Unternehmen Illegale Preisabsprachen: Schaeffler muss Millionenstrafe zahlen

Die Schaeffler-Zentrale in Herzogenaurach.

Die Schaeffler-Zentrale in Herzogenaurach.© Schaeffler AG

Ohne ein Wälzlager kommt kein Auto oder Lastwagen aus. Es ist ein wichtiger Bestandteil von Getrieben und Klimaanlagen. Sechs Wälzlager-Hersteller - darunter Schaeffler - haben jahrelang die Preise abgesprochen. Nun müssen sie EU-Kartellstrafen zahlen.

Der fränkische Autozulieferer Schaeffler muss wegen verbotener Preisabsprachen eine EU-Strafe von 370 Millionen Euro zahlen. Schaeffler hat nach Erkenntnissen der EU-Kommission gemeinsam mit fünf Konkurrenten die Preise für Wälzlager für Autos und Lastwagen jahrelang künstlich hoch gehalten.

Die Firmen hätten mit geheimen Absprachen sieben Jahre lang den Kunden aus der Auto- und Lastwagenindustrie geschadet. Die Kommission verhängte am Mittwoch gegen die Mitglieder des Kartells Geldbußen von insgesamt mehr als 953 Millionen Euro. Dazu gehören auch die schwedische SKF sowie vier japanische Autozulieferer.

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Schaeffler wies darauf hin, die Kommission bei den Ermittlungen unterstützt zu haben. Nun sei der Fall abgeschlossen, sagte der Firmensprecher. Ob das Unternehmen die Strafe im Detail akzeptiere, werde sich erst herausstellen, wenn der Bußgeldbescheid in einigen Tagen eintreffe und geprüft worden sei.

Japanischer Konzern informierte die EU-Kommission über das Kartell

Wälzlager sind ein wichtiger Bestandteil für viele Autoteile wie etwa Radlager, Getriebe, Kupplung, Lichtmaschine und Klimaanlage. Sie reduzieren die Reibung zwischen beweglichen Teilen in einem Fahrzeug. „Ein Auto hat im Schnitt 100 bis 150 Wälzlager – das ist also von großer Bedeutung“, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia in Brüssel. Der europäische Wälzlager-Markt habe ein Volumen von zwei Milliarden Euro. Die Strafen seien deshalb so hoch ausgefallen, weil der Markt für die gesamte Wirtschaft wichtig sei und die Absprachen so viele Jahre (2004 bis 2011) dauerten.

Als zum Beispiel die Stahlpreise stiegen, gaben die Teilnehmer des Kartells diese Erhöhung nach Erkenntnissen der EU-Kommission direkt an ihre Abnehmer in der Autoindustrie weiter. Sie sollen sich auch bei Kostenvoranschlägen und den jährlichen Rabatten für die Abnehmer abgesprochen und vertrauliche Geschäftsinformationen ausgetauscht haben. „Das ist ein ganz klarer Verstoß gegen die EU-Regeln, die Kartelle verbieten“, rügte Almunia. „Kartelle schränken die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie ein.“

Die vier japanischen Kartellmitglieder sind JTEKT, NSK, NFC und NTN einschließlich seiner Tochtergesellschaft. JTEKT entging einer Geldbuße, weil es die EU-Kommission auf das Kartell aufmerksam gemacht hatte. Brüssel reduzierte die Strafen für die anderen um zehn Prozent, weil alle die Kommission bei den Ermittlungen unterstützten.

Branche steht seit Jahren im Fokus der Ermittlungen

Die Autozuliefer-Branche steht schon seit Jahren im Mittelpunkt von EU-Ermittlungen und Razzien. Im vergangenen Sommer verhängte die Kommission gegen vier Firmen Geldstrafen von insgesamt 141,8 Millionen Euro, darunter auch das Nürnberger Unternehmen Leoni mit knapp 1,4 Millionen Euro. Die Hersteller hatten bei der Lieferung von Kabelbäumen an Autobauer die Preise untereinander abgesprochen.

Die EU-Ermittler vermuten noch mehr illegale Kartelle auch für andere Autoteile. Almunia bestätigte weitere Prüfungen, bei denen rund 70 Firmen unter die Lupe genommen wurden: „Wir untersuchen Kartelle etwa für Airbags, Sicherheitsgurte, Lenkräder, Klimaanlagen und Beleuchtungssysteme.“

 

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