Unternehmen Im Schatten von Alibaba: Hunderte Firmen drängen an die Börse

Der Handelssaal der New York Stock Exchange an der Wall Street.

Der Handelssaal der New York Stock Exchange an der Wall Street.© Getty Images

Noch vor zwei Jahren hatten in China geschönte Bilanzen von Börsenneulingen für Schlagzeilen gesorgt. Die Regierung stoppte daraufhin bis Ende 2013 alle Börsengänge. Doch jetzt strebt längst nicht nur der größte chinesische Online-Händler Alibaba an die Aktienmärkte - unter der strengen Kontrolle der Behörden.

Der Börsengang von Chinas führendem Onlinehändler Alibaba stellt vieles in den Schatten. Als Mega-Neuemission in der Techbranche wird sich das Internetportal in New York künftig mit Größen wie Amazon und Ebay messen. Aber auch abseits der Netzriesen lebt der Markt für IPOs (Initial Public Offerings) im Reich der Mitte wieder auf.

Nach einem Moratorium 2013 gingen im ersten Halbjahr 2014 rund hundert Unternehmen aus China an die Börse. Etwa genauso viele sollen es in der zweiten Jahreshälfte sein. Die meisten von ihnen lassen sich an den Heimatbörsen oder im englischsprachigen Raum notieren – Deutschland bleibt weitgehend außen vor.

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Ende 2012 sah die chinesische Börsenwelt noch alles andere als rosig aus. Eine Reihe von Marktneulingen war mit geschönten Bilanzen aufgefallen. Außerdem gab es den Verdacht, dass Kurse künstlich nach oben getrieben wurden. Die Regierung in Peking zog einen vorläufigen Schlussstrich und erlaubte vorerst keine Neuemissionen mehr.

Aufsichtsbehörde überprüft Börsenkandidaten

Mittlerweile hat sie die Zwangspause aufgehoben, überprüft aber jeden einzelnen Börsenkandidaten sehr genau. „Die chinesische Aufsichtsbehörde nimmt die Entwürfe für die Wertpapierprospekte stärker unter die Lupe als hierzulande die Bafin“, sagt der Anwalt Karsten Müller-Eising von der Kanzlei Jones Day. Er kennt sich mit IPOs und dem chinesischen Kapitalmarkt aus.

„China ist grundsätzlich offen für Börsengänge“, erklärt Müller-Eising. Die Regierung begrüße es, wenn sich die Firmen mit internationalen Bilanzierungsregeln sowie mit den Belangen ihrer Aktionäre auseinandersetzten. Die aufstrebende chinesische Mittelschicht lege zudem mangels Alternativen viel Geld in Aktien an. „Privatinvestoren sind ein wichtiger Spieler an den lokalen Börsen“, sagt die Wirtschaftsanwältin Zhaoxia Chen, ebenfalls bei Jones Day.

Zuletzt startete der weltgrößte Schweinefleisch-Produzent WH Group an der Börse in Hongkong. Im vierten Quartal will sich dort dem Vernehmen nach zudem die erste Investmentbank des Landes, die China International Capital Corp (CICC), aufs Parkett wagen. Im kommenden Jahr soll es Presseberichten zufolge für die Immobiliensparte der Wanda Group des Immobilien-Milliardärs Wang Jianlin so weit sein.

„Listed in Germany“ statt „Made in Germany“

Neben den heimischen Börsen in Shenzhen und Shanghai sowie Hongkong gibt es auch IPOs in Singapur, an den Börsen in Südkorea und Taiwan, in London – oder eben wie im Fall von Alibaba in New York. Nach Deutschland verirrte sich zuletzt kaum ein chinesischer Neuling mehr.

Immerhin: Vor einigen Tagen kündigte nach langer Durststrecke der chinesische Daunen-Verarbeiter Snowbird seine Notierung in Frankfurt an. Seit 2007 hatte sich die Deutsche Börse intensiv um Unternehmen aus der Volksrepublik bemüht, drei bis vier Mitarbeiter waren dazu permanent in Fernost unterwegs. Letztendlich wagten 25 Firmen aus China ihr Börsendebüt am Main. Mittlerweile haben die Frankfurter ihre Bemühungen nach eigenen Angaben wieder eingestellt.

Was ist überhaupt der Anreiz für chinesische Unternehmen, sich hierzulande notieren zu lassen? Experten sagen, sie wollten vor allem vom guten Ruf Deutschlands profitieren. „Wenn man schon nicht sagen kann „Made in Germany“, dann war wenigstens „Listed in Germany“ die Devise“, berichtet Yi Sun, zuständig für das China-Geschäft bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Deutsche Investoren wiederum wollten umgekehrt am Wachstumsmarkt China teilhaben.

Fast alle Kurse von China-Werten in Frankfurt gingen zuletzt in den Keller

Nicht alle Träume erfüllten sich jedoch bisher. „Bei einzelnen Unternehmen spielte da auch etwas Euphorie mit rein“, sagt Yi vorsichtig. Fakt ist, dass die Kurse fast aller in Frankfurt gehandelten China-Werte in den Keller gegangen sind.

Mal mag das an nicht erreichten Zielen, mal an Kommunikationsproblemen zwischen deutschen Investoren und chinesischen Managern liegen – die Gründe sind individuell verschieden und vielfältig. Ein Boom fernöstlicher IPOs in Frankfurt ist jedenfalls so schnell nicht zu erwarten.

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