Unternehmen Immer wieder Kirch: Deutsche-Bank-Chef Fitschen auf der Anklagebank

Blick auf die Türme der Deutsche-Bank-Zentrale  in Frankfurt am Main

Blick auf die Türme der Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main© Deutsche Bank

Eigentlich wollte die Deutsche Bank das Kapitel Kirch längst abgeschlossen haben. Doch nun kommt es Ende April zum Prozess gegen Konzernchef Jürgen Fitschen. Hat er vor Gericht gelogen?

Jürgen Fitschen, Josef Ackermann, Rolf Breuer – die Anklagebank in München ist prominent besetzt. Der amtierende Co-Chef und zwei ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank als Beschuldigte in einem Strafprozess – das hat Seltenheitswert.

Auch die Vorwürfe gegen die Manager wiegen schwer: Vor dem Landgericht geht es ab dem 28. April um versuchten Prozessbetrug in einem besonders schweren Fall. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die Banker sich absprachen, um Schadenersatz an die Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch zu verhindern. Wieder einmal holt die Pleite des Medienkonzerns 2002 die Deutsche Bank ein.

Anzeige

Fitschen will für seine Ehre kämpfen

Das Medieninteresse an dem Prozess ist schon jetzt gewaltig: 249 Bewerbungen für die 24 Journalisten-Sitzplätze im Saal gingen bei Gericht ein. Auch die Finanzaufsicht Bafin wirft ein Auge auf das Verfahren – schließlich steht der Chef der Deutschen Bank vor Gericht, dem ausreichend Zeit für seinen eigentlichen Job bleiben muss.

Zweifel in dieser Frage rasch ausräumen könnte die Terminplanung des Münchner Landgerichts: Bisher ist ein Verhandlungstag pro Woche angesetzt, das dürfte Fitschen entgegenkommen. Schließlich ist der 66-Jährige entschlossen, so wurde aus seinem Umfeld immer wieder kolportiert, trotz der zusätzlichen Belastung für seine Ehre zu kämpfen. Wie die anderen Angeklagten hatte Fitschen die Vorwürfe stets zurückgewiesen und erklärt, er habe „weder gelogen noch betrogen“.

Kann Fitschen den Kulturwandel bei der Deutschen Bank noch glaubhaft verkörpern?

Ein wichtiger Zeuge in dem Prozess sieht das vermutlich anders: Richter Guido Kotschy, der das Zivilverfahren führte, in denen die Angeklagten gelogen haben sollen. Er hatte die Staatsanwaltschaft auf die aus seiner Sicht unstimmigen Aussagen der Banker hingewiesen und wird wohl recht bald aussagen. In seiner damaligen Urteilsbegründung hatte Kotschy Klartext geschrieben. Nachweislich hätten die Bankvertreter in dem Verfahren falsch vorgetragen.

Die Zulassung der Anklage gegen Fitschen ermunterte manche Kommentatoren zu der Frage, ob der Banker nun den „Kulturwandel“ in seinem Haus noch glaubhaft verkörpern könne. Fitschen, der zudem als Präsident des Privatbankenverbandes BdB Sprachrohr der Branche ist, wollte aufräumen mit der bisweilen unrühmlichen Vergangenheit. Nun drückt die Altlast Kirch auch ihn.

Als Fitschens Vor-Vorgänger Breuer Anfang Februar 2002 die verhängnisvollen Worte über die Kreditwürdigkeit Leo Kirchs in einem New Yorker Hotelzimmer in eine Fernsehkamera sprach, war Fitschen noch im Konzernvorstand. Er wechselte danach auf eine niedrigere Management-Ebene, um später wieder in den Vorstand aufzurücken. Den Vergleich mit den Kirch-Erben Anfang 2014, der die Deutsche Bank 925 Millionen Euro kostete, verantwortete der gebürtige Niedersachse schon als Co-Chef im Führungsduo mit Anshu Jain.

Deutsche Bank im Umbruch

Der Prozess kommt für die Deutsche Bank zur Unzeit: Der Dax-Konzern ist im Umbruch und steht vor schwierigen strategischen Entscheidungen. Soll die Bank wie bisher alle Kunden vom Privatkunden bis zum Kapitalmarktprofi aus einer Hand bedienen? Wird die Postbank abgespalten? Gelingt es, Privatkundenberater und Investmentbanker dauerhaft auf gemeinsame Werte einzuschwören und Auswüchse wie vor der jüngsten Finanzkrise möglichst zu verhindern? Im zweiten Quartal will die Deutsche Bank Antworten geben.

Fitschen ist nicht der erste Deutsche-Bank-Chef, der sein Büro zeitweise mit dem Gerichtssaal tauschen muss: Der Mannesmann-Prozess zwang Vorgänger Ackermann von Januar 2004 an dazu. Damals stellte das Düsseldorfer Landgericht den Prozess um Prämien- und Pensionsbeschlüsse im Zusammenhang mit der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone erst nach fast drei Jahren gegen eine Geldauflage ein.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.