Unternehmen Ifo-Institut: „Mindestlohn bringt erhebliche Einschnitte“

Seit dem 1. Januar 2015 gilt - mit wenigen Ausnahmen - in Deutschland der allgemeine, flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde.

Seit dem 1. Januar 2015 gilt - mit wenigen Ausnahmen - in Deutschland der allgemeine, flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. © dpa

Unternehmen in Ostdeutschland bekommen die Folgen des Mindestlohns besonders deutlich zu spüren. Stark betroffen sind vor allem kleine und mittelständische Unternehmen. Mehr als ein Drittel plant nach einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts Preiserhöhungen, um die höheren Kosten abzufedern.

Viele Unternehmen in Ostdeutschland wollen laut einer Analyse von Wirtschaftsforschern mit höheren Preisen und Jobkürzungen auf die Einführung des Mindestlohns reagieren. Nach einer Befragung der Dresdner Zweigstelle des Ifo-Instituts aus München sind ostdeutsche Firmen stärker betroffen als Betriebe in Westdeutschland – und richten sich entsprechend darauf ein.

Wie das Institut am Montag mitteilte, erwägen knapp 40 Prozent der betroffenen Ost-Firmen eine Anhebung ihrer Preise, fast 27 Prozent denken über einen Personalabbau nach. Im Westen sind es den Angaben zufolge nur 21 Prozent beziehungsweise 20 Prozent. Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA) wird der ab Januar geltende Mindestlohn den Aufschwung am Arbeitsmarkt insgesamt aber nicht abwürgen.

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„Der flächendeckende Mindestlohn bringt erhebliche Einschnitte insbesondere für kleine und mittlere Betriebe der ostdeutschen Wirtschaft mit sich“, erklärte Joachim Ragnitz, stellvertretender Geschäftsführer der Dresdner Ifo-Vertretung. „Diese Einschnitte treffen nicht nur den Arbeitsmarkt, sondern dürften auch die konjunkturelle Entwicklung der ostdeutschen Bundesländer bremsen.“

Ostdeutsche Firmen stärker betroffen

Das Institut hatte im November bei seiner Konjunkturbefragung auch das Thema Mindestlohn angesprochen, wobei die befragten Unternehmen ihre Betroffenheit formulieren sollten. Knapp 600 äußerten sich.

„Insgesamt zeigt sich eine prozentual stärkere Betroffenheit ostdeutscher Firmen (43 Prozent) im Vergleich zu ihren westdeutschen Pendants (24 Prozent) – nicht verwunderlich, da das allgemeine Lohnniveau in Ostdeutschland niedriger liegt und deswegen ein einheitlicher Mindestlohn eine größere Zahl an Beschäftigten betrifft“, erklärte das Ifo-Institut.

Mehrkosten – aber auch Chancen

BA-Chef Frank-Jürgen Weise sagte der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag), dass es einige Unternehmen in bestimmten Regionen und Branchen vor allem in Ostdeutschland zwar schwer haben werden, die Mehrkosten durch den Mindestlohn wieder hereinzuholen: „Das könnte Arbeitsplätze gefährden.“ Insgesamt dürfte nach Einschätzung von BA-Experten der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde aber auch dazu führen, dass sich einige Stellen künftig sogar schneller besetzen lassen, wenn sie durch bessere Entlohnung attraktiver werden.

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sagte im Deutschlandfunk, es könne jedoch Regionen und Branchen geben, in denen die Arbeitslosigkeit infolge des Mindestlohns zunehmen wird: „Ich hoffe, dass wir nicht allzu viele Einschläge haben, aber ich befürchte, wir werden in ganzen Bereichen steigende Arbeitslosigkeit haben.“

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