allein die Zinsen, die ich jedes Jahr an die Bank zahlen musste, waren enorm. Wenn ich von Anfang an mehr Geld eingesammelt und direkt die Mehrheit übernommen hätte, wäre mir das erspart geblieben.

Heute ist mir klar: Wer selbst Geschäftsführer oder Gesellschafter ist und den Rücken frei haben will, darf sich nicht fahrlässig in eine Minderheitsposition begeben. Man darf auch nicht zu gutgläubig sein: Ich hatte keine klaren Regeln vereinbart, zu denen ich die restlichen Anteile übernehmen konnte. Gelernt habe ich: Wenn es um Geld geht, weiß man nie, wie lange Freundschaften und Bekanntschaften halten.

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Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 05/2012.Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert.

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